Titelbild: Fotolia Datei: #166230060 | Urheber: Konstantin Yuganov

Was ist eigentlich Spiritualität?

Lesedauer: ca. 30 Minuten

Mit diesem Artikel beginnt ein neues Kapitel von Goazin.de und auch für mich selbst – ein spirituelles Kapitel. Eine neue Reihe von Artikeln, in denen ich, einmal pro Woche, einige Dinge, Bücher, Texte, Websites oder Videos vorstelle, mit denen ich mich selbst beschäftigt habe und von denen ich subjektiv sagen kann, dass sie eine sehr positive, erkenntnisreiche Wirkung auf mich hatten. Doch der Anfang ist es, sich überhaupt mal gedanklich mit sich selbst und diesem Thema zu befassen, anstatt sich blind in irgendwelche Themen und Übungen zu stürzen. Man muss erstmal merken, dass man das überhaupt möchte. Oder eben nicht. Probieren zu verstehen, was Andere, und was ich unter Spiritualität verstehe, ist ein erster Schritt. Vielleicht sollten wir es deshalb eher (spirituelles) Experiment nennen. Denn was dabei herauskommt: keine Ahnung. Ich habe auch kein Ziel, außer meine Erfahrungen zu teilen. Nicht damit sie jemand für richtig hält, sondern nur, weil ich sie gemacht habe. Ich möchte einfach mein Verständnis dieses Begriffs „Spiritualität“ weitergeben. Warum? Vielleicht, weil wir immerhin in einer Szene unterwegs sind, die als „Markenzeichen“ ein sehr heiliges Symbol verwendet und immer mehr Leute es auf ihrer Kleidung oder ihrer Haut tragen. Uwirkungnd es Goa-Zeichen nennen … Deshalb interessiert dieser Beitrag ja vielleicht den einen oder anderen, der noch nicht so richtig weiss, wie er diesem Thema begegnen soll, aber schon davon gehört hat. Und erschreckt nicht gleich bei Worten, die man vielleicht im Alltag nicht so häufig hört. Es sind nur Worte, die man verwendet, um Dinge zu beschreiben, die andere noch nicht erfahren haben. Ein Hilfsmittel, kein Selbstzweck.

Spiritualität. Ein Begriff, mit dem viele sofort irgendwas „Abgehobenes“ oder „Esoterisches“ assoziieren. Bis vor ein paar Monaten war ich selbst so ein Mensch, der sich immer als faktenorientierten Skeptiker und objektiven Menschen betrachtet hat, der, wenn auch nur innerlich, mit dem Finger auf Menschen gezeigt hat, die die ganze Zeit Worte wie „universell“, „Sein“, „Bewusstseinserweiterung“, „bewusstes Handeln“, „Erkenntnis“, „Höheres Selbst“, „Seele“ und „Selbsterfahrung“ verwenden.

Das Ding ist; ich betrachte mich immer noch als objektiven, faktenorientierten Menschen, oder als jemand, der auf dem Weg dorthin ist. Ich habe nur gemerkt, dass ich vorher Keiner war und mich noch nichtmal ansatzweise auf diesen Weg gemacht hatte. Dass ich einer geschickten Selbsttäuschung auf den Leim gegangen war. Einer, von Vielen. Das Erkennen und Auflösen von Selbsttäuschung ist für mich eines der Kernelemente der Spiritualität. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Und was hat das in diesem Magazin zu suchen? Tja, selbst dann, wenn ich es jetzt möglichst einfach beantworten würde, würden die meisten die Antwort trotzdem nicht verstehen. Allein‘ schon deshalb, weil man die objektive Antwort, auf eine solche Frage, nur im subjektiven Erleben finden kann. Paradox, oder? Wenn dich diese Dinge neugierig machen, dann ist das schonmal ein gutes Zeichen. Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Ging mir lange Zeit auch so.

Deshalb möchte ich mit euch ganz am Anfang beginnen, wenn ihr überhaupt Bock darauf habt. Wieso ihr darauf Bock haben könntet? Naja, immerhin feiern viele von euch eine Musik, die, gerade in Westeuropa, gerne mit dem sog. „Om-Zeichen“ assoziiert wird – immerhin ein oder sogar das heilige Zeichen des Hinduismus und Buddhismus. Und genau so hat auch mein bewusster Weg, hin zu zu etwas mehr Spiritualität, begonnen. Mit der Frage: was hat dieses Zeichen bitte mit Psytrance zu tun? Und mit mir? Immerhin ist es ein mehrere Tausend Jahre altes Symbol, das wir da verwenden und stilisieren, ohne es groß zu hinterfragen. Älter als das Christentum. Älter als Psytrance und die Geschichte der Goa-Kultur sowieso.

OM Zeichen Goa Zeichen

Und ich finde, dass es nicht schadet, wenn man weiss, was man da auf seinen Klamotten, mit Henna-Farbe auf der Haut, oder sogar mit Tinte unter der Haut trägt (und es werden immer mehr!). Noch weniger schadet es, wenn man weiss, warum dieses Zeichen mit dieser Musik assoziiert wird und was das eigentlich über einen selbst aussagt. Auch, wenn das natürlich nur meine eigene Interpretation ist. Kurz gesagt: der Anfang spiritueller Erkenntnis ist das Erkennen der Tatsache, dass, mit jeder Antwort, sehr viele neue Fragen auftauchen, die man vorher gar nicht kannte, bis es dann irgendwann ruhiger wird, im Kopf. Einfach weil man weiss, dass man diese Antworten dann finden wird, wenn man sie wirklich braucht und nicht dann, wenn man sie kennen will, nur, um sie zu kennen. Was bringt einem Wissen, wenn man es nicht anwenden kann, oder keine eigenen Erfahrungen damit machen will? Was bringt es einem, die großen philosophischen Schriften und Gedankenkonstrukte zu kennen, wenn man sie nicht richtig verstehen kann. Also versucht jetzt nicht aus diesem Artikel möglichst viel Nutzen zu ziehen, sucht nicht nach Erkenntnis. Macht einfach die Erfahrung, ihn zu lesen und macht vielleicht die kleinen Übungen mit, die ich beschreibe und in nächster Zeit, in einem weiteren Artikel pro Woche, beschreiben werde. Oder eben nicht. Würde zum Erlangen der Erkenntnis das Lesen eines Buches oder Artikels ausreichen, wären wir ja alle bereits im vollkommenen Einklang mit uns selbst und allem, was war, ist und sein wird. Freut euch stattdessen einfach, dass ihr gerade dabei seid, wie ich diesen ersten Schritt auf Goazin.de gehe und darauf, was noch kommen wird. Ich bin nämlich selbst erst am Anfang und werde diese Reise, Woche für Woche, auf Goazin.de dokumentieren. Seid geduldig. Flow with it 😉

Warum wir tun, was wir tun – die Stimme im Kopf

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Noch was Tolles an Spiritualität: was du jetzt gerade beim Lesen dieses Satzes denkst und empfindest, wird in wenigen Wochen vielleicht schon etwas ganz Anderes sein 😉

Im Anschluss geht es einfach mit ein paar Gedanken weiter, die zeigen sollen, was Spiritualität für mich ist und dass sie deshalb nicht dasselbe für dich sein muss, aber trotzdem genauso interessant für dich sein kann. Und die zeigen, dass der Grundsatz der Spiritualität logischerweise das Verstehen ist, dass man den Begriff Realität vielleicht nochmal neu durchdenken oder interpretieren sollte. Er ist sehr dehnbar. Der Artikel ist lang, aber habt ihr gerade was besseres zu tun? Falls ja, dann tut es bloß und lest nicht mein experimentelles Geschreibsel und macht was Sinnvolleres. 😀 Aber falls nicht, dann ist es vielleicht ja einfach eine schöne Erfahrung, die nächsten Minuten einfach mal ein paar Gedanken zu haben, die man so vielleicht noch nicht hatte. Und einfach mal ein bisschen zu lesen. Ob es dir was bringt, das hängt auch von dir ab. Aber pssssssst…nicht alles im Leben muss immer sofort was bringen, oder einen sofort erkennbaren Nutzen haben. 😉

Die meisten von uns führen ständig innere Dialoge, denken über irgendwas nach, während sie handeln. Warum lese ich diesen Artikel überhaupt? Interessiert mich doch nicht. Sehe ich anders. Aber du liest noch. Angenommen, du bist auf dem Weg zum Einkaufen. Du nimmst aber nicht deine Füsse wahr, wie sie abrollen , während deine Beinmuskeln dich fortbewegen. Wie deine Rumpfmuskulatur versucht, die Balance zu halten. Du nimmst nicht die Menschen wahr, die dir auf dem Weg begegnen, oder die Empfindungen – meistens bist du schon gedanklich im Laden und denkst den Einkauf durch. Hab‘ ich alles aufgeschrieben? Wird die Schlange lang sein? Ob noch genug frisches Gemüse da ist? Hab ich einen Chip für den Einkaufswagen? Oder noch weiter, schon weit hinter dem Einkauf: wann koche ich nachher am besten? Oh nein, das bedeutet ja wieder Abwasch usw. Und was passiert, nicht trotz, sondern wegen des ganzen Nachdenkens? Man vergisst doch immer wieder was. Denn während man dann beim Einkaufen ist, frisches Gemüse findet und auch einen Chip für den Einkaufswagen hatte, schon bevor man auf dem Weg darüber nachgedacht hat, ist man jetzt schon wieder woanders. Wieso ist das so teuer? Soll ich vielleicht doch noch Süssigkeiten holen, obwohl ich vorher Ewigkeiten darüber nachgedacht habe, es zu lassen? Und so geht es immer weiter. Den ganzen Tag. Verpasse ich nicht den DJ, wenn wir da noch am Zelt sind? Zeig‘ mal den Timetable, obwohl die Planung dann eh nie klappt. Lass‘ mal ein Selfie machen! Wird die Soundqualität gut sein? Was macht denn der Bademeister hier? Irgendwas ist immer, nur die Schönheit des Festivals verpassen wir dann leider, anstatt an ihr zu wachsen und Erfahrungen zu machen. Wir sind doch eh schon da.

Anderes Beispiel: du hast eine Aufgabe auf der Arbeit erledigt – während du zu deinem Vorgesetzten gehst, um ihm das zu berichten, gehst du nicht bewusst und nimmst wahr, wie du durch die Gänge gehst, oder vielleicht die Aussicht genießen könntest, die viele Büros ja haben, sondern denkst schon darüber nach, was dein Chef sagen wird. Wird er dich loben oder kritisieren? Bekommst du heute früher frei? Das sind nur Kleinigkeiten, die aber ein großes Problem aufzeigen. Angenommen du bist nun bei deinem Chef und berichtest ihm, was du berichten wolltest. Jetzt kritisiert er dich. Aber auch das nimmst du nicht bewusst wahr, denn du bist schon wieder woanders – Warum sagt er das? Wieso ist er so unfair zu mir? Nie ist er zufrieden! Was fällt dir auf? Richtig, du bist schon wieder nicht bewusst in der Situation und reagierst fremdgesteuert – gehst in den Verteidigungsmodus oder schaltest auf Durchzug. Denn mit dem Kopf bist du schon längst woanders, oder in Selbstmitleid verfallen, statt konstruktiv zu reagieren und wirklich Fortschritte zu machen. Was kommt als nächstes und warum überhaupt? Womit habe ich das verdient? Wir suchen stets nach dem Warum, fragen aber nie, was wir eigentlich gerade tun. Jetzt.

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Die meisten von uns reagieren so – in fast jeder Situation des Alltags. Wenn wir Obdachlose sehen, sehen wir nicht das Leid, sondern urteilen häufig. „Ich hab es doch auch geschafft, also kann es jeder schaffen“, „Der kauft sich eh nur Alkohol“, „Ich hab selber nicht viel Geld“ (aber immer noch hundertmal mehr als der Bettler). Getan und geschafft habt ihr aber letztendlich nur eins: nicht geholfen, nichtmal gelächelt. Wenn man meint urteilen zu können, wer ein Lächeln und Höflichkeit verdient hat und wer nicht, dann sollte man ganz dringend anfangen, sich mit Spiritualität zu befassen. Ein anderes Beispiel von mir: ich habe schon oft gedacht, dass Fleischessen in dem Maße nicht gesund sein kann, ebenso wie Fastfood. Weder für mich, noch für die Umwelt. Und ich kannte auch die Folgen, habe Dokus gesehen. Trotzdem habe ich, anstatt im „Jetzt“ die Handlung zu unterlassen, immer wieder Gründe gefunden, doch fast täglich Fleisch zu essen, oder immer noch ein nächstes Mal zu Burger King zu laufen. Was ändert das schon? Selbst, wenn ich gegen Massentierhaltung und ihre Folgen bin – ich alleine bewirke ja eh nichts (eine schreckliche Selbstsuggestion, wirklich!), also kann ich ja weiter hingehen. Da waren wieder diese Gedanken im Kopf, die mich im Jetzt unbewusst werden ließen.

Mein Grundgedanke, aus dem heraus ich begann, mich mit Spiritualität überhaupt zu befassen, war Folgender: fast jeder Mensch kennt diese Sätze wie „Unsere Ordnung ist das Spiegelbild unserer Seele“Wenn es in deiner Wohnung unordentlich ist, geht es dir nicht gut. Wenn es richtig dreckig ist, noch schlechter. Fast Jeder, ob er nun Fleisch isst oder nicht, Kapitalismus und Luxus liebt oder nicht, bestätigt diese Aussage. Aber er denkt sie nicht weiter. Habt ihr euch unseren Planeten mal wirklich angeschaut? Die Zerstörung, die Rohdung, die Kriege, die menschengemachten Umweltkatastrophen? Den Umgang Miteinander? Die Smartphone-Armee? Den Scheiss, den wir uns tagtäglich im Netz und im TV reinziehen – ob nun über altmodischen Kabelanschluss oder Streaming-Dienste. Nicht einmal auf „unseren“ Festivals sind ein immer freundliches Miteinander und Achtsamkeit auf die Anderen gewährleistet. Sonst müssten Veranstalter ja nicht drauf hinweisen. W-Lan auf der Ozora, weil wir da, wo wir eigentlich abschalten wollen, jetzt auch noch einschalten müssen? Sexismus, verprügelte DJs und überall Müll. Auch in unserer kleinen „psychedelischen“ Welt orientiert sich alles mehr und mehr am Entertainment-Faktor „Psytrance“. Denn sie ist ebenso Teil dieser Welt, die ein Spiegelbild unserer selbst ist, wie unsere Wohnung. Was geblieben ist, ist das Om-Zeichen, welches zum Symbol dieses Entertainments geworden ist. Auch hier, bei Goazin.de. Das ist mir klar geworden und dagegen möchte ich was tun. Mit dieser neuen Artikel-Serie, in der ich Bücher, Praktiken und Hilfestellungen weitergebe, die mir selbst im Alltag helfen, wirklich ruhiger zu werden, selbstbestimmter, gesünder und schlichtweg glücklicher – ohne materiellen oder finanziellen Zugewinn.

Sehr gern würde ich mich mit Dir austauschen und ein Stück gemeinsam gehen, auf dem Weg zu einem Leben mit mehr innerer Ruhe und Selbstverwirklichung. Hier auf Goazin.de

Eigentlich wissen wir alle, wie die Realität aussieht, verschmutzen aber unseren Planeten aufs übelste, stopfen uns mit Mist voll, körperlich und mental und tun so, als wenn uns das alles nichts angeht. Man kann ja nicht das ganze Leben nur deprimiert sein. Nein, ganz genau. Das wird man aber, wenn man ständig resigniert. Aber das hat nichts mit Spiritualität zu tun. Noch nicht. Spiritualität hat damit zu tun, sich dieser Wahrheit bewusst zu werden und deshalb nicht zu resignieren, sondern, aus innerer Kraft heraus, zu handeln. Immer. Egal, wie aussichtslos eine Sache zu scheinen mag. Im Kleinen wie im Großen.

Wir denken, unsere kleine, unbedeutende Tat, ob nun gut oder schlecht, tut da auch nichts mehr zur Sache. Aber wenn wir nicht anfangen, wie können wir es dann von anderen erwarten? Ich meine, die wenigsten Menschen nehmen diese Fakten einfach hin, nur hoffen sie alle darauf, dass jemand anderes diese Probleme löst. Wenn unsere Wohnung ein Spiegelbild unserer inneren Ordnung und Reinheit ist, wie es dann mit der Erde? Anscheinend sieht es in der Menschheit insgesamt nicht sehr gut aus, wenn wir unseren Planeten als Maßstab nehmen, genau wie unsere Wohnung. Und wir sind die Menschheit. Deshalb kann Veränderung nur in einem selbst beginnen! Denn wir sind die Ursache dafür, wie es in der Welt aussieht. Naja, nicht wir, sondern die rechtfertigende Stimme im Kopf. Die Unbewusstheit, in der wir leben. Die Unbewusstheit darüber, dass jede einzelne Tat Konsequenzen hat. Nicht im Jenseits oder sowas, sondern jetzt. Schaden an uns ist Schaden an der Welt. Und wenn unser alleiniger Fleischkonsum natürlich keinen Einfluss auf den Mastbetrieb haben wird, so hat er doch Einfluss auf uns selbst. Und damit auf die Welt, von der wir, ob wir wollen oder nicht, ein Teil sind. Wäre sich jeder dieser Tatsache wirklich bewusst, wäre die Welt gerettet. Also, wie wird man sich ihr bewusst?

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Die Innere Stimme hören, aber nur eine!

Spirituelle Menschen glauben, grob gesagt, dass die innere Stimme, die einer Person beispielsweise sagt, dass Massentierhaltung eigentlich schlecht ist, nicht dieselbe Stimme ist, die dann trotzdem noch Argumente findet, noch zu McDonalds zu laufen, oder Fleisch für 1,99,- € bei Aldi zu kaufen. Weil sie doch irgendeinen Grund findet, dass das ok ist – denn während die Person wider besserem Wissen handelt, ist sie schon wieder woanders, nicht in der Situation, in der sie gerade handelt und in den Burger beisst. Sie rechtfertigt sich schon wieder, im Kopf. Vor sich selbst. „Einmal wird schon nicht so schlimm sein“, „Ob ich jetzt zu McDonalds gehe, oder nicht – die Welt geht eh zugrunde. So schmeckt es immerhin noch.“, „Ich habe halt kaum Geld und kann nur Fleisch für 1,99 € kaufen“. Spiritualität ist die Unterscheidung zwischen dem, der sich da vor sich selbst rechtfertigt und dem, der man eigentlich ist. Die Suche nach diesem eigentlichen Selbst, vor dem wir uns da innerlich rechtfertigen. Es gibt nämlich nur einen Grund, wieso sich unsere innere Stimme vor uns selbst rechtfertigt: weil wir es eigentlich besser wissen. Und auch besser machen wollen.

Wäre es dementsprechend nicht eine Bereicherung für jeden Menschen und somit für die Welt, wenn man lernen würde, seine Impulshandlungen und die Momente, in denen man sich so fühlt, als handle man aus irgendeinem unkontrollierbaren Drang heraus, oder in denen man denkt, man hätte sein Leben nicht selbst in der Hand, loszuwerden? Die Stimme abzustellen? Wenn jeder Mensch denken würde „Egal, ob es der Welt was bringt oder nicht, wenn ich weniger Fleisch esse, Hauptsache ich bin gesünder.“, dann wäre morgen jeder gesünder. Auch, wenn es immer noch sehr egoistische Motive wären. Man ist dann trotzdem schon ein stückweit objektiver als vorher. Wusstet ihr übrigens, dass sich die Welt schon drastisch verändern würde, wenn jeder Mensch nur noch die Hälfte seiner jetzigen Menge an Fleisch essen würde? Ist das wirklich soviel verlangt und schwer?

Anscheinend schon. Spirituelle Menschen suchen Lösungen und Antworten auf die Frage, warum wir im Jetzt selten das tun, was unser Wissen und unser wahres Selbst uns eigentlich sagen, weil irgendeine Stimme sich vor sich selbst rechtfertigt und immer wieder Ausflüchte findet. Unser Ego. Aber wenn wir immer unseren Gedanken, Interpretationen und Ausflüchten nachgeben und sie irgendwann selber glauben, und sogar als Teil von uns selbst sehen, handeln wir unbewusst und sind nie wirklich da. Immer. Wir hören unser besseres Wissen maximal aus weiter Ferne, aber es wird übertönt, von der Stimme im Kopf, die irgendeinen Grund findet, doch wieder das zu tun, was eigentlich nicht gut für uns ist. Auch nicht für andere. Und das sind für jeden Menschen verschiedene Dinge und verschiedene Folgen. Aber sie betreffen uns alle. Im Kleinen und im Großen. Aus Unbewusstheit schmeissen Menschen übrigens auch Kippen auf den Boden, pöbeln rum, beschweren sich über die Soundqualität oder das Wetter, lassen ihren Müll zurück, rempeln andere an und handeln sexistisch. Auf Festivals zum Beispiel. Auch auf Psytrance Festivals. Weil sie nicht wirklich in der Realität sind, sondern ausschließlich in ihrer eigenen Interpretation davon leben.

In der Gedankenblase, die wir Wirklichkeit nennen. Dafür sollten wir sie aber nicht verurteilen, das wäre ebenso falsch und würde nur unsere Interpretation der Realität in uns festigen. Wir müssen es akzeptieren und ändern – gleichzeitig. Denn die Person kann für ihre unbewussten Handlungen genauso wenig wie ihr für eure. Wir haben es nie gelernt, alles um uns herum wahrzunehmen und zu beurteilen wie es wirklich ist. Durchsetzungsvermögen, Konzentration, Fokussierung und Ehrgeiz sind Dinge, die in unserer Gesellschaft gelehrt und akzeptiert werden. Nicht aber Mitgefühl, Achtsamkeit und eigenes, weites und tiefes Sehen und Fühlen. Immer realistisch bleiben lautet das Motto, obwohl keiner es wirklich ist. In der Schule fängt es an, indem wir uns auf vorgekautes Wissen, Lehrer und Regeln fokussieren, nicht auf eigene Erfahrung und eigene Gefühle. Grundwissen ist wichtig. Aber eigene Meinungen und Gefühle zu Schulwissen gelten eher als hinderlich. Und aus diesem Grund schmeissen wir dann unsere Kippe auf den Boden, oder gehen zu McDonalds. Es ist akzeptiert, andere tun es auch, wird schon nicht so schlimm sein. Oder sogar richtig. Mehrheit ist ein sehr gefährliches Thema, wenn alle plötzlich denken, dass sie gleichbedeutend mit Wahrheit wäre. Ob wir selbst etwas wirklich wollen, danach fragen die wenigsten von uns. Denn man kann nur eine Person danach fragen. Uns selbst. Spiritualität hilft uns, uns selbst wieder zuzuhören, nicht dem Ego.

Ein Aspekt der Spiritualität ist es herauszufinden, wer da handelt, während wir mit unserem Kopf alles analysieren und durchdenken, außer das, was jetzt gerade ist. Wenn wir an die Zukunft, oder unsere Vergangenheit denken, doch trotzdem irgendwas im Jetzt tun, was letztendlich unsere Zukunft und Vergangenheit sein wird. Deshalb wird sie unbewusst sein. Was bedeutet das für unser gesamtes Leben? Vielleicht, dass wir es gerade verpassen?

„Einfache Übungen wie bewusstes Atmen und Lächeln sind sehr wichtig. Sie können unsere Zivilisation verändern.“ – Thich Nhat Hanh

Ein kleines Experiment

So bedeutungslos und einfach es auch klingen mag, ich möchte mit einem kleinen Experiment beginnen, das wir, solange ihr weiterlest, durchziehen; konzentriert euch bitte ganz genau auf euren Atem. Kontrolliert ihn nicht, beobachtet ihn nur. Spürt jede Empfindung, beim Einatmen und beim Ausatmen, ganz bewusst. Wie sich die Bauchdecke hebt und die Brust und wie du die einströmende und ausströmende Luft in den Nasenlöchern und im Bauch wahrnimmst. Während du diesen Artikel liest, zähle bitte jeden Atemzug mit, bis 10, dann beginnst du wieder bei 1 usw. Fange jetzt sofort an!

Spüre gleichzeitig den Stuhl, auf dem du sitzt, oder das Sofa, oder Bett, auf dem du liegst, ganz bewusst. Wie fühlt es sich an, hart oder weich? Ist das Sofa durchgelegen? Mach‘ dir einfach bewusst wo du gerade stehst, liegst oder sitzt, während du diesen Artikel liest und wie du dabei die einzige Konstante in dieser Umgebung zählst, die wirklich für immer da sein wird, im Hier und Jetzt – dein Atem. Und zählst du die Atemzüge noch? Wenn ja, sehr gut. Wenn nein, auch nicht schlimm. Fang einfach wieder an. Dann fang an, bewusst zu lesen, höre die Worte in deinem Kopf, die du hier liest. Aber ohne sie zu bewerten, oder zu interpretieren. Lies sie einfach. Der Sinn dieses Experiments wird deutlich, je länger du liest. Fällt dir auf, wie schwer es ist, ohne Gedanken, Interpretation und Beurteilung einfach nur zu sein, zu lesen und dabei zu atmen? Wieso kommt diese innere „Stimme“ immer wieder, woher kommen die Gedanken, die plötzlich einfach da sind? Bringt mir das jetzt was, das hier zu lesen? Irgendwie sitze ich gar nicht bequem? Wie lang geht das hier noch? Was ein Spinner! Wie soll es die Welt verändern, wenn ich meinen Atem zähe? Und zählst du noch, oder schon wieder abgelenkt? 😉 Kannst dich wohl doch nicht so gut auf dein Bewusstsein verlassen. Es wechselt ziemlich schnell zwischen Prioritäten hin und her. Aber probiere es weiter, ich werde dich zwischendurch wieder dran erinnern. Schön zählen und atmen.

Irgendwie wissen doch die meisten von uns, dass „hier“ irgendwas nicht stimmt. Ich meine nicht politisch, rechtlich, wirtschaftlich, menschlich oder sowas. Nein, es stimmt etwas nicht damit, wie wir uns, die Realität und unser Leben wahrnehmen und damit umgehen. Wir finden immer schnell Ausreden dafür, dass alles so ist wie es ist und schon seine Richtigkeit hat. „So bin ich halt“. Aber am Ende des Tages hat sie jeder von uns schon mal erlebt – die Blase, um einen herum, die Dumpfheit des Alltags, der Maschinenmodus, in dem wir wie ferngesteuert und völlig automatisch handeln (z.B. Zähneputzen, Abwaschen, Duschen, Kochen, zur Arbeit gehen, das Ritual des Rauchens, oder anderer Süchte, unsere Reaktion auf Streit und Anfeindungen). Und dieser Modus breitet sich, gerade in unserer Gesellschaft, auf immer mehr Aspekte des Lebens aus. Routine.

Das ist aber sehr ungünstig, denn wenn wir immer dasselbe tun, wird sich auch rein gar nichts verändern. Denn es gibt nur ein einziges Prinzip, welches dieses Leben und dieses Universum bestimmt: Ursache & Wirkung. Und wenn wir die Ursachen nie richtig mitbekommen, die wir unbewusst durch unser unbewusstes Handeln verursachen, genauso wenig wie ihre Wirkungen, die wir nie wirklich mitkriegen, sondern als Schicksal, Zufall, Glück, Pech oder Bestimmung bezeichnen – was kriegen wir dann eigentlich vom Leben wirklich mit? Nichts weiter, als unsere Interpretation davon – aber niemals das wahre Leben. Und das ist nicht schlimm, wir müssen das nur wissen! Denn ändern können wir es gar nicht. Das einzige was wir können ist, uns der Wahrheit entgegen zu bewegen – mithilfe von Spiritualität, oder einiger ihrer Aspekte, wie der Meditation. Denn nur so können wir unser Handeln auch der Realität angleichen. Und nur das macht uns wirklich glücklich, frei und erfüllt. Das Gegenteil, Realitätsverweigerung, Rechtfertigungen und Resignation, verursachen Stress, Unzufriedenheit, Unglück und hohen Blutdruck – alles nicht schön 😀 Ach so, zählst du dein Atem noch? Spürst du noch den Gegenstand, auf dem du sitzt oder liegst? Zählst du dein Atem nur, oder hast du nach der 10 auch immer wieder bei der 1 angefangen? Gar nicht so einfach, oder? Obwohl es sich so simpel anhört. Und so ist es auch mit der Meditation und der Spiritualität – der Suche nach der wahren Natur des Menschen.

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Was ist Realität – Ursache & Wirkung

Was wir erleben, ob nun als Glück, Zufall, Schicksal, Bestimmung oder sonst was, hat nur eine einzige Ursache: das Prinzip von Ursache & Wirkung. Klingt irgendwie sehr naturwissenschaftlich, entstammt aber eigentlich dem Buddhismus und ist eng verknüpft mit dem Karma-Prinzip. Ich möchte auf den Buddhismus-Bezug, im Moment, noch gar nicht weiter eingehen. Ich verstehe es auch selber noch nicht wirklich, aber schon ein wenig. Und meine bisherigen Erfahrungen haben mich dazu gebracht, heute diesen Artikel zu schreiben. Ich möchte eine Frage stellen: warum liest du das hier? 

  • weil du den Beitrag zufällig bei Facebook gesehen hast?
  • weil du gerade auf Goazin.de unterwegs warst, um nach Party-Terminen zu schauen und dabei bist du auf diesen Beitrag gestoßen?
  • Weil der Begriff „Spiritualität“ dich vielleicht interessiert hat?

All‘ diese Antworten mögen stimmen, sind aber nur ein Teilaspekt der Wahrheit. Deiner subjektiven Wahrheit. Denn du bist zwar hier, weil du auf Facebook warst, aber warum warst du dort? Vielleicht, weil du schon Feierabend hattest, oder Freizeit, weil du lästige Pflichten schon gestern erledigt hast. Hättest du also einen anderen Job, oder den Haushalt von Gestern auf Heute verschoben, wärst du jetzt nicht hier. Warum hast du diesen Job, ohne den du nicht hier wärst, weil du vielleicht noch keinen Feierabend hättest? Warum hast du gestern den Haushalt gemacht, nicht Heute, sodass du Heute Zeit hattest, um das hier zu lesen? Liegt die Ursache für die heutige Wirkung, dass du diesen Artikel liest, also schon weit in der Vergangenheit? Bei deiner Jobwahl? Oder bei den hunderten Malen, als du den Haushalt verschoben hast, bis du gestern gelernt hast, es sofort zu tun? Ich weiss es nicht, aber es verdeutlicht eins: du meinst vielleicht, dass du die Wahrheit kennst, also hier zu sein, weil du auf Facebook warst. Aber eigentlich reicht sie viel, viel tiefer. Ob nun Zufall oder Schicksal, das spielt dabei überhaupt gar keine Rolle. Du wirst nie ganz genau wissen, warum du gerade hier bist und das liest, aber Ursache & Wirkung sagen uns, dass wir nicht hier wären, wenn nicht alles genauso passiert wäre wie es passiert ist. Egal, warum es passiert ist. Um deine Zukunft zu gestalten und zu kennen musst du also immer wissen, was jetzt gerade passiert und möglichst viele Perspektiven darauf haben. Denn wenn deine Zukunft eintritt, wird sie sich auch wie „Jetzt“ anfühlen, nicht wie deine Zukunft. Also pass‘ auf, dass du sowohl deine Ursachen als auch ihre Wirkungen nicht verpasst, sondern immer bewusst wahrnimmst und handelst – denn sonst verpasst du beides. Du kannst nie wissen, was eine noch so kleine Tat am Ende bedeuten wird – für dich und für andere. Also handele immer bewusst und nimm‘ immer bewusst wahr. Leichter gesagt als getan, glaube mir. Aber es ist auch definitiv wert, es zu üben. Sonst wirst du immer nur einen ganz kleinen Teil der Wahrheit kennen und in einer Traumwelt leben, in der du oft den Eindruck hast, nicht volle Kontrolle über dich und dein Leben zu haben. Akzeptiere einfach, dass das Leben nicht kontrollierbar ist. Das einzige, was du wirklich kontrollieren lernen kannst, bist du selbst und deine Reaktion auf dein eigenes Leben. Denn sie ist das einzige, was dich glücklich oder unglücklich machen kann – ganz egal was passiert.

So ist das nicht nur mit der Realität, sondern auch mit der Spiritualität. Im Buddhismus gibt es das Gleichnis des Elefanten und der drei blinden Männer. Diese sollen den Elefanten, ohne zu wissen, was da vor ihnen steht, jeweils an einer anderen Stelle, berühren und dann sagen, was sie dort fühlen. Der erste Mann berührt den Rüssel und sagt „Es fühlt sich an wie eine Schlange“, der zweite Mann berührt die Stoßzähne und sagt „wie ein Speer“ und der dritte blinde Mann umklammert eines der elefantösen Beine und sagt „es fühlt sich an wie ein riesiger Baumstamm“. Die drei Männer beginnen sich zu streiten, wer denn nun Recht habe. Alle und gleichzeitig keiner. Und so ist es auch mit der Spiritualität. Aber so ist es auch mit unserer Wahrnehmung der Realität. Spiritualität und Realität gehören eng zusammen und gehen nicht weit auseinander. Mir wurde das durch meine hobbymäßige Beschäftigung mit der Quantenphysik klar. (Artikel auf Goazin: Leben nach dem Tod – Quantenphysik & Seele) – aber das ist ein anderes Thema.

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Viele Menschen entdecken nur einen kleinen Teil der Wahrheit und halten ihn stets für die komplette, objektive Realität. Andernfalls müssten wir uns ja eingestehen, subjektiv zu handeln, was ja nahezu als verpönt gilt. Das gilt somit auch für die Spiritualität. Viele Menschen entdecken irgendeinen Teil von ihr und halten diesen Aspekt dann für Spiritualität an sich. Folglich ist für diese Menschen jeder, der diesen Teil nicht für seine Spiritualität braucht, nicht richtig spirituell. Und Skeptiker denken schnell, dass jeder Aspekt der Spiritualität Unsinn ist, weil ihnen vielleicht ein oder zwei Aspekte widersprechen. Das führt zu Streit und Diskussionen, in denen wir häufig nicht unseren Standpunkt, sondern unsere Realität, unsere scheinbare Objektivität verteidigen, die für uns alles bedeutet. Und dieser aussichtslose, ewige Streit macht unglücklich und zwingt uns zur Resignation vor uns selbst. Anstatt einfach dort mit der Suche nach Antworten, Glück und Freiheit zu suchen, wo wir sind. Im Jetzt. Nicht in unserem Ego, in Selbstbestätigung oder der Meinung anderer über uns und unsere Realität.

Ich denke, jeder von uns hat sich schonmal in einem Streit, oder einer Diskussion wiedergefunden, in denen es auf einmal überhaupt nicht mehr um den Standpunkt an sich und das wirkliches Bedürfnis nach Wahrheits- und Lösungsfindung ging, sondern nur noch darum, zu gewinnen. Wie könnte man selbst auch Unrecht haben. Man hat seine Realität ja erlebt. Aber unser Gegenüber auch. Das vergessen wir gerne mal. Oft probieren wir, andere von unserer Realität zu überzeugen, denn erst das festigt sie in uns selbst. Man könnte aber auch mal versuchen zu verstehen, was es bedeuten könnte, dass jeder von uns seine eigene Wirklichkeit hat. Seine eigenen Ursachen & Wirkungen. Vor allem sollten wir mal darüber nachdenken, was das für uns bedeutet. Nämlich dass jenes, was die meisten als Realität ansehen, nichts ist, außer die eigene Geschichte, die wir mit unseren fünf Sinnen erlebt und mit unseren Gedanken interpretiert haben. Unsere Realität besteht aus Dingen wie der Meinung anderer über uns, unseren Erfolgen und Enttäuschungen, einschneidenden Momenten – alles Dinge, die andere Menschen nicht so erlebt haben wie wir. Wieso meinen wir also dauernd, objektiv zu sein. Wieso wollen wir immer Recht haben? Wie können wir überhaupt „Recht haben“, wenn wir die Wahrheit gar nicht kennen, oder es die Wahrheit gar nicht gibt? Jedenfalls nicht innerhalb unserer möglichen Wahrnehmung. Wir suchen ja nichtmal, weil wir ständig denken, wir kennen sie schon. Woher denn? Vom Einkaufen? Vom Feiern, oder von der Arbeit? Aus dem Urlaub? Vom letzten Restaurant- oder Kinobesuch? Die meisten von uns, auch ich, sind rein subjektive Menschen, die das noch nichtmal wissen. Und das ist auch ganz normal. Objektiv kann man werden. Wenn man übt. Und es lohnt sich, denn die wirkliche Realität ist nicht eure Meinung, eine Interpretation, eine politische Überzeugung, ein Glaubenssatz oder eine sinnliche Wahrnehmung – sie ist einfach nur. Und so wie sie ist, ist sie großartig, sonst wäret ihr nicht hier. Aber das zu verstehen, bedeutet Veränderung und das ist immer so eine Sache…

Beispiel für das Aufzwingen der eigenen Realität: ihr erzählt jemandem davon, dass ihr angefangen habt, euch auf einen spirituellen Weg zu machen. Der- oder diejenige entgegnet, das sowas doch nichts bringe, da es diese „Dinge“ nie bewiesen wurden („Dinge“, die nur diese Person subjektiv mit dem Wort „Spiritualität“ verbindet – sie geht aber bereits davon aus, zu wissen, was du mit ihr verbindest, nur, weil sie das Wort subjektiv interpretiert, ohne deine Interpretation / Realität zu kennen). Sie sagt, es wäre sogar egoistisch, sich so auf sich selbst zu fokussieren, weil es soviel Leid und Probleme in der Welt gibt. Und Meditierende sitzen doch nur rum, wie solle sich dadurch schon was in der Welt oder an dir ändern? Was soll diese Selbstbeweihräucherung?

Die Argumente contra Spiritualität sind also „Das ändert nichts an Missständen in der Welt, ist egoistisch und ist nicht bewiesen.“. Wäre diese Person nun objektiv hieße das, dass diese Person sehr viel tut, um Missstände zu ändern, nie egoistisch ist und nur Dinge glaubt, die bewiesen sind. Sonst würde sie ja nicht so auf eure neuentdeckte Spiritualität reagieren. Sie möchte euch ja nur die Wahrheit zeigen. Die Realität. Euch eines Besseren belehren, damit ihr richtig handelt. Ganz objektiv. Ihr werdet euch wundern, wie viele Menschen in eurem Umkreis auf einmal zu Weltverbesserern werden, die den Egoismus der Spiritualität beklagen und anscheinend dagegen sind, weil ihr dadurch die Probleme in der Welt ja auch nicht löst. Fragt euch jetzt folgendes: löst diese Person mit ihrem Handeln die Probleme der Welt? Ist sie immer selbstlos und nie egoistisch und glaubt nur an bewiesene Dinge? Falls nicht, wieso sind ihr dann diese Argumente plötzlich so wichtig? Bitte verurteilt sie nicht, aber hört auch nicht auf sie. Traut euch selbst. Mal abgesehen davon, dass Meditation und Spiritualität zwei der effektivsten Mittel sind, um ein Bewusstseinszustand zu erlangen, in dem man wirklich anfängt zu helfen, weil man versteht, dass man nur dort wirken kann, wo man ist und dabei bei sich anfangen muss. Und dass es deshalb keine Entschuldigung ist, nichts zu tun, nur weil man nicht im Kriegsgebiet vor Ort ist. Wenn jeder Mensch damit anfangen würde, dort zu wirken, wo er ist, ohne dauernd Ausflüchte zu suchen, wäre allen Menschen geholfen. Spiritualität ist der dafür notwendige Perspektivwechsel. Der Blick auf den ganzen Elefanten.

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Zurück zum Streit: kann es also sein, dass es der Person vielleicht gar nicht um objektive Argumente geht, nicht darum, dass Spiritualität wirklich egoistisch wäre, oder keine Probleme löst, sondern einfach nur darum, die eigene Realität durchzusetzen, in der diese Person noch nie spirituelle Erfahrungen gemacht hat und ihr sie deshalb ja auch nicht machen könnt? Schließlich lebt die Person, ihrer Meinung nach, ja in der objektiven Realität, während ihr nur Quatsch erzählt, und wenn sie keine Spiritualität erfährt, dann könnt ihr das auch nicht einfach tun. Denn das sieht diese Person nicht als real an. Einstein sagte einmal Folgendes: „Realität ist eine Illusion, allerdings eine sehr hartnäckige“

Also, warum will diese Person euch ihre Wahrheit aufzwingen? Weil ihr Teil ihrer subjektiven Realität seid und wenn ihr euch verändert, beginnt ihre Realität zu wanken. Deshalb wollen viele Menschen euch so behalten wie ihr immer schon gewesen seid. Wir mögen es nicht gerne, wenn Dinge sich verändern und noch weniger, wenn Menschen das tun, die Teil unserer Illusion sind. Es geht der Person nicht um hungernde Kinder oder Egoismus. Sie möchte euch unbewusst, nicht bösartig, in ihrer subjektiven Realität behalten, so wie ihr seid. Oder gewesen seid. Und so handelt jeder von uns. Ihr müsst nur lange genug darüber nachdenken, um solche Situationen in eurem Leben zu entdecken. Haben wir nicht alle schonmal solche Dinge gesagt? „Das passt doch gar nicht zu dir“ „So bist du doch gar nicht“ „Das hast du doch immer am liebsten gegessen“. Ihr seid also selbst nicht besser. Nehmt es den Personen daher nicht übel, wenn sie Spiritualität ablehnen, aber lasst euch davon auch nicht verunsichern.

Warum erzähle ich euch das? Um zu verdeutlichen, dass wir alle den ersten Schritt in Richtung Realität und Spiritualität gehen, indem wir akzeptieren, dass wir sie bisher nicht kannten und deshalb die Realität Anderer auch nicht infrage stellen sollten. Wir kennen sie ja selbst nicht. Und das viele Konflikte und viel Leid, im eigenen Leben, so wie auch in der Welt, dadurch entstehen, dass wir, die Menschen, uns gegenseitig unsere subjektive Wahrheit aufzwingen wollen. Da dies nämlich nicht möglich ist, entstehen so Frustration, Aggression, Unsicherheit und Stress. Krieg und Ausbeutung. Aber das zu erkennen ist sehr schwer und dafür brauchen wir unser Bewusstsein. Aber das ist oft irgendwo anders, nur nicht hier. Und es sucht die Gründe für Frustration, Aggression, Unsicherheit und Stress nur allzu gern‘ bei anderen, aber nie bei sich selbst. Es fehlt die Perspektive. Gründe, sich mit Spiritualität zu befassen, gibt es also genug: Perspektivwechsel, innere Ruhe, Glück von Innen, nicht in Abhängigkeit von materiellen Dingen oder sinnlichen Erlebnissen. Den Aspekt könnt ihr selbst wählen. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Denn das könntet ihr nur bewerten, wenn ihr die Objektivität, also das komplette Wissen (und Verstehen) in Person seid.

„Realität ist der Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Wissen. Gibt es kein totales Wissen, gibt es auch keine totale Realität“ – Unbekannt

Dieser Satz bringt es gut auf den Punkt. Außer, dass ich noch hinzufügen würde, dass es auch ohne totale Wahrnehmung keine Realität gibt und von der sind wir ebenso weit entfernt wie von der Objektivität. Aber dazu später mehr. Solange wir nicht Alles wissen, kennen wir auch die Wahrheit nicht. Es geht gar nicht darum, dass wir alles wissen müssen, oder die Wahrheit kennen müssen, um glücklich zu sein – ganz und gar nicht. Es geht bei diesem Gedankenexperiment nur darum zu akzeptieren, dass wir sie eben nicht kennen und nicht weiterkommen, wenn wir Recht haben wollen. In seiner Realität hat man selbst immer Recht, das bringt uns nicht weiter. Spiritualität ermöglicht uns diesen Perspektivwechsel, der uns unsere Realität als das erkennen lässt, was sie ist – unsere Realität, nicht die Realität. Das ist die eigentliche Veränderung, nicht der Glaube an Geister, Gottheiten, Chakren, Heilkräfte oder Metaphysik. Für mich jedenfalls.

Das „Ich“, das immer Recht haben muss, löst sich ein stückweit auf. Und das eröffnet uns sehr, sehr viele neue Möglichkeiten und Blickwinkel. Spiritualität erlaubt uns, uns selbst einzugestehen, dass wir in einer Illusion leben, die wir nie so wahrnehmen werden wie sie wirklich ist. Und sie lehrt uns, dass das auch gar nicht schlimm ist, denn nur dafür sind wir hier; um subjektive Erfahrungen zu machen. Die absolute, allumfassende „Wahrheit“ kommt schon irgendwann ans Tageslicht und sollte uns hier, im „Jetzt“, nicht beschäftigen. Denn dann vergrübeln und verschlafen wir unser Leben.

Bedenke also, sowohl für deinen spirituellen Weg als auch beim Lesen dieses Artikels, dass kein Mensch die Objektivität in Person ist, vor allem ich nicht. Ich beschreibe hier meine Realität und wie ich versuche, mir irgendeine Art von Erkenntnis anzueignen. Denn ich merke, das jeder noch so kleine Schritt in diese Richtung sehr viel Glück und innere Ruhe bedeuten kann. Und das veränderte meine Interaktion mit anderen und meine Entscheidungsfindung enorm. Schon nach kurzer Zeit. Und so verändere ich meine unmittelbare Welt. Und würde jeder so handeln, würde sich die ganze Welt schlagartig verändern. Angefangen bei bewusstem Atem und Wahrnehmen, nicht bei politischen Debatten, blindem Aktivismus, ständig erhobenen Zeigefingern oder politischer Gewalt / Revolution. Falls du das schon alles hast, kannst und weisst, freue ich mich wirklich für dich. Schätze dich glücklich, denn viele suchen ihr Leben lang nach Sinn, Glück und innerer Ruhe und glauben sooft sie gefunden zu haben, bis sie dann wieder feststellen, das nichts ewig währt und wahrhaftes Glück niemals an einer Sache oder einem Sinneseindruck festzumachen ist.

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Du musst gar nicht wissen, ob du auf der Suche bist. Vielleicht spürst du nur gelegentlich diese Fremdbestimmung im Leben, kämpfst schon ewig mit Problemen, deren Lösung du eigentlich schon lange kennst. Oder du fühlst dich von Zeit zu Zeit irgendwie verloren oder sinnentleert. Vielleicht weisst du nicht was, aber irgendwas fehlt dir, um wirklich den Weg zu gehen, den du vielleicht schon lange kennst und gehen willst. Aber immer wieder innere Anspannung, Stress, ohne einen ersichtlichen Grund. Vielleicht bist du gelegentlich unglücklich, ohne ersichtlichen Grund. Ich jedenfalls konnte viele dieser Dinge in mir feststellen, obwohl ich wirklich kein tristes Leben führe, oder permanent grübelnd und sinnentleert durch die Gegend laufe. Ganz im Gegenteil; oft dachte ich, ich hätte Sinn oder Ruhe gefunden. Aber immer wieder kam diese innere Unruhe und Druck, dass das noch nicht alles sein kann. Unzufriedenheit, obwohl wir uns wirklich glücklich schätzen können. Sonst würdest du das hier nicht lesen, sondern um dein Leben kämpfen, oder um was zu essen. Und mit jedem mal, als ich wieder merkte, dass das doch nicht die Sache war, die mich endlihc glücklich macht, wurde ich unzufriedener und das kurzweilige Glück wurde von immer kürzerer Dauer. Ich wusste das, wurde die Unzufriedenheit aber trotzdem nicht los. Da war ja immer noch diese innere Stimme: mit dem nächsten Handy wird alles besser, nur noch dieses Festival nur noch dieses Auto oder diese Reise, dann bin ich glücklich. Für mich habe ich gemerkt, dass ich nicht glücklich sein kann, wenn ich der Realität nicht ins Auge blicke und Glück weiterhin von vergänglichen oder unveränderlichen Dingen abhängig mache. Und damit meine ich nicht eine einzelne Sache, ein einzigen Konflikt, den man schon ewig aufschiebt, eine Sache, auf die ich warte oder sowas. Ich meine die Realität, die ich gar nicht kenne. Aber die jeder, bewusst oder unbewusst, kennenlernen möchte. Denn je mehr wir unsere Subjektivität und die Vergänglichkeit aller Dinge hinnehmen, wirklich akzeptieren, desto glücklicher werden wir, ganz ohne neue Sachen, mehr Geld oder neue Sinneseindrücke.

Jeder erfährt ein Stückchen Wahrheit, sollte aber wissen, dass dies nicht die Realität / Wahrheit des anderen sein muss. Aber um die objektive Wahrheit überhaupt jemals finden zu können, muss man die Realität jedes einzelnen berücksichtigen, denn sie ist nicht weniger wahr als meine. Ich muss verstehen, warum der eine blinde Mann eine Schlange fühlt, während ich einen Baum umklammere – obwohl beide eigentlich ein Elefant sind. Jede Realität, jedes Leben hat seine Ursachen & (Aus)wirkungen. Mir hat es bei meiner bisherigen spirituellen Erfahrung immer sehr geholfen zu versuchen, meine Realität mit anderen Sichtweisen in Einklang zu bringen, statt andere Sichtweisen abzustreiten. Doch dafür muss man eben erstmal einsehen, dass die eigene Realität niemals objektiv sein kann. Sonst fällt es schwer, sich auf andere Sichtweisen einzulassen. Man muss sich erstmal eingestehen, dass man bisher in einer Art Scheinwelt gelebt hat, um aus ihr auszubrechen. Und das ist hart. Deshalb tun viele das bis zu ihrem Tod nicht. Wo wir gerade beim Tod sind: zählst du deine Atemzüge noch? 😉

Die Illusion von Vergangenheit & Zukunft – Alles ist verbunden

Warum bist du hier und liest? Mal angenommen, du hast diesen Beitrag auf Facebook gesehen…wieso warst du gerade auf Facebook? Hättest du diesen Beitrag gesehen, wenn du Aufgaben, von Gestern auf Heute, verschoben hättest? Gestern hast du vielleicht darüber gemeckert, fandest es unfair, dass du noch aufräumen, oder länger auf der Arbeit bleiben musstest. Du hast dich ungerecht behandelt gefühlt. Doch nur deshalb hattest du heute früh genug Feierabend oder genug Freizeit, um diesen Beitrag mitzubekommen. Nun kannst du weiter Fragen: welche Ursachen haben zu dem Job geführt usw. Stets in dem Bewusstsein, dass du, ohne diesen Job, oder dein gestriges Handeln, diesen Beitrag nicht lesen würdest. Nicht im Hier und Jetzt wärst, wo du bist. Vielleicht macht das deutlich, dass auch du bisher nur einen Teil der Wahrheit, auch deiner eigenen, wahrnimmst, also entweder die Schlange, den Speer, den Baum oder das Seil, nicht aber den Elefanten. Deshalb solltest du vergangene Ereignisse nicht sooft hinterfragen und bereuen, oder darüber meckern, denn du weisst eh nicht, wozu sie vielleicht noch führen werden. Bisher haben sie auf jeden Fall, alle gemeinsam, zu dem schönen, ruhigen Moment geführt, der jetzt gerade ist. Und den du nicht hättest kommen sehen, auch wenn du noch soviel über deine Zukunft gegrübelt hättest. Trotzdem ist er da. Also mach seine Erfahrung. So schlecht können deine Entscheidungen bisher also nicht gewesen sein, wenn sie dich hierher geführt haben, oder auf die tollen Festivals die du erlebt hast. Wenn sie dir die Wohnung ermöglicht haben, in der du lebst, auch wenn wir immer Kleinigkeiten auszusetzen haben. Wenn sie die Menschen in dein Leben gebracht haben, ohne die du es dir heute nicht mehr vorstellen könntest. Dasselbe gilt für deine Zukunft. Denke nicht darüber nach wie sie sein könnte. Tu‘ jetzt was, damit du sie bewusst gestaltest. Tag für Tag.

Was diene Vergangenheit angeht, die zum jetzigen Moment geführt hat, das waren weitaus mehr Entscheidungen und Taten als man vllt. auf Anhieb denken mag. Sie reichen im Endeffekt viele Milliarden Jahre zurück, denn du wärst nicht hier, wenn nicht Alles (und damit meine ich Alles) genauso passiert wäre, wie es passiert ist. Und genau das ist damit gemeint, wenn man sagt, „Alles ist verbunden“Ursache & Wirkung. Diese Realität würde nicht ohne dich existieren können, aber du auch nicht ohne sie, also die Handlungen, Gedanken und Taten der anderen. Der Elefant, ein Sinnbild für die Realität und all‘ ihre Ursachen & Wirkungen, vom ersten Moment von Raum & Zeit bis Heute, lässt sich nur in seiner wahren, kompletten Natur erkennen, wenn man zum Perspektivwechsel fähig ist, um auch die anderen Realitäten zu verstehen. Dieser Perspektivwechsel, zum Erkennen der ganzen Wahrheit, ist für mich ein wesentlicher Aspekt der Spiritualität.

Ist das alles nun Schicksal, oder Zufall? Ich glaube, dass das gar nicht die Frage sein sollte. Sei dir in deinen nächsten schönen Momenten einfach mal bewusst, dass sie, ohne jede einzelne, noch so kleine vergangene Tat und Entscheidung, niemals zu deiner Realität geworden wären. Unabhängig davon, ob das nun Schicksal oder Zufall war – den Moment hast immer Du in der Hand. Und das gilt für uns alle. Die komplexe Wechselwirkung all‘ unserer noch so kleinen Ursachen und Wirkungen, ergeben die wahrhaftige Realität. Aber selbst dann, wenn wir all‘ das kennen würden, was würde das am „Jetzt“ ändern? Gar nichts. Was ist also wichtiger? Das „Warum“, oder das „Jetzt“?

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…und du wirst Jetzt sein, was du morgen gewesen sein wirst. Du hast mit deinem Handeln, welches das Resultat deiner Gedanken und Taten von Gestern war (sinnbildlich gesprochen), für deine heutige Realität gesorgt. Und mit deinen Taten von Heute deine Vergangenheit von Morgen und alle Zeit gestalet. Kein Moment kommt zwei mal. Das ist Fakt. Deshalb sollten wir auch jedem Moment Achtung schenken. Er bestimmt was ist, sein wird und gewesen sein wird. Und das gilt nicht nur für den heutigen Tag und das Lesen dieses Beitrags – es gilt für dein komplettes Leben, das im Endeffekt nichts weiter ist, als ein ständiges Aufeinanderfolgen von „Jetzt“-Momenten, in denen du mit deinen Handlungen deine Zukunft und auch die anderer bestimmst, oder beeinflusst. Du kannst nichts tun, was in der Zukunft keine Konsequenz haben wird. Sowohl für dich als auch für andere – und zwar viel weitreichender als du denkst. Die Frage ist nur, ob du sie bemerkst. Eine Zukunft, die im Grunde nichts anderes ist, als die einzig logische Konsequenz, deines jetzigen Denkens & Handelns, deiner Ursachen und ihrer Wirkungen. Und dem aller anderen Lebewesen. Im Großen und Kleinen. Deshalb sollten wir uns öfter mal fragen, was wir tun und nicht, warum wir es tun, oder was wir schon getan haben. Noch tun werden…

Mit dem Kopf im Hier und Jetzt sein. Das Was zu erfassen und zu akzeptieren. Das „Warum“ zu klären, das ist ein viel späteres Thema der Spiritualität und das, worin sich die meisten religiösen Menschen häufig verrennen. Das Jetzt komplett zu erfassen, das ist ein erster spiritueller Ansatz. Ständig über das „Warum“ zu grübeln, lenkt uns nur ab. Wenn nämlich alle kleinen Taten unsere Zukunft gestalten und das einzige sind, was wir wirklich beeinflussen können, dann sollten wir doch jede kleine Tat bei vollem Bewusstsein über ihr Potenzial zur Veränderung vollbringen, oder? Aber tun wir das wirklich? Oder handeln wir oft aus Erfahrungen der Vergangenheit, oder Hoffnungen für die Zukunft heraus? Aus lauter „Warum? Darum“ heraus. Genau.

Vergangenheit und Zukunft sind Illusionen. Jetzt könntest du sagen, dass die Vergangenheit ja Fakt ist, weil du sie bereits erlebt hast und Entscheidungen auf Basis eben dieser Vergangenheit / Erfahrungen triffst. Oder auf Basis deiner Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft. Ganz bewusst. Wir loben uns ja geradezu oft dafür, dass wir klug sind, wenn wir aus unserer Vergangenheit lernen und in Zukunft klüger entscheiden. Wir denken, dass Dies uns objektiver machen würde. Dabei geschieht genau das Gegenteil, wenn wir auf Basis unserer subjektiven Realität und Zukunftsträume objektive Entscheidungen treffen wollen. Und da wir die objektive Vergangenheit und Zukunft nie kennen werden, bleibt uns nur das Hier und Jetzt. Das Gute daran: in Wahrheit ist die Angst vor der Vergänglichkeit der Zeit, also dem Tod, die jedem innewohnt, eigentlich die Angst davor, das „Jetzt“ nicht mehr zu erleben. Also scheint dein „Jetzt“, trotz all‘ der kleinen Wehwehchen und Ärgernisse, die wir in unserer wohlhabenden Gesellschaft so angehäuft haben, eigentlich wunderschön zu sein. Jetzt musst du das nur noch erkennen und nutzen.

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Oder meinst du, dass du deine objektive, wahrhaftige Vergangenheit kennst und deshalb, auf Basis deiner Erfahrungen und deines Wissens, immer die richtigen Entscheidungen triffst? Du handelst immer bewusst und weisst, was im „Jetzt“ zu tun ist und was du tust, damit du die Zukunft gestaltest, die du wir wünschst? Ja, wirklich? Was hast du letzte Woche Montag gegessen? Weisst du das noch? Und die Woche davor? Wo warst du am Mittwoch, vor zwei Wochen? Was hattest du an? Wie sah der Mensch aus, der dir gestern in Bus oder Bahn gegenüber, oder neben dir saß? Was hast du Heute schon getan, um deine Ziele zu erreichen? Welche Ziele sind das? Verfolgst du irgendeins dieser Ziele schon länger als vier oder fünf Jahre, indem du täglich etwas dafür tust?

Wenn du das alles weisst, dann bist du in der Tat bereits sehr bewusst. Aber dann kennst du wahrscheinlich die Hälfte der Zitate aus diesem Artikel auch schon längst. Wenn nicht, dann scheinst du nicht besonders bewusst und objektiv zu handeln. Du kennst deine echte, objektive Vergangenheit nicht. Genauso wenig, wie deine Zukunft. Gestern wusstest du noch nicht mal, dass du heute diesen Artikel lesen wirst. Trotzdem liest du ihn. Das spricht auf jeden Fall schonmal für deine Taten & Entscheidungen, denn du könntest gerade auch wesentlich dümmere, sinnlosere und schädlichere Dinge tun. Ein unschöneres „Jetzt “ erleben. Tausende davon. Aber wieso weisst du so Vieles nicht mehr, was erst so kurz her ist? Ja, ich weiss, du kennst die Antwort. Sprich sie ruhig aus, das ist der erste Schritt. Weil du eben bisher nicht objektiv und bewusst gehandelt hast. Ganz einfach.

Man erinnert sich in der Regel vielleicht an Schlüsselmomente seiner Vergangenheit, aber auch nur an die Gefühle, Emotionen, subjektive Interpretationen und Assoziationen, die diese Erinnerungen, Hoffnungen und Ängste in einem auslösen, und somit die eigenen Entscheidungen und Handlungen im Hier und Jetzt beeinflussen. Du denkst vielleicht, deine Vergangenheit wäre so und so gewesen, oder deine Zukunft wird so und so aussehen, wenn du dieses oder jenes tust. Aber letztendlich kennst du nur das, was du für deine Vergangenheit, das Jetzt und deine Zukunft hältst. Und leider hindert genau das dich daran, im „Jetzt“ wirklich selbstbestimmt und bewusst zu handeln. Das „Jetzt“ überhaupt zu erkennen. Bedenke dabei, dass das „Jetzt“, das du gerade erlebst, während du diesen Satz liest, eben noch die Zukunft war. Ohne bewusstes Leben im Jetzt, wird es auch keine bewusste und selbstbestimmte Zukunft geben. Was uns daran hindert, das zu Erkennen, ist die ständige Sinnsuche und Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Sinn des Lebens ist es, nicht ständig nach diesem Sinn zu fragen, sondern es einfach zu leben, um ihn so schließlich zu erfahren. Spiritualität ist Wahrheitssuche, nicht Sinnsuche. 

Solange wir auf Basis unserer subjektiven Realität, Vergangenheit und Zukunftsvorstellungen handeln, werden wir die Wahrheit nie erfahren und somit auch nie selbstbestimmt und frei leben. Unser Ego, welches sich aus unserer subjektiv empfundenen Realität eine Geschichte, ein „Ich“ gebaut hat, handelt. Nicht deine objektive, liebevolle und menschliche Natur. Und da ein „Ich“ nur existiert, indem es sich zu anderen Dingen und deren Realitäten abgrenzt, also zwischen „Ich“ und „Nicht-Ich“ unterscheidet, probiert es auch immer wieder, den eigenen subjektiven Standpunkt gegenüber anderen zu verteidigen. Man kann also nur objektiver und freier werden, indem man erkennt, das alles eins ist und deine Realität nicht echt ist. Und dein „Ich“ auch nicht. Je mehr man also weiss und sich mit Spiritualität beschäftigt, desto kleiner wird das Ego. Und desto größer wird das eigene Glück und die Erfüllung im Leben. Und zwar nicht nur in deinem.

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Wichtig für mich war es, erstmal zu erkennen, was mich im Moment alles beeinflusst und davon abhält, wirklich frei, objektiv und selbstbestimmt zu sein. Woran denke ich eigentlich so, während ich im Jetzt bin? An Arbeit, die mir noch bevorsteht, an unfaire Dinge, die mir Gestern passiert sind, an Wünsche, die ich habe, an schöne Erinnerungen – nur was ich gerade eigentlich tue, womit ich ja meine Zukunft bestimme, das kriege ich nicht so richtig mit. Diese Gedanken tauchen völlig unvermittelt auf, ohne Grund. In einer Sekunde ist man mit dem Kopf beim morgigen Projekt, oder in der Uni und in der nächsten Sekunde mitten in einer Erinnerung aus der Kindheit. Wer denkt da eigentlich? Wenn man sich nämlich öfter mal fragt, was man und nicht, warum man etwas gerade tut oder denkt, dann stellt man plötzlich viel infrage. Vor allem seine eigene Zurechnungsfähigkeit. Doch dazu braucht es eine neue Perspektive. Nicht die Politik ist Ursache meiner eigenen Beschränktheit und Unzufriedenheit gewesen, nicht die Ungerechtigkeit in der Welt, nicht das kapitalistische System und auch nicht die Medien. Auch niemand sonst, von dem ich mich unfair oder ungerecht behandelt fühlte. Nichts, von dem ich denke, dass es mir vorenthalten wird, oder dass ich es eigentlich verdient hätte.

Nur man selbst hat es in der Hand, frei zu handeln und zu denken, unabhängig davon, in welchem politischen System oder Land man lebt. Oder wie fies der Chef ist, wie gemein die Nachbarn oder wie unfair die Welt. Denn all‘ diese Worte, unfair, fies, gemein – das sind subjektive Empfindungen. Ich mag diesbezüglich den Satz „Du wurdest noch nie in deinem Leben geärgert. Dein Ego hat sich nur ärgern lassen.“. Denn das Ego braucht Konflikte und Konfrontationen, um sich selbst zu definieren. „Meine Meinung durchsetzen“, „Meinen Ansprüchen gerecht werden“, „Die Meinung anderer interessiert mich nicht“ – all‘ das sind Dinge, die viele gerne, oft sogar stolz, von sich behaupten. Dabei sind das nur Glaubenssätze unseres Egos, die uns unbewusst bleiben und leben lassen. Denn sie alle verhindern genau das, was den Streit zwischen den drei blinden Männern, geklärt hätte – Objektivität.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Menschen unserer sinnlichen und materiellen Kultur, ihr Glück und ihre Freiheit an Dinge knüpfen, die sie nicht beeinflussen können. Oder an Dinge, die sie festhalten wollen, obwohl sie vergänglich sind. Das macht unglücklich und unfrei. Denn so sind wir den Ursachen & Wirkungen von Dingen, Ideen und Ängsten ausgesetzt, die nicht real, oder nicht von Dauer sind. Alles, was wir fürchten oder lieben und deshalb abstoßen oder festhalten wollen, was uns aber nicht auf Dauer gelingen kann, macht uns unglücklich. Früher oder später. Und es geht jetzt nicht darum, das einem alles egal sein soll, damit man nicht unglücklich wird. Ganz im Gegenteil. Man sollte aber lieben, um zu lieben, nicht um glücklich zu sein. Und man kann nicht richtig lieben, wenn man es aus egoistischen Motiven tut, auch wenn sie unbewusst sind. Solange wir etwas festhalten wollen, können wir es nicht wirklich lieben. Dann lieben wir im Endeffekt nur, dass es unserem Ego gut tut. Um glücklich zu sein. Erkennen wir aber, dass wir lieben, weil wir glücklich sind, müssen wir gar nichts festhalten. Könnte Materialismus, oder sinnlicher Genuss uns permanent glücklich machen, dann wären wir es auch permanent. Also wollte ich in mir danach suchen, was wirkliches Glück und was wirkliche Freiheit ist, denn es entsteht ja in mir selbst. Aber wie sucht man in sich selbst nach Antworten? Mithilfe der eigenen Spiritualität. Dabei ist die Antwort eigentlich ganz einfach und schnell gefunden: du bist glücklich, wenn du im Einklang mit der objektiven Wahrheit lebst, nicht im Einklang mit deiner subjektive, emotionale Projektion, die du als Realität betrachtest. Für mich jedenfalls. Gefunden habe ich diese Wahrheit noch nicht, aber die Suche ist sehr interessant. Denn sie passiert jetzt.

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Willkommen im Hier und Jetzt – Dank Meditation

Descartes, ein französischer Philosoph, sagte mal:„Cogito ergo sum“ – ich denke, also bin ich. Spirituelle Menschen würden vielleicht eher sagen „Ich bin, also bin ich und ich denke, also tue ich“. Die Wahrheit, die Descartes beschreibt, indem Er sagt:“…also (deswegen, weil ich denke) bin ich.“ stimmt, meiner Meinung nach, nicht ganz. Denken ist fast immer subjektiv und ständig in Vergangenheit und Zukunft verankert. Die Wahrheit ist, meiner Meinung nach, jedoch objektiv. Also liegt die objektive Wahrheit im Sein, nicht im Denken und Tun. Ein spirituelles Ziel ist es, das eigene Denken und Tun auf die Wahrheit abzustimmen. Objektiver zu werden, im Hier und Jetzt. Nicht Gestern oder Morgen. Und das Denken nicht von Emotionen, Hoffnungen, Ängsten und Wünschen beeinflussen zu lassen, sondern von der Wahrheit in uns selbst.

Das Einzige, was du letztendlich in seiner vollen Pracht, Wahrheit und Realität erkennen kannst, ist das „Jetzt“, somit kann auch nur dort die Antwort liegen. Doch leider tun wir das nicht, weil wir mit dem Kopf ständig in der Vergangenheit oder Zukunft hängen. Wir haben Sorgen und Ängste, aber auch Hoffnungen und Vorstellungen, die alle rein fiktiv sind, uns aber gleichzeitig im Hier und Jetzt daran hindern, ihnen bewusst entgegenzuwirken, oder ihnen entgegenzugehen. Erst dadurch werden Ängste und Sorgen Realität, während Hoffnungen und Wünsche oft unerfüllt bleiben. Wohin sich dein Bewusstsein am meisten richtet, dahin entwickelt es sich auch. Und in den seltensten Fällen kreisen die Gedanken nicht wirklich um eine objektive Lösung, sondern eher um Ängste, Befürchtungen oder Wünsche. Es bringt nichts, ständig ein Ziel vor Augen zu haben, von dem wir denken, dass es uns Glück verschaffen wird, wenn wir den Weg dahin nicht kennen und ihn nicht gehen. Es ist ebenso sinnlos, wenn wir ständig Angst haben ohne zu versuchen, sie als das zu begreifen, was sie ist – ein flüchtiger Gedanke. Wenn wir unser Bewusstsein gar nicht im Griff haben, nie im Hier und Jetzt sind, dann richtet es sich dort hin, wo unbewusste Einflüsse es haben wollen – absichtlich oder unbeabsichtigt. Das spielt im Endeffekt keine Rolle. Auf jeden Fall richtet es sich nicht dahin, wo du es haben willst, wenn du das nicht übst. Spiritualität bzw. einer ihrer Aspekte, die Meditation, hilft uns dabei, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, einfach nur dadurch, dass wir uns dieses Teufelskreises erstmal bewusst werden. Wir merken durch Meditation, was in unserem Kopf so los ist und was wir im Alltag alles gar nicht bemerken. Sie hilft mir persönlich, die Gedanken, die mich daran hindern, wirklich „hier zu sein“, abzustellen, um dann, aus den bewussten Gedanken heraus zu handeln und zu entscheiden, was unabdingbar für ein freies Leben ist. Nicht aus irgendeiner Emotion, Interpretation oder Angst heraus. Soweit bin ich zwar noch nicht, aber das Prinzip wird mir klarer. Aber diese Gedanken überhaupt wahrzunehmen, geschweige denn sie abzustellen, bedarf viel Übung, reduziert aber (auch wissenschaftlich belegt, für die Skeptiker unter uns) sehr viel Stress. Ein guter Anfang und Bonus, in unserer stressigen und hektischen Gesellschaft.

Ein paar Studien & Artikel dazu:

Es klingt wesentlich einfacher, als es ist. Aber der Anfang ist immer, das „Jetzt“ voll und ganz bewusst wahrnehmen, und sich selbst. Auch, wenn gerade nichts „Besonderes“ passiert, worauf wir oft wie eine Art zufälliges Geschenk hoffen, das wir eigentlich schon erhalten haben – unser Leben. Sonst nehmen wir im Endeffekt den Großteil unseres Lebens nicht bewusst wahr, welches letztendlich nur eine scheinbar  endlose Aneinanderreihung von „Jetzt“-Momenten ist, die wir voll und ganz in der Hand haben, die auf uns aber oft wie fremdbestimmt, Schicksal oder Zufall wirken, weil wir nicht bewusst handeln und denken. Nie wirklich frei sind. Bis eben irgendwann kein Jetzt mehr ist, sondern der Tod.

Top 3 der klischeehaftesten Sätze auf dem Sterbebett (unabhängig von Alter, Reichtum und Herkunft):

  • Ich wünschte, ich hätte das Leben gelebt, das ich wollte und nicht das, was andere für mich wollten
  • Ich wünsche, ich hätte noch dieses oder jenes getan (als wenn eine einzige Sache, oder ein einziges Erlebnis ein Leben noch schnell vollends erfüllen könnte)
  • Ich bereue dieses, oder jenes

Doch bevor man nun mit richtiger Meditation loslegen kann, muss man erstmal lernen, wie sich „Jetzt“ überhaupt anfühlt.

Wenn du depressiv bist

Übung dazu, die ich selbst angewendet habe und anwende: Einmal täglich, während du irgendwas ganz Normales tust, also zur Arbeit gehst, Zuhause abwäschst usw., stell‘ dir kurz vor, dass du dabei auf einer Kugel stehst, die mit 30 Kilometern pro Sekunde(!) durch den Weltraum rast, und sich mit etwa 1.670 km/h (am Äquator) um sich selbst dreht, während sie um einen unvorstellbar heißen Feuerball kreist, der unvorstellbar weit weg und trotzdem Grundlage deines Lebens ist. Stell dir bildlich vor, was gerade alles passiert (nicht, was passieren könnte), während du zur Arbeit gehst, oder Geschirr abwäschst. Fällt dir auf, wie wenig du eigentlich weisst, was tatsächlich um dich herum passiert? Aber auch, wie sorgenfrei dein Leben im Grunde ist? Und dann nimm‘ den Moment wahr, den Teller, den du spülst, das Wasser auf deinen Händen, deine Füße, wie sie auf dem Boden stehen, oder zur Arbeit gehen, ohne an irgendwas anderes zu denken. Sei einfach dankbar dafür, dass du jetzt gerade da bist, wo du bist. Und nicht in einem Kriegsgebiet ums Überleben kämpfst, nicht hungerst, sondern einfach Zeit hast, das zu tun, was du tust. Merkst du, wie klein deine Alltagssorgen plötzlich werden? Denn es ist, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Wunder, dass du dort bist, wo du bist. Such‘ keinen Sinn hinter dieser Übung, keinen Nutzen. Mache sie einfach. Hier und Jetzt. Nehme einfach nur wahr, wie du dich dabei fühlst und wie dein Kopf auf einmal im Hier und Jetzt ankommt, wo er vorher fast noch nie war. Das, was du dann, vllt. nur für wenige Sekunden, spürst, ist das Jetzt. Und das bist Du. Das ist Freiheit. Und sorry, falls es dir beim ersten mal nicht gelingt (so, wie mir), aber schließlich hast du das dann auch noch nie bewusst gemacht. Doch allein‘ die Tatsache, dass du merkst, wie schwer es dir eventuell fällt, im Hier und Jetzt zu sein, sollte Motivation genug sein, es weiter zu üben. Schreibe dir auf, was für Gedanken ganz von alleine in deinen Kopf kommen und dich vom Hier und Jetzt ablenken und finde heraus, woher sie kommen.

Denn eigentlich gingen wir ja alle, bis eben gerade, davon aus, wir wären bereits im Hier und Jetzt. Wir wären jederzeit Herr unserer Sinne. Die Objektivität in Person. Doch unser Kopf spielt uns 24/7 Streiche. Übrigens: ein sehr schöner Moment, um das zu üben, ist das Tanzen auf dem Floor. Stell‘ dir vor, was gerade alles passiert, während du diese unglaubliche Atmosphäre, Musik und Energie hörst und fühlst. Sei dankbar dafür und meckere nicht über Soundqualität, Preise, Bademeister oder eventuell lieblose Dekoration 😉 – du fliegst gerade auf einer Kugel, auf der gerade gleichzeitig Milliarden Dinge passieren, in diesem Moment, durchs All, in dem gerade auch Milliarden Dinge passieren, während du zu elektronischer Musik tanzt. Was zur Hölle ist los mit dir? Muss es dafür einen Sinn geben, oder ist das nicht schon abgefahren genug? Sei froh. Vor allem sei(An dieser Stelle möchte ich nochmal ein Video verlinken, das ich sehr schön und inspirierend finde.)

Schon seltsam, wo wir da eigentlich gerade sind und es einfach für selbstverständlich hinnehmen.
Schon seltsam, wo wir da eigentlich gerade sind und es einfach als selbstverständlich hinnehmen.

Doch genauso werden auch Kinder zu Soldaten, in der Sekunden, in der du feierst, ebenso sterben Menschen an Hunger. Syrien, Israel, Afrika – all‘ diese Orte und die Leiden, die dort herrschen, sind nicht soweit weg, wie du vielleicht glaubst. Das soll dir kein schlechtes Gewissen machen, denn du kannst nichts dafür und an diesem jetzigen Moment auch nichts ändern. Aber es hilft dabei, zu erkennen, wie Dankbar wir für diesen Moment sein sollten. Und wie selten wir es sind. Und diese Dankbarkeit wiederum verschiebt Prioritäten und verändert die Wahrnehmung, hin zur Wahrheit, zur objektiven Realität, ganz von allein‘. In der uns klar wird, dass wir, um wahres Glück zu finden, dafür verantwortlich sind, Lösungen und Wege in unserer Realität zu finden, dieses Glück zu teilen und ist es noch so klein. Mitgefühl zu entwickeln, über den kleinen, engen Kreis heraus, in dem es normalerweise wirkt. Denn Glück ist bekanntlich das einzige was größer wird, wenn man es teilt. Ein Lächeln, eine kleine, gute Tat am Tag. Was im Kleinen nicht klappt, wird im Großen immer scheitern. Deshalb fängt man bei sich selbst an. Es wird nicht beim Lächeln und Meditieren bleiben, sollte es jedenfalls nicht – ansonsten Herzlich Willkommen im Reich der heiligen Wasserflaschen für 100,- Euro und Wahrsagerkursen mit Erfolgsgarantie. Was ich sagen will ist, dass das Lächeln und Meditieren der Anfang ist und auch nur ein Sinnbild. Man kann den Rest nicht erzwingen, aber aus einer kleinen guten Tat erwächst immer mindestens eine Neue. Und diese werden immer größer.

Denn dieses alltägliche Denken und Handeln wird Teil unserer Realität und – Prinzip von Ursache & Wirkung – auch Teil anderer Realitäten. Und wohin sich dein Bewusstsein am meisten richtet, dahin entwickelt es sich auch. Du wirst immer mehr von selbst merken, was glücklich macht. Anfangs merkst du vor allem, was nicht glücklich macht, von dem du es aber bisher dachtest. Und lässt es. Weil es niemanden glücklich macht. Dich nicht, andere nicht, sondern nur dein Ego. Ein Überlebensinstinkt, den wir in unserer heutigen Welt nicht mehr brauchen. Wenn du die Quelle des Glücks in dir erkannt hast, erkennst du auch die Quelle des Unglücks in anderen Ursachen – medialen Einflüssen, kapitalistischen Erwartungshaltungen, Feindbildern, Oberflächlichkeit, Rassismus, sinnlosen Diskussionen, Geld als Selbstzweck.

Alles Dinge, die uns die subjektive Realität einiger Weniger aufzwingen sollen. Oder in denen wir unsere anderen aufzwingen wollen. Und je mehr du dir bewusst bist, dass jede Tat, mit der du anderen hilfst, auch dir hilft, was wiederum anderen hilft, kommt dir auf einmal keine gute Tat mehr lächerlich oder sinnlos vor. Und sei es nur, den Fleischkonsum zu reduzieren und Obdachlosen, wenn schon kein Geld, ein Lächeln und einen ehrlichen Blick zu schenken. Ebenso kommt es dir nicht mehr schwer oder unnatürlich vor, andere Dinge sein zu lassen. Und so werden es immer mehr Dinge, die wir einfach sein lassen, ohne, dass es sich wie Verzicht anfühlt. Denn unser Glück hängt einfach nicht von ihnen ab. Gleichzeitig finden wir einfache, echte Dinge, die wirklich glücklich machen. Einfach deshalb, weil sie niemanden unglücklich machen und anderen helfen.

Alles nur, weil wir einfach mal einen Moment im „Jetzt“ verweilen und ruhig Ein- und Ausatmen. Jeden Tag, ein paar Minuten. Das ist der Anfang, nicht das Ende, oder der Selbstzweck. Selbstzwecke gibt es nicht. Und, zählst du immer noch fleißig deine Atemzüge, wie wir es vorhin beim ersten Experiment vereinbart haben? Stell‘ dir nur mal vor, jeder Mensch würde mit dieser mehr als leichten Übung beginnen. Atemübungen, oder einmal am Tag, für nur zwei bis drei Minuten wahrnehmen, was eigentlich wirklich gerade passiert. Was sich alles ändern würde. Also kann doch dein erster Ansatz sein, diese Erfahrung zu teilen, falls du sie machst. So wie ich gerade.

Selbstbestimmtheit und Selbstgerechtigkeit

Handys, die wir sooft für teures Geld auswechseln, weil wir meinen, diese Technologie-Leidenschaft wäre Teil von uns. Was dadurch für Probleme verursacht werden, wissen wir vielleicht, aber was sollen wir tun – das Iphone gehört nun mal zu uns. Ich gehe halt gerne zu McDonalds, so bin ich halt. Egal, was die großen Fastfood Ketten Menschen, Tieren und Umwelt aufbürden – ich gehe trotzdem hin, weil ich frei und selbstbestimmt bin. Auch ich war so und kringele mich rückblickend deshalb vor Lachen auf dem Boden. Obwohl ich auch zum Teil immer noch so bin, aber jetzt weiss ich immerhin, dass ich Impulsen nachgebe, wie dem Geruch und Anblick eines leckeren, saftigen Steaks, weil ich eben nicht selbstbestimmt bin und nicht, weil ich selbstbestimmt handele. Es tut gut, so über sich selbst lachen zu können. Und es ist in der Tat witzig, dass wir wichtigste Entscheidungen für unser Leben treffen, in der Annahme, wir wüssten was richtig ist, während wir uns bei so klitzekleinen Kleinigkeiten nichtmal ansatzweise unter Kontrolle haben. Jeder hat Schwächen und Süchte, davon ist keiner befreit. Und das ist auch gar nicht schlimm. Schlimm ist es, zumindest in meiner Wahrnehmung, wenn man seine Schwächen verleugnet und sie hinter freiem Willen, Hedonismus oder Selbstgerechtigkeit versteckt.

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Spiritualität heisst nicht, sich selbst für Fehler zu verurteilen, oder zwanghaft alles ökologisch korrekt und richtig zu machen. Am Anfang heißt es einfach nur zu wissen und wahrzunehmen, wenn man gerade etwas tut, was sich nicht richtig anfühlt, denn das äußert sich immer – psychisch und physisch – , anstatt sich einzureden, dass dies aus irgendeinem bekloppten Grund doch richtig, oder Teil der eigene Persönlichkeit wäre. Die aufkeimende, echte Objektivität und Selbstbestimmung in einem selbst, lässt euch zunehmend wissen und fühlen, ohne darüber nachzudenken, was richtig und falsch für euch und andere ist. Auch, wenn es diese Kategorien nicht wirklich gibt, aber das ist ein anderes Thema. Drücken wir es deshalb lieber so aus. Ihr werdet sehr sensibel dafür, was glücklich und unglücklich macht. Euch und andere. Und wann andere unglücklich oder glücklich sind. Wenn man sich immer dem Jetzt bewusst ist, dass z.B. Kinder sterben, während man in einem McDonalds sitzt und seine Arterien verstopft, anstatt wenigstens irgendwas sinnvolles zu tun, auch wenn es nicht sofort den leidenden Kindern hilft, dann verschwindet die Lust auf Fastfood von ganz alleine – ohne Zwang, Verzicht, oder sonst irgendeine moralische Selbstgerechtigkeit. Nur bitte fangt niemals an, das anderen aufzuzwingen. Wenn jemand dorthin geht, dann nicht, weil er fies oder gemein ist, oder dumm, sondern weil er der selben Selbsttäuschung auf den Leim gegangen ist wie ihr auch. Er oder sie denkt, dass diese Handlung selbstbestimmt und aus freiem Willen erfolgte. Erlaubt jedem diese Schwäche. Auch euch selbst. Aber arbeitet dran. Wenn man anfängt zu meditieren, dann merkt man anfangs ganz kleine Veränderungen:

  • sich nicht mehr aufzuregen, weil einem die Bahn, oder der Bus vor der Nase wegfährt, oder sich verspätet
  • nicht genervt von Kleinigkeiten zu sein, die man nicht ändern kann
  • ruhig zu bleiben, wenn man sich unfair behandelt fühlt, zum Beispiel in der Arbeit
  • nicht beleidigt zu sein, wenn jemand nicht Danke sagt
  • eine gute Übung ist auch immer das Hinnehmen eines Verkehrsstaus 😉

Insgesamt geht es darum, das Hier und Jetzt immer so zu akzeptieren, und später auch zu schätzen, so wie es ist. Denn nicht nur das Festhängen in der Zukunft oder der Vergangenheit verschafft uns negative Emotionen wie Stress, sondern auch Realitätsverweigerung. Und Stress bringt keinem was, löst keine Probleme und belastet uns stark. Physisch und Psychisch. Übrigens auch Menschen, die uns nahe stehen. Und selbst die, die wir, weil wir gestresst sind, unfair behandeln. Ein Teufelskreis, den viele stark unterschätzen. Auch geht es darum zu lernen, dass Menschen, deren Handlungen und Worte wir als verletzend oder ungerecht empfinden, so handeln, weil sie sich selbst täuschen und nicht, weil sie bösartig sind. Man lernt zu Verzeihen, Hinzunehmen und zu Akzeptieren. Mitgefühl zu entwickeln. Für alle lebenden Wesen. Auch bei Dingen, bei denen man vorher wahrscheinlich ausgerastet wäre, womit man aber nur sich selbst das Leben schwer macht. Ärger und Wut sind in etwa so, als wolle man einen Alkoholiker damit bestrafen, dass man seinen Schnaps austrinkt. Jeden Tag. Dem Alkoholiker geht es irgendwann besser, denn unser Ärger und unsere Wut haben ihn nüchtern gemacht. Aber uns geht es schlechter. Jeden Tag.Wir werden zum Alkoholiker, auf den wir eben noch sauer waren.

Ärger und Wut sind in etwa so, als wolle man einen Alkoholiker damit bestrafen, dass man seinen Schnaps austrinkt. Jeden Tag. Dem Alkoholiker geht es irgendwann besser, denn unser Ärger und unsere Wut haben ihn nüchtern gemacht. Aber uns geht es schlechter. Jeden Tag. 

Am Anfang war ich stolz, als ich aufhörte, wütend auf für mich als unfair empfundene Nachrichten oder Kommentare zu reagieren, oder auf die Nachrichten aus der Politik oder Wirtschaft und mir stattdessen, wie von alleine, sofort Gedanken um Lösungen machte. Oder ich erkannte, dass ich diese Situation aktuell nicht ändern kann, weil mir noch die Möglichkeit fehlt, aber ich weiss trotzdem, dass jede Nachricht, jedes Problem mich etwas angeht und habe Mitgefühl für die, die es direkt betrifft. Und wie gesagt, noch fehlt die Möglichkeit. Ich tue also das, was mich dieser Möglichkeit näher bringt, nicht aber, was mich von ihr entfernt. Wenn ich, trotz meines Mitgefühls für Tiere, billig Fleisch kaufe, weil ich ja nicht die Möglichkeit habe, durch meinen alleinigen Boykott, direkt den Tieren zu helfen, bringt es mich aber dichter an eine Lösung, das Fleisch trotzdem nicht zu kaufen, als es zu kaufen. Und seit ich mich immer tiefergehender mit meiner eigenen Spiritualität beschäftige, kommen plötzlich völlig unerwartete Nebeneffekte auf, die aber nie bewusster Anspruch an mich selbst waren. Ich war zum Beispiel nie wieder bei McDonalds oder Burger King. Auch mein Handy benutze ich fast gar nicht mehr, ganz von selbst. Aber nicht, weil das mein Ziel war, oder weil ich denke, dass es mich irgendwie besser oder moralisch überlegen macht. Es hat sich einfach so entwickelt. Dass ich mein Handy nicht mehr genutzt habe fiel mir erst auf, als ich es nach 3-4 Tagen mal gesucht habe, um eine Telefonnummer herauszufinden. Ich habe anscheinend unterbewusst gemerkt, dass diese Dinge mir einfach nichts bringen und aus diesen Gedanken wurde meine heutige Realität. Denn diese Dinge sind objektiv gesehen ungesund und Zeitverschwendung. Warum also Zeit mit Dingen verschwenden, die ich viel sinnvoller, im Sinne aller nutzen kann. Denn das ist es, was einen wirklich glücklich macht. Und soviel Zeit haben wir nicht. Und irgendwann wird mich diese wachsende Objektivität und Zuversicht an einen Punkt bringen, an dem ich wirklich voll und Ganz für andere handele und damit gleichzeitig mir selbst helfe. Daran glaube ich. Wissen tue ich es nicht. Dabei spielen dann Kleinigkeiten wie Fastfood und Handys gar keine Rolle mehr. Das sind nur Symptome oder Zeichen, die mir deutlich machen, dass auch ich mich ändern und andere Dinge ändern kann. Das Gefühl der Ohnmacht gegenüber den Ungerechtigkeiten in der Welt verschwindet. Der Haken daran ist, dass diese Dinge nie klappen, wenn man sie angeht, weil man sich selbst besser fühlen will, oder um anderen zu zeigen, was für ein guter, moralisch oder spirituell überlegener Mensch man ist. Man wird immer an seinem Ego scheitern. Denn das ist man nicht. Man ist schlicht und einfach bewusster, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Sie werden erst dann Realität, wenn ihr kapiert habt, das ihr bisher gar nicht in der Realität gelebt habt, sondern in eurem Kopf. In Angst, chronischer Unzufriedenheit, mit kurzen Glücksmomenten, Stress und Zwängen. Wenn ihr das erst kapiert habt, könnt ihr alles ändern. Aber es ist sehr schwer, sich das einzugestehen. Wir finden immer eine Ausrede, warum wir dieses oder jenes nicht tun können, obwohl wir das eigentlich wollen. Das sind Zwänge. Und wegen denen tun wir so Einiges. Stellt euch mal vor, jeder Mensch würde die Erfahrung machen, jeden Tag ein bisschen mehr, dass er es vollkommen selbst in der Hand hat, was er tut. Und wie viel bewirkt werden könnte, wenn jeder Mensch das wüsste. Würde heute jeder Mensch damit anfangen, zu meditieren, wäre die Welt schon Morgen ein friedlicher und besserer Ort. Es bedarf keiner Selbstgerechtigkeit und keines militanten Aktivismus, was schon Ghandi wusste. „Sei du selbst die Veränderung, die du wir wünschst für diese Welt.“ Man muss einfach nur bei sich selbst anfangen und andere motivieren, das Gleiche zu tun. Wenn man sich aber als scheinbar strahlendes, selbstgerechtes Vorbild vor alle stellt und denkt, man sei besser als andere Menschen und wisse bereits alles, dann erreicht man damit nichts, außer, dass andere sich schlecht fühlen und gegen das eigentlich Gute rebellieren.

Probiere stattdessen Allen zu zeigen wie unvollkommen du bist, aber das du stetig daran arbeitest. Zeige den Leuten nicht nur, was für ein gesunder Vegetarier du jetzt bist, zeig ihnen, was für ein dicker Fleischfresser du mal warst (metaphorisch…) 😉 Das motiviert Menschen. Nicht das Erheben des Zeigefingers, sondern das Reichen der eigenen Hand. Denn es ist gar nicht schlimm, ein Fleischfresser zu sein, solange man sich bewusst ist, dass man mehr als das ist und sich nicht dadurch definiert, oder Dinge sagt wie „Ohne Steak könnte ich nicht leben“. Ohne, oder so wie ich, mit weniger Fleisch, fühlt man sich definitiv nicht schlechter. Ich mache die Erfahrung selbst gerade, seit ein paar Wochen. Und man tut sehr viel Gutes. Einfach nur damit, das man etwas gelegetntlich mal sein lässt. Genauso wenig sollte man sich dadurch definieren, ein Vegetarier zu sein. Es ist nämlich auch gefährliches Denken, wenn man annimmt, ein besserer Mensch zu sein, weil man Gemüse isst. Man ist ein Mensch, der Gemüse isst, statt Fleisch. Nicht mehr und nicht weniger. Und nein, ich bin kein Vegetarier, aber das Beispiel macht deutlich, was ich meine. Und ich esse deutlich weniger Fleisch, seit ich meditiere. Warum, weiss ich gar nicht. Ich weiss nur, dass ich weniger Fleisch esse und es mir gut tut 😉 Vielleicht bin ich mir im Hier und Jetzt einfach klar darüber, dass es nicht so gut sein kann, die Menge an Fleisch zu essen, die ein durchschnittlicher Bürger in Europa, oder in Deutschland isst. Zahlreiche Zahlen belegen das. Wir alle kennen sie. Aber wir denken irgendwie, dass das nichts mit uns zu tun hat. Wie gesagt, das Ziel ist es, objektiver zu werden und in der Realität zu leben. Nicht in dem, was wir uns jeden Tag einreden.

Mag abwegig klingen, ist aber so ;)
Mag abwegig klingen, ist aber so 😉

Alles ist Eins – Spiritualität heisst bewusst werden, denken und handeln

Was auch immer die Ursache dafür sein mag, dass du das hier gerade liest; sie liegt bereits weit, sehr weit in der Vergangenheit. Denn es gibt unzählige, klitzekleine Faktoren, die dazu führen hätten können, dass du diesen Beitrag heute verpasst hättest. Hast du aber nicht. Und das ist der Punkt: nicht dein Schicksal, sondern dein bisheriges Handeln, dein ganzes Leben lang, hat heute zu diesem Moment geführt, in dem du diesen Artikel liest. Und dieser heutige Moment wird wieder zu neuen Momenten führen. Also schenke jedem Moment die Anerkennung, die er verdient. Er ist das Ergebnis deines bisherigen Werdens, all‘ deiner Gedanken, Worte und Taten, bis zu eben diesem Moment. Also bist du auf einem guten Weg. Denn bisher hat es dir nicht geschadet, das hier zu lesen. Was glaubst du wie viele Menschen, weltweit, sich oder anderen, in den letzten Minuten, geschadet haben, während du liest? Dein Weg ist also bisher ganz gut verlaufen. Du musst das nicht so sehen wie ich, darum geht es gar nicht. Es geht darum, dass du dir um sowas überhaupt erstmal Gedanken machst. In zwei bis drei ruhigen Minuten pro Tag. Schon das ist bereits spirituell. Denke doch einfach mal darüber nach und versuche zu erkennen, was das für andere Gegebenheiten, Menschen, Probleme und Situationen in deinem Leben bedeutet und probiere zu erkennen, welche Entscheidungen und Taten in deiner jüngsten, jüngeren und „älteren“ Vergangenheit dazu geführt haben, was „Jetzt“ ist. Und akzeptiere sie.

Stellt euch zum Beispiel einfach mal vor, welch seltsame Verkettungen von Ereignissen zu positiven Erlebnissen in eurem Leben geführt haben und wie viele Entscheidungen, die ihr subjektiv vielleicht früher als „falsch“ empfunden habt, letztendlich zu diesem oder jenen Moment geführt haben, den ihr jetzt als „richtig“ oder schön empfindet. Die logische Konsequenz: je mehr Schönheit man im Jetzt entdeckt, desto mehr akzeptiert man seine Ängste, seine Vergangenheit und seine ungewisse Zukunft.

Meine persönliche Erfahrung des Ursache & Wirkung Prinzips

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Als ich das getan habe, habe ich eine ziemlich große Dankbarkeit in mir gespürt, die aber keinem Gott galt, oder irgendeiner Kraft, sondern mir selbst und allem anderen, was tatsächlich ist. Ich war, für wenige Sekunden, im Einklang mit mir selbst und komplett zufrieden mit ALLEN meiner bisherigen Entscheidungen, seit meiner Geburt, an die ich mich erinnern kann. Ob gute, schlechte oder komplett bescheuerte Entscheidungen. Denn sie alle gemeinsam haben dazu geführt, dass ich gerade diesen oder jenen schönen Moment erlebe. Ein schönes, aber auch beängstigendes Gefühl, denn einem wird klar, wie wichtig jede kleine Entscheidung und Handlung ist und wie selten man eigentlich wirklich bewusst handelt.

Ich will hier gar nichts vom Schicksal erzählen, keineswegs, denn ich persönlich glaube nicht daran. Ich möchte das Ursache & Wirkung Prinzip verdeutlichen. Denn es ist, im Vergleich zu anderen Gedankenkonstrukten, relativ einfach zu erfassen und ermöglicht euch interessante und neue Perspektiven, auf euer eigenes Leben & Handeln. Mir wurde es das erste mal in einem ganz seltsamen Moment klar. Doch auch diesem Moment gingen wieder viele andere voraus, die letztendlich zu genau dieser Erkenntnis geführt haben, weshalb ihr es nie auf dieselbe Weise erfahren werdet wie ich.

Zuletzt hatte ich dieses Gefühl auf der Psy-Fi, als ich dem Laboratorium Pieśni live (Video) gelauscht habe und mir einfach kurz gedacht habe:„So ein schöner, perfekter Moment, schöne Stimmen und all‘ das erlebe ich gerade. Wie könnte ich die Vergangenheit bereuen, wenn sie mich hierhin geführt hat?“

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Einem wird klar, dass, sowohl subjektiv als „gut“, als auch als „falsch“ empfundene Entscheidungen und Handlungen, letztendlich immer wieder in einem positiven Moment münden, den man als Chance nehmen kann, sich weiterzuentwickeln, statt die Vergangenheit zu bedauern, Hoffnungen und Träumen hinterher zu leben oder sich ungerecht behandelt zu fühlen. Man merkt, dass jede Handlung, jeder Gedanke und jedes Lebewesen miteinander verbunden ist. Wir können keine einzige, noch so kleine Handlung im Leben tätigen, die nicht irgendwas verändert oder beeinflusst, denn alles existiert in Abhängigkeit voneinander. Wir denken oft, dass Umweltkatastrophen, Kriege und Müllhaufen an afrikanischen Küsten so weit weg sind, aber das sind sie nicht. Ich sehe diesen „Wir sind alle eins“-Gedanken nicht nur als eine tatsächliche, physische, oder metaphysische Verbindung, sondern als gedankliche Stütze, um sich bewusst zu machen, dass wir alle abhängig voneinander sind, auch, wenn wir diese Abhängigkeit nicht erkennen. Ob ich damit Recht habe, das weiss ich nicht. Aber das ist auch gar nicht wichtig.

Es geht nicht darum, permanent über all‘ Das nachzudenken, sondern einfach erstmal zu verstehen, um dann zu erfahren, das Alles zusammenhängt. Und wie viel geschehen musste, wie es geschehen ist, damit ihr diesen einen Moment, so unbedeutend er euch auch erscheinen mag, erleben könnt. Entscheidungen, die heute klein und unbedeutend wirken mögen, können sich, über einen langen Zeitraum, zu gewaltigen Konsequenzen ausdehnen. Und wir treffen in jedem Moment Entscheidungen. Also trefft sie alle bewusst. Das war das Fazit meines Gedankentrips, der wirklich komplett von selbst einsetzte, ohne es zu wollen. Er war die Wirkung der Ursachen, die ich geschaffen hatte, seit ich mit der Meditation begonnen habe. Und aller anderen Dinge, die seitdem passiert sind.

Und wieso ist jetzt alles Eins?

Alles hängt miteinander zusammen. Nichts existiert nur für sich selbst. Nichts was passiert, passiert einfach. Ich bzw. wir alle gemeinsam haben in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass alles so ist wie es jetzt ist. Ich hätte woanders wohnen können und auch diese Entscheidung hätte ihre Ursache wieder in der Vergangenheit gehabt. Der Bäcker hätte krank sein können, was wiederum einer Ursache in der Vergangenheit geschuldet wäre. Die Bäckerei hätte einen anderen Standort wählen können, vllt. wäre die Gewerbefläche in meiner Straße gar nicht frei gewesen, wenn der Laden, der vorher dort war, nicht pleite gegangen wäre, was wiederum seine Ursache in der Vergangenheit hat. Und so wurde die Bäckerei, die aus unzähligen kleinen Ursachen genau dort existiert, wo sie existiert, zu meiner Gedankenstütze bezüglich meines Verständnisses des Ursache & Wirkung Prinzips, das ich heute hier weitergebe. Faszinierend. Ob der Bäcker damit gerechnet hätte, Teil eines Artikels über Spiritualität zu werden als er mir das Brötchen verkaufte? Wohl kaum.

Und jetzt wird es crazy: all‘ diese Dinge wären nie passiert, wenn nicht vor Milliarden von Jahren Leben auf diesen Planeten gekommen wäre, was wiederum seine Ursache in der Vergangenheit hat. Und so kann man zurückgehen, bis zum allerersten Moment von Raum und Zeit. Das noch Verrücktere: man kann von jedem Punkt zu diesem ersten Moment von Raum & Zeit gelangen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir ALLE, wie wir heute existieren, aus ein und derselben Ursache heraus entstanden sind – dem Beginn von Raum & Zeit. Wir alle sind Eins. Ein Teil eines einzigen, großen Prozesses des Werdens und Vergehens. Wir nehmen unsere Existenz oft getrennt von anderen war, halten unser Leben für den Höhepunkt dieses Prozesses – alles, was bisher geschehen ist, hat letztendlich die Menschen hervorgebracht. Aber wer sagt, dass wir der Höhepunkt dieses Prozesses sind. Ein einziger Blick in den Weltraum, sollte uns eigentlich schon eines besseren belehren. Sehen wir die Realität doch mal so, wie sie ist: wir, sogar die Geschichte unseres Planeten an sich, ist bloß ein Wimpernschlag in diesem ewigen Prozess, aber trotzdem genauso ein Teil von ihm. Teil eines großen, einzelnen Prozesses. Wir sind das Universum, das sich, durch uns, seiner Selbst bewusst wird.

Eines der schönsten Gedankenkonstrukte, das ich kenne
Eines der schönsten Gedankenkonstrukte, das ich kenne

„You are the Universe experiencing itself“ – in meinem Gedankenkonstrukt sind wir ein winziger Teil dieses Werdens. Der Teil, während dem das „Universum“ damit beginnt, sich selbst körperlich und sinnlich wahrzunehmen. Und auch euer Nachbar, euer Haustier, eure Eltern – sie alle sind ein und dasselbe Universum, ein und derselbe Prozess, der sich, in verschiedenen Formen und Körpern, selbst wahrnimmt. Klingt vielleicht esoterisch oder philosophisch, aber eigentlich ist es ganz logisch. Logischer als anzunehmen, alles um uns herum existiere nur, um unser Leben zu ermöglichen. Ich glaube eher, dass es andersherum ist. Wir existieren nur, weil alles um uns herum lebt. Wenn ihr das nächste mal ein lustiges Video seht, einen Menschen der Grimassen macht, oder was weiss ich, haltet euch das vor Augen. Euer Lachen wird noch viel herzlicher und echter sein, wenn ihr euch vorstellt, dass es das verdammte Universum ist, das zu diesem Moment geführt hat, indem es sich selbst, in Form einer Katze, vor einer Gurke erschreckt, die ebenfalls Teil desselben Prozesses und Universums ist. Ebenso wie der Mensch, der im Hintergrund des Videos lacht. Drei Perspektiven, auf ein und denselben Elefanten. Und dann denkt nochmal dran, dass ihr, während ihr dieses Video seht, auf einer rotierenden Kugel sitzt, die durchs Weltall rast. Und ihr dachtet, ihr hättet vorher im Hier und Jetzt gelebt? 😉

Die körperliche, sinnliche und materielle Welt ist für mich ein Symptom dieses ewigen Prozesses, nicht sein Zweck. Was nicht heißt, dass wir unser Dasein nicht jede Sekunde nutzen sollten. Ganz im Gegenteil. Mal angenommen, wir sind das Universum, das sich selbst durch uns erfährt – wir sollten so viele menschliche, aber eben auch geistige Erfahrungen sammeln wie möglich. Damit komme ich auch nochmal zurück zum OM-Zeichen vom Anfang: das OM-Zeichen steht für diesen Urklang, die Vibration, aus der alles andere hervorgegangen ist, auch Raum und Zeit, also quasi für die Ursache, die wir alle gemeinsam haben und die uns zeigt, dass wir alle in unserer Entstehung verbunden sind. Durch die Übernahme, aber auch Vereinnahmung und Umdeutung fernöstlicher Kulturen, während der Hippie-Bewegung der späten 1960er Jahre, wurde dieses Zeichen im Westen populär, als eine Art anti-rassistisches und anti-dogmatisches Sinnbild, weshalb es auch den Weg in die Psytrance-Szene gefunden hat, die sich ja prinzipiell auch durch das Einheitsgefühl und die Unvoreingenommenheit definiert. Vielleicht steht das Zeichen also einfach für eine Erfahrung, die wir, also das Universum, auf jeden Fall machen sollte 😉 Die bewusste Erfahrung des universell gültigen „We Are One“-Gesetzes, in einer physisch-sinnlichen Dimension – auf einem Dancefloor. Ja, das Universum hat Sinn für Ironie, das wissen wir bereits. Immerhin hat es Augen aus Atomen geschaffen, die vor Milliarden von Jahren in Sternen entstanden sind, nur um durch diese Augen eben jenen Prozess wahrzunehmen, durch den sie selbst entstanden sind – das Verglühen des Sterns, von dem sie stammen, was wir als Sternenhimmel wahrnehmen. Vielleicht Wieso sollte Psytrance bzw. Musik und Tanz allgemein nicht der Weg des Kosmos sein, uns das „Alles ist eins“ Gefühl physisch zu vermitteln? So, und nun weiter im Text.

Spiritualität heißt Achtsamkeit

Was heißt es eigentlich, wirklich bewusst zu entscheiden und im „Jetzt“ zu leben? Sich nicht von Impulsen, Süchten, Ängsten, Hoffnungen, Wünschen und Leidenschaften beeinflussen zu lassen? Wie geht das?

Man sagt, was du denkst, das wirst du auch. Denn das Denken ist die Ursache, aus Gedanken werden Worte, aus Worte werden Taten und aus Taten wird schließlich die Wirkung der gedanklichen Ursache. Deshalb ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Denken und den eigenen Gedanken, dem eigenen Geist, so enorm wichtig – denn sie bestimmen, was wird und ist. Genauso bestimmten sie auch, was war. Auch das ist Spiritualität. Das Erkennen, das Beobachten und schließlich das Lenken der eigenen, inneren Gedankenwelt und das Wissen, dass dies elementar für ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben ist. Und falls ihr jetzt denkt „Was ein Spinner, ich bin doch schon längst Herr meiner Gedanken“ – dem gebe ich jetzt folgenden Selbsttest, eine spannende Selbsterfahrung / Experiment, mit auf den Weg:

Selbstexperiment: Konzentriere dich fünf Minuten auf die Wand vor dir. Interpretiere nicht, assoziiere nichts mit ihrer Farbe, bewerte nicht ihr Aussehen, denke einfach nur „Wand“. Ohne, dass deine Gedanken abschweifen, du gedanklich auf einmal in der Vergangenheit oder Zukunft bist, vielleicht an den morgigen Arbeitstag oder die letzte Party denkst – nimm‘ einfach nur die Wand wahr – objektiv und ohne sie zu bewerten. Es wird dir nicht möglich sein. Du wirst beobachten können, wie deine Gedanken abschweifen, obwohl du das gar nicht willst. Ist es nicht faszinierend, dass wir alle denken, wir würden immer bewusst entscheiden, Herr unserer Gedanken und Sinne sein und es trotzdem nicht schaffen, fünf Minuten an das zu denken, was wir wollen? Da scheint doch etwas nicht zu stimmen 😉 Und wer denkt da überhaupt, wenn nicht „wir“?

dont-seek-dont-search-dont-ask-dont-knock-dont-demand-22158147Das ist im Prinzip eine ganz einfache Übung der Achtsamkeitsmeditation. Etwas, das auch Google seinen Mitarbeitern beibringt. Nichts Esoterisches ist, nichts Spirituelles, im eigentlichen Sinne. Achtsamkeitsmeditation hilft uns schlichtweg dabei, unsere Gedanken zu ordnen und uns zu konzentrieren. Und so zeigt sie uns auch, wie unkonzentriert wir vorher überhaupt waren, ohne, dass wir es je bemerkt hätten. Mal ehrlich; wir halten uns doch alle für die Fairness, Klugheit und Objektivität in Person. Doch dieses einfache o.g. Experiment zeigt uns bereits, dass wir das nichtmal ansatzweise sind, aber werden können. Meditation ist eine Grundübung für diejenigen, die mehr Spiritualität in ihr Leben holen möchten, mehr Sinn und Erfüllung. Sie zeigt uns auch, dass wir in den Dingen, von denen wir uns bisher Glück und Erfüllung erhofft haben, keines von Beidem finden werden. Sonst hätten wir es ja schon. Deshalb ist Meditation, gerade in unserer stark materiell-geprägten Gesellschaft, so enorm wichtig. Auch auf Goazin.de habe ich ausführliche Meditations-Tipps für Anfänger gesammelt. Im Grunde macht die Meditation einem bewusst, dass man noch bei weitem nicht so weit, reif, klug und selbstbestimmt ist, wie man, bis zu seiner ersten Meditation, annahm. Eine wichtige und interessante Erfahrung.

Der Unterschied zwischen Spiritualität und Religion

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Der Unterschied zwischen Religion und Spiritualität liegt darin, dass die Spiritualität letztendlich keine Antwort auf Dinge sucht, auf die wir im „Jetzt“ keine Antwort finden können. Die wichtigste Grundannahme für einen spirituellen Weg, ist das Wissen darum, dass man eigentlich nichts weiss, aber das weiss man. Es ist völlig egal, was vor Raum & Zeit war, oder was nach dem Tod sein wird. Es ist wichtig, was „Jetzt“ ist. Es ist ja bekannt, dass unser Sonnensystem bereits besser erforscht ist als der Meeresgrund auf unserem Planeten. Weil es einfacher ist. So ähnlich ist es mit der Spiritualität – was bringen uns all‘ die Theorien über Quantenphysik, ein Leben nach dem Tod und den Urknall, wenn wir nichtmal wissen, warum wir gerade handeln wie wir handeln. Es ist leichter, sich mit abstrakten Theorien abzulenken, anstatt 10 Minuten, in absoluter Stille, mit sich selbst und seinen Gedanken zu verbringen. Nicht umsonst schlafen so viele von uns lieber mit Musik oder TV ein. Unsere Realität und der jetzige Moment bieten so viele Rätsel, das alles andere, was soweit entfernt ist, eigentlich völlig egal sein könnte. Wir sollten deshalb aufhören, uns damit von uns selbst, unseren Entscheidungen und Taten abzulenken, oder sie damit zu rechtfertigen.

Wer sich immer hinter einer Theorie, einer Religion oder einem Lehrer versteckt, der lebt nicht selbstbestimmt. Deshalb sind auch all‘ die Zitate & Memes in diesem Artikel keine „Beweise“ dafür, dass ich Recht habe, sondern sie sind gedankliche Stützen und Hilfen, die mir persönlich geholfen haben, meine ersten Erkenntnisse zu gewinnen. Und sie sind eine Zusammenfassung des jeweiligen Absatzes, falls jemand kein Bock hat, mein Geschwurbel in voller Länge zu lesen. So einfach ist das. 😉

Übrigens ist das einer der weiteren Unterschiede, zur Religion: Spiritualität schreibt kein Leben nach Dogmen vor, oder zwingt uns eine höhere Macht auf, die eine Strichliste über unser Verhalten führt. Es gibt keine Lehrer, die irgendwie höher gestellt sind als wir selbst. Auch Karma soll nichts Vergleichbares sein – Karma ist lediglich ein Konzept der Ursache & Wirkung. Es gibt ja keine Tafel auf der steht, welche Handlungen gutes und welche schlechtes Karma bringen. Die Kunst ist es, das selbst zu erkennen.

Doch wir sollten der Religion an sich nicht Unrecht tun, denn im Prinzip predigen alle Religionen das Gleiche: Nächstenliebe, Mitgefühl und Respekt vor dem Leben. Was durch Kirchen und aufgrund von Machtinteressen aus den Religionen gemacht wurde, ist eine andere Geschichte. Ich mag den Spruch:„Jesus war kein Christ, Buddha kein Buddhist und Mohammed kein Muslim“.

Wie & Warum ich Spiritualität in Artikelform gießen möchte

Keine Angst: ihr werdet hier weiterhin Partytermine, Interviews, Musik-Releases und Festival Infos bekommen. Der Bereich „Spiritualität“ wird lediglich ein weiterer Aspekt dieses Magazins. Ich würde mich auch freuen, wenn ihr euch mit eigenen Textbeiträgen daran beteiligen würdet. Einmal pro Woche (ich versuche es zumindest) erscheint ab jetzt ein neuer Artikel dieser Serie, der Aspekte und auch Irrwege spiritueller Lebensweisen, Poesie, Musik und Literatur beleuchtet. Dabei geht es nicht darum, irgendjemandem meine persönliche Meinung zu diesen Themen aufzudrücken, denn das wäre schon ein Widerspruch in sich, wenn man dieses Thema ernsthaft angehen möchte. Es geht darum, meinen bisherigen Lebensweg, bis zum heutigen Tag, unter spirituellen Aspekten zu beleuchten und die Dinge zu benennen, die mir bisher geholfen haben, ein ruhigerer und ausgeglichenerer Mensch zu werden. Ich bin noch keiner, aber ich habe überhaupt schonmal erkannt, dass ich einer werden sollte und werden kann, was schonmal ein Schritt ist, den viele ihr ganzes Leben lang nicht machen.

Das heißt nicht, dass euch dieselben Dinge helfen wie mir. Jedoch hilft es schon (das ist das Grundprinzip jeglicher spiritueller und philosophischer Lehre), sich mit einer anderen Perspektive, in diesem Falle mit meiner, zu befassen und diese dann auf das eigene Leben anzuwenden. Das ist bereits Spiritualität, zumindest aber ein erster Schritt dorthin.

Und ich verrate euch jetzt noch ein kleines Geheimnis: alleine dadurch, dass ihr euch gerade dazu entschieden habt, diesen Text weiterzulesen, habt ihr schon damit begonnen, diesen Weg zu gehen. Genau wie ich. Ich möchte euch wiedergeben, was ich in den letzten Monaten und Jahren so erlebt habe und wie es mich genau zu diesem Moment gebracht hat, indem ich entschieden habe, eben das weiterzugeben. Denn ich bin davon überzeugt, dass die Beschäftigung mit Meditation und sich selbst, jedem helfen kann, mehr Erfüllung zu finden. Und zwar nicht im materiellen Sinne, oder unter irgendeinem Aspekt der Selbstverliebtheit. Es geht nicht darum, sich selbst zu lieben. Es geht darum zu erkennen, dass „Sich-Selbst-Lieben“ am Ende heißt, auch jeden anderen auf dieser Welt zu lieben, ebenso wie jede Situation und jeden Moment. Und das ermöglicht uns letztendlich, die Veränderung zu sein, die wir uns in der Welt wünschen, wie es Gandhi schon sagte.

Was ich hier als Artikel verkaufe, soll maximal eine Hilfe sein, eine Art Stützrad, nicht die Wahrheit, kein Patentrezept, sondern einfach nur ein Anreiz dafür, sich mehr mit diesen Dingen auseinanderzusetzen und eigene Erfahrungen auf diesem Weg zu machen. Dafür gebe ich euch, inform von einem Artikel pro Woche, Übungen, Bücher und Tipps an die Hand, die ihr anwenden könnt, wen ihr es denn wollt.

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Mein bisheriges Fazit zur Spiritualität

Sich mit etwas zu verbinden, das über die alltägliche Erfahrung hinaus geht, das uns leitet und uns hilft zu erkennen, wer wir sind und was unser Auftrag ist. Sich dadurch aus der eigenen Isolation befreien und sich mit dem Großen und Ganzen zu verbinden. Das scheint jedem Menschen, gleich welcher Religion, ein Urbedürfnis zu sein. Wir können dem überall begegnen: in unserem eigenen Geist, in der Natur, in der Kirche, der Moschee, der Synagoge, Zuhause.

Spiritualität bedeutet nicht etwa Festhalten an Ritualen, oder das Kultivieren und Stilisieren von Steinen und Kristallen zu Heilmitteln oder Energiequellen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, den Spiritualität basiert auf der Erfahrung jedes Einzelnen. Jeder findet anders zu ihr, denn jeder von uns hat eigene Erfahrungen, seine eigene Geschichte. Wie könnte es also einen universellen spirituellen Weg geben. Es geht schlichtweg darum, sich überhaupt mit sich selbst zu befassen. Das ist der Anfang. Anleitungen und Sitzpositionen zur Meditation sind Hilfestellungen und keine Pflicht. Der eine sagt „Om“, der andere starrt eine Kerze an. Wichtig ist das Ergebnis, nicht das Ritual. Wenn ihr also auf Gurus trefft, die euch Erfolgsgarantien auf irgendwelche Kurse geben, Erleuchtung versprechen oder euch dafür kritisieren, dass ihr dieses oder jenes falsch macht, oder euch dieses oder jenes käufliche Objekt fehlt, um die Erleuchtung zu erreichen, dann könnt ihr euch sicher sein, dass dieser „Guru“ noch einen viel weiteren spirituellen Weg zu gehen hat als ihr. Denn sie haben ihrem egozentrischen, Ich-bezogenem Weltbild lediglich eine spirituell-klingende Ebene hinzugefügt, an ihrem eigentlichen Denken und Handeln aber nichts geändert.

Spiritualität ist also nicht abstrakt, sondern wird durch praktische, persönliche Erfahrung gewonnen. Sie muss keinen logischen Wahrheitsgehalt beinhalten, denn es geht nicht um gedankliche Einsichten. Diese Erfahrungen sind nicht oder nur schwer kommunizierbar und erklärbar, denn sie sind eine vollkommen persönliche Erfahrung. Was aber alle Wege gemein haben, ist die Wichtigkeit der regelmäßigen spirituellen Praxis. Und genau dabei soll euch diese Artikelserie unterstützen – bei der täglichen spirituellen Praxis, indem ich Übungen weitergebe, die mir geholfen haben, euch Bücher empfehle, die ich gelesen habe und von Gesprächen berichte, die mich inspiriert haben. Falls ihr Bock drauf habt, dann lest es einfach 🙂

  • Im nächsten Artikel gibt es ein paar kleine Alltagsübungen an die Hand, die bei mir viel verändert haben, hin zum Positiven natürlich. Vielleicht fühlt man sich jetzt ein wenig geplättet, nachdenklich, ist froh, dass dieser schwachsinnige Artikel endlich zu Ende ist, oder freut sich auf den nächsten. Ich war verwirrt, nach den ersten Artikeln und Büchern, die ich zu diesen Themen gelesen habe. Man muss nicht alles verstehen, geschweige denn sofort erfahren. Es geht darum, anzufangen. Jeden Tag. Und dafür genügt ein kleiner Aspekt, eine kleine Übung. Der Rest wird, komischerweise, nach und nach von selbst kommen. Zumindest bisher 😀

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