Titelbild: Spreadshirt

Was ist eigentlich ein Modegoanaut?

…und was ein Goanaut? Gelegentlich ist es schon faszinierend, was für ein Brett man vor dem Kopf haben kann. Zwar ist momentan hauptsächlich die Festival-Saison dafür verantwortlich, dass ich etwas weniger schreibe und veröffentliche als sonst. Aber es machte sich nach gut 9 Monaten auch eine erste kleine Schreibblockade bemerkbar. In solchen Situationen sucht man krampfhaft nach Inspiration und findet keine. Und wenn man dann endlich damit aufhört, nach ihr zu suchen, kommt sie plötzlich zurück. Das war Heute. Übrigens; auf Facebook und im Kommentarbereich dieses Artikels sind bereits zahlreiche Meinungen zum Artikel eingegangen – hier findet ihr die Leser-Meinungen.

Viele von euch kennen sicher die (zunehmend immer weniger) freundlichen Goanauten aus dem Norden. Eine Facebook-Gruppe, in der ich jetzt seit gut zwei Jahren Mitglied bin und in der ich, seit Tag 1, zunehmend beobachten kann, wie der Wortschatz nicht nur um „Namaste“ und lustige Sprüche, mit Bezug auf die Symptomatik einer MDMA-Überdosis („Alle kauen, keiner isst“ usw. – kann man mittlerweile sogar als Pullover kaufen…ja, wirklich…), sondern auch immer mehr um „Hurensohn“ und „Deine Mudda“ erweitert wird. Ich schätze die Gruppe nach wie vor, allerdings lese ich sie kaum noch. Heute habe ich das aber mal wieder getan, denn gelegentlich stößt man doch mal auf eine tolle Musikempfehlung, einen netten Bericht und gelegentlich sogar auf WIRKLICH freundliche Goanauten aus dem Norden. Vor allem aber sind die Kommentarspalten sehr unterhaltsam, wenn man einen schwarzen Humor oder eine hohe Toleranzgrenze hat.

Über Umwege stieß ich auf eine Diskussion über „Modegoanauten“ein Wort, das ich bis dato noch nie gehört hatte. Und da ich von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, wollte ich mehr erfahren. Selbstverständlich möchte ich die Diskussion auch anheizen, ihr kennt mich. Ich selbst verwende solche Begriffe / Etiketten auch meistens nur um zu zeigen, wie sinnlos sie sind. Es interessiert mich einfach und sicher auch andere, was eurer Meinung nach diese Musik und Szene eigentlich wirklich ausmacht – und was nicht. Welche Werte & Ansichten assoziiert ihr mit ihr? Oder lebt sie eher davon, dass es genau diese vorgefertigten Werte & Ansichten nicht gibt. Soll dieser Beitrag am Ende vllt. nur zeigen, dass man Dinge nicht zu ernst nehmen sollte? Ich will wissen, wie ihr das seht. Hauptsache, ein bisschen Humor ist dabei 😉

Gefunden auf der FB-Seite von Klopfgeister
Gefunden auf der FB-Seite von Klopfgeister – Pionier auf dem Gebiet „Psytrance (und sich selbst) nicht zu ernst nehmen“ 😉



Wer Goazin schon etwas länger liest, der weiss, dass ich mich gerne bei solchen Themen einmische – so zuletzt mit den Beiträgen Kinder auf Psytrance Festivals und „Warum Psytrance zur Popkultur wird„. Denn ich mag Kommunikation und ich mag es, solche Themen anzusprechen. Doch in meinen Archiven konnte ich noch keinen Beitrag zum Thema „Modegoanaut“ finden und schwups – Schreibblockade durchbrochen. Ich höre jetzt auch auf, mit der langweiligen Vorgeschichte, aber es macht gerade wieder soviel Spaß, zu schreiben.

Um gleich zwei Dinge vorwegzunehmen:

  1. Für mich ist niemand automatisch „Modegoanaut“, der sich eine neue Pumphose kauft und jetzt Dreads trägt
  2. Genauso, wie nicht jeder „richtiger“ Goanaut ist, der eine „Blume des Lebens“ im Nacken tätowiert hat und meditierend auf dem Floor sitzt

Dieser Beitrag soll so eine Art Initialzündung oder ein Anreiz für eine lebhafte Diskussion sein. Vielleicht nur, um am Ende zu der gemeinsamen Erkenntnis zu gelangen, dass man das so allgemein gar nicht formulieren kann, weil es Quatsch ist. Also, SCHREIBT MIR, was ihr dazu zu sagen habt und wenn ihr mögt, dann werdet ihr mit eurer Meinung ein Teil dieses Beitrags.

Die vier Elemente des Psytrance - oder nicht?
Die vier Elemente des Psytrance – oder nicht?

Also, was ist denn nun ein Modegoanaut?

Zunächst einmal fällt mir auf, dass solche Begriffe wie „Modegoanaut“ meistens von den Leuten ins Leben gerufen werden, die sich selbst als das genaue Gegenteil sehen. Mit dem erfundenen Begriff soll die Gegenseite runtergemacht werden, weil sie sich nicht so verhält, wie man das gerne hätte. Das kann schon der Kauf einer Goa-Hose sein, der aus der Sicht eines anderen „zu früh“ erfolgte. Oder das falsche Muskelshirt-Outfit auf einer Party. Dabei weiss glaube ich jedes Kind, dass solche Vorverurteilungen eigentlich die Wurzel allen Übels sind; die Erhebung der eigenen Meinung zur Wahrheit. Diese Abgrenzung in „echt“ und „unecht“ ist vor allem dann problematisch, wenn man auf die Events einer Szene geht, die aus einem „We are one“-Gedanken hervorging. Da hat eine „Gegenseite“ überhaupt nichts verloren. Wer den Begriff ernsthaft verwendet, um einen Menschen oder eine Gruppe von Menschen zu diskreditieren, outet sich schon selbst als Modegoanaut. Soweit meine Meinung. 

Dem Kontext konnte ich bisher entnehmen, dass Modegoanauten eben das Gegenteil von „echten“ Goanauten sein sollen, was auch immer echte Goanauten sind. Fällt euch eigentlich auch auf, dass es einem immer verdammt leicht fällt, zu sagen, was man falsch findet, aber nicht, was im Gegenzug dazu richtig ist, also einen echten Goanauten ausmacht. „Es ist nicht cool, seinen Müll überall hin zu schmeissen“ – klar. Aber ist man automatisch Goanaut, wenn man sorgsam mit seinen Abfällen umgeht? Ist man ein echter Goanaut, wenn man keine Goa-Hose trägt? Klingt verwirrend, aber wenn ein Modegoanaut jemand ist, der sich eine neue Pumphose aus dem Internet bestellt, dann ist ein richtiger Goanaut ja jemand, der das nicht tut. Wieso werden dann Leute in Muskelshirt und mit Nike Airs als Bademeister bezeichnet, weil sie genau diese Sachen nicht tragen? Ist nicht eigentlich viel eher jemand „Modegoanaut“, der Leute nach Kleidung kategorisiert? Ihr merkt schon: es ist kompliziert.

Bademeister - für viele der Inbegriff eines "Nicht"-Goanauten
Bademeister – für viele der Inbegriff eines „Nicht“-Goanauten – aber wieso? – Foto: Fotolia.de #23986496 (M. Siegmund)

#23986496

Hinzu kommt der Begriff „Mode“. Es sind also Leute gemeint, die auf einen fahrenden Zug aufspringen, Trittbrettfahrer sozusagen. Das müsste bedeuten, dass „Goa“ jetzt cool ist – Mainstream, wie viele von euch sagen. Man muss also nun „Goa“ sein, um dazuzugehören.

Mal ganz ehrlich; wer von euch ist zuletzt mit einer Goa-Hose, Dreads und Henna-Tattoos im Gesicht durch die Fussgängerzone gelaufen und hat gedacht – Mensch, irgendwas hat sich verändert, alle sehen mich so bewundernd an. Ich glaube, ich bin jetzt offiziell cool und gehöre dazu genau.

Und was ist eigentlich mit Drogen? Kann man Psytrance nur verstehen, wenn man sich vorher Pappen gegeben hat? Heißt es deshalb auch „Ticket“ – weil man ohne es nicht in die heilige Psytrance-Welt kommt? Leute, die dieser Ansicht Glauben schenken, vergessen oft, dass es bei all‘ diesen Dingen letztendlich um Bewusstseinserweiterung geht. Und diese ist definitiv nicht nur mithilfe von Substanzen möglich. Mal eine andere Frage; darf man als echter Goanaut Drogenkonsum eigentlich kritisieren? So unendlich viele Fragen…

Trotzdem möchte ich, trotz der vielen Fragen, nicht einfach der simpelsten Antwort Glauben schenken; Psytrance ist einfach nur Musik – habt Spaß und sonst nichts. Denn es wäre schade, wenn diese kreative, selbstorganisierte und offene Szene auf einmal zum reinen Spaßfaktor verkommen würde und somit nur ein weiteres von tausenden Unterhaltungselementen zur Zerstreuung, nicht zur Verfeinerung des Geistes ist. Und niemand sollte seine Wurzeln vergessen, die beim Psytrance definitiv in der Gegenkultur, der Spiritualität und z.T. auch dem Hinduismus / Buddhismus liegen. Es wäre schade, das zu vergessen, nur, um unangenehmen Fragen auszuweichen. Genauso falsch ist es, einfach nur spirituell zu sein, um spirituell zu sein. Mich persönlich hat diese Kultur rund um Psytrance sehr geprägt und mir geholfen, Ruhe zu finden. Ein Luxus, in einer Gesellschaft wie unserer und wichtig, um positiv in diese Welt hineinzuwirken.

Schon Buddha sagte, dass es bei der Bewusstseinserweiterung nicht um die Bewusstseinserweiterung geht, sondern um die Absicht, aus der heraus wir nach ihr streben. Naja, ich weiss nicht, ob er das sagte. Aber in irgendeinem Buch über Buddhismus habe ich das mal gelesen und es für gut befunden. Hier ein echter Satz von Buddha.

Die edelste Art Erkenntnis zu gewinnen ist die durch Nachdenken und Überlegung. Die einfachste Art ist die durch Nachahmung und die bitterste Art ist die durch Erfahrung. – Buddha Zitat

Ich war schon immer ein Freund von Taten. Woran, wenn nicht an seinen Taten, erkennt man, was jemand ist? Vielleicht können wir diese Frage also viel einfacher beantworten wenn wir uns fragen, was jemand eigentlich so tut und warum er das tut, nicht, was er ist.

Was tut ein Goanaut eigentlich?

Ein meditierender Mensch - Klischee-Sinnbild für den Alltag eines Goanauten
Ein meditierender Mensch – Klischee-Sinnbild für den Alltag eines Goanauten – Foto: Fotolia.de #156271213 | Urheber: Maksim Pasko

Diese Frage finde ich schon viel spannender. Denn eigentlich sollte klar sein, dass weder Klamotten, noch Frisur, noch Tattoos, noch Musikgechmack wirklich aussagen, wer oder was jemand ist. Am wichtigsten sind die Taten und noch mehr, die Motivation dahinter. Und so können wir uns auch der Antwort auf die Frage näheren, was ein Goanaut nicht ist bzw. nicht tut. Oder einfach merken, dass man so eine dumme Frage gar nicht beantworten kann, sondern nur versuchen kann zu erklären, warum diese Frage dumm ist.

Wieso seid ihr eigentlich das erste mal auf einem Psytrance Festival gelandet? Die meisten von euch sicher deshalb, weil sie neugierig sind und weil sie nicht gerne auf das hören, was man ihnen sagt. Ihr wollt eigene Erfahrungen sammeln, keine vorgekauten Meinungen. Denn sonst wäret ihr nie auf Events gelandet, von denen man von Aussenstehenden oft nur hört, das man am Eingang ein Bändchen, eine Mülltüte und ein Löschblattbogen LSD auf’s Haus bekommt. Sprich: auf Goa Partys würden alle Drogen nehmen. Ihr habt euch darüber hinweggesetzt und eigene Erfahrungen gesammelt. Einige von euch sind vllt. auch gerade wegen dieser Vorurteile auf die erste Goa Party gegangen, aber das ist eine andere Geschichte. Das sind für mich die Grundvoraussetzungen für das Eintauchen in die Psytrance-Szene:

  • Neugier
  • Unbefangenheit
  • Offenheit
  • Wissbegierde

Ob ihr nun neugierig, offen und unbefangen seid, während ihr eine Skinny Jeans tragt, oder eben eine Goa-Hose, ist doch scheissegal. Fest steht: ihr wäret nie auf einer Goa-Party gelandet, wenn ihr diese Eigenschaften nicht hättet. Wenn ihr Menschen wäret, die alles glauben, was man ihnen sagt. Die nicht hinterfragen. Somit könnt ihr euch schonmal mit allen verbunden fühlen – ihr alle seid neugierig und probiert, für euch selbst zu denken. Glückwunsch!

Weiterhin wohnt den meisten Menschen, die sich zu dieser Musik hingezogen fühlen, wahrscheinlich der Gedanken inne, dass das, was wir im Alltag, oder bei anderen Events / Musikrichtungen erleben und erfahren, nicht das ist, was wir suchen. Und vor allem nicht das, was wirklich wichtig ist. Psytrance ist für mich nicht die Antwort, aber ein Symptom der Sinnsuche eines Menschen. Viele haben sicher schnell die meditative Wirkung eines eigenen Handwerks oder des Stampfens auf dem Floor erfahren. Vorausgesetzt, dass sie nicht zu zugeballert waren, um das auch wahrzunehmen. Man lernt, bewusst den augenblicklichen Moment wahrzunehmen, ohne in Gedanken völlig woanders zu sein.

Das ist übrigens auch der Grundgedanke des Buddhismus – der Mensch verrennt sich so sehr in seinem Kopf, dass er vergisst, was er eigentlich gerade tut. Probiert es gerne selbst aus und beobachtet eure Gedanken mal, während ihr einfach nur dasitzt. Erinnerungen an die Kindheit, die Arbeit, Tagträume – sie alle tauchen unvermittelt auf, jede Sekunde und lenken uns von dem ab, was eigentlich ist. Bewusstes Handeln hilft uns dabei, ein besserer Mensch zu werden. Achtsamkeit ist das Stichwort. Nach einigen Monaten oder Jahren Psytrance erwachen in einem häufig Dinge wie:

  • Spiritualität
  • der Wunsch, ein besserer Mensch zu werden (kann niemandem schaden, den zu haben) 
  • bewusster Umgang mit Lebewesen & Umwelt
  • ein Bewusstsein für die Probleme unserer Zeit
  • Achtsamkeit auf sich und auf andere Menschen
  • Nächstenliebe

Und diese Dinge an sich haben überhaupt nichts mit der Psytrance-Musik zu tun. Sie sind ein amateurhafter Versuch meinerseits, diese Szene psychologisch zu analysieren. Aber ich glaube, dass ich gar nicht so verkehrt liege. Denn von allen o.g. Punkten ausnehmen kann sich wahrscheinlich keiner. Und wenn ja, dann sollte er vielleicht wirklich die Szene wechseln, denn hier wird er nicht glücklich.

Aus diesen oben genannten Dingen resultieren dann Symptome wie kleine Reagenzgläser für Kippenstummel, Vegetarismus / Veganismus, Meditation, Humanismus und weitere Worte, die toll und edelmütig klingen, ohne Taten aber nicht mehr als ein Echo schöner Worte sind. Ebenso sind Dinge wie Dreads, selbstgemachte Klamotten und bestimmte Symbole lediglich ein Ausdruck dieser Dinge und kein Selbstzweck. Eine Goa-Hose macht noch keinen Goanauten, aber eben auch keinen „Nicht-Goanauten“ oder „Modegoanauten“. Eigentlich macht sie überhaupt nichts. Die Frage ist, weshalb man sie trägt.

Und das wichtigste, was man lernen sollte, ist die Toleranz. Toleranz sich selbst und anderen gegenüber. Denn wenn man sich immer bewusst macht, dass all‘ die Menschen, die da mit euch auf dem Floor stehen, so verschieden sie auch sind, alle einmal aus Neugierde und Offenheit zu dieser Musik gekommen sind, gibt es gar keinen Grund mehr, zwischen Goanaut und Modegoanaut zu trennen. Ob sie nun einen Jutebeutel tragen, auf dem Floor mit Techno / House-Moves abgehen, Fleisch essen, zu Shiva beten oder zwei mal im Jahr nach Indien reisen; sie alle sind hier, weil sie einerseits merken, dass Psytrance in ihnen Emotionen weckt, die woanders nicht erweckt werden und weil sie mehr wollen als das, was das Leben bisher bereithielt. Und das sind schon zwei Dinge, die sie von der breiten Masse der Gesellschaft unterscheiden – emotionale Wahrnehmung und der Wille nach mehr Wert und weniger Materialismus.

Also, was tut ein Goanaut nicht?

Das ist nun kein neues Goanauten-Gesetz oder sowas. Es sind einfach die Umkehrschlüsse aus dem, was viele Goanauten gemeinsam haben. Dementsprechend kann man sagen, dass Goanauten zum Beispiel eher nicht egoistisch sind, weil sie eben Achtsamkeit für Mitmenschen entwickeln. Dass sie nicht sexistisch oder rassistisch sind, weil sie eher unbefangen agieren und bewusst mit Lebewesen & Umwelt interagieren. Jemand, der also mit ausgefahrenen Ellenbogen über den Floor marschiert und sie nur einfährt, um einer Frau auf den Arsch zu hauen, der ist tatsächlich eher kein Goanaut. Da kann er noch soviel Yoga machen oder meditieren. Solange er das nur tut, weil er irgendwen damit beeindrucken will, ist es nicht authentisch. Jemand, der gerne schicke Klamotten trägt und in einer Bank arbeitet, umsichtig mit seinen Tanznachbarn umgeht und offen für neue Erfahrungen und andere Meinungen ist, der ist trotz Lacoste Krokodil auf den Klamotten mehr Goanaut als ein Dreadlockträger, der den ganzen Tag damit beschäftigt ist, Menschen zu belehren, die anders denken als er.

Das ist für mich der wichtigste Punkt von allen; ein echter Goanaut sollte sich immer bewusst darüber sein, dass er eigentlich nur eine Sache ganz genau weiss: nämlich, dass er eigentlich gar nichts weiss, sondern alles im Leben subjektive Erfahrung ist – also letztendlich Glaube. Wer sich das bewusst macht, der wird schon automatisch viel offener allen anderen Menschen und Meinungen gegenüber.

Wer nun noch aufmerksam war und wem aufgefallen ist, dass man in diesem Text mühelos das Wort „Goanaut“ gegen „Mensch“ tauschen könnte, der ist auf dem besten Weg.

Fazit: Ein Modegoanaut ist ein Mensch, der auf diese Partys fährt, ohne zu wissen, warum er dies tut. Wenn es nur aus Spaß ist, ist es auch ok. Er sollte sich dessen nur bewusst sein. Ein Modegoanaut ist jemand, der die Motivation und Ansichten anderer nicht akzeptiert oder lächerlich macht. Ein Modegoanaut ist jemand, der seine eigene, subjektive Meinung für die Wahrheit hält. Ein Modegoanaut ist jemand, der aus egoistischen Motiven probiert, ein besserer oder spirituellerer Mensch zu werden, was ein Widerspruch in sich ist. Ein Modegoanaut ist jemand, der jemanden Modegoanaut nennt, weil er sich zwei Wochen nach seiner ersten Psytrance-Party eine Pumphose gekauft hat. Ein Modegoanaut ist ein Mensch, der andere allgemein abwertet. Ein Modegoanaut ist jemand, der musikalische Expertise mit Leidenschaft für Musik verwechselt. Ein Modegoanaut ist jemand, der nicht verstanden hat, dass es echte Goanauten und Modegoanauten gar nicht gibt und diese ganzen Fragen am Ende völlig egal sind. 

Meine Meinung. Jetzt seid ihr dran!

Meinungen unserer Leser zum Thema

Markus Pauzar (Facebook):

„Guter Artikel. Vielleicht kann man diesem noch den einen oder anderen Aspekt hinzufügen. Bereits in den 60ern gab es den Ausdruck „Weekend-Hippie“. Dieser dem Ausdruck des „Modegoanauten“ kohärente Begriff meinte einen „Möchtegern-Hippie“, einem eher spießigen Menschen, der nur am Wochenende bei den Hippies rumhängt, weil es eben hipp ist. Wenn Leute die Goa-Hosen-Träger mit diesem Begriff brandmarken, dann ist sicherlich oft gemeint: diese Leute sehen Goa als eine oberflächliche Mode. Es scheint Ihnen zu genügen, die Szene-typischen Kleidungsstücke, Frisuren und Tattoos zu tragen, um Teil davon zu sein. Natürlich greift diese Ansicht zu kurz. Wie im Artikel beschrieben ist es nicht unerheblich, WARUM jemand etwas macht. Aber dass es eben viele Menschen gibt, die Goa nur als Mode, als Lifestyle begreifen, ist ja unbestritten. Egal, ob sie wie die Rasta-Goa-Nazis aussehen oder wie Bademeister. Wichtig ist, das Gespräch zu suchen und ihre Hintergründe zu erfragen. Pauschales Verurteilen und Ablehnung hilft niemanden und schadet allen.“

Enilorac Edeirf (Facebook):

„Kurz gesagt: Ich denke, dass jeder ein Goanaut sein kann, indem man seine Mitmenschen und seine Umwelt mit all ihren Facetten akzeptieren, respektieren und Lieben lernt. Das gelingt nicht immer, aber solange man dieses Ziel anstrebt, hat man das Ziel schon erreicht. 
Ich glaube auch, dass wenn man ein Ziel vor Augen hat (vor allem politischer und sozialer Natur) und seine Mitmenschen dafür begeistern kann, mithilfe der Musik (denn diese bringt die Menschen erst zusammen) , dem ganzen zumindest versucht Inhalt zu geben, kann man sich als Goanaut bezeichnen. Jeder auf seine Weise. Für mich ist es eine Bewegung, die nicht endet. Denn es gibt immer etwas, was man verändern kann. Dazu gehört Mut zur Veränderung. Wer diesen Mut aufbringt, ist ebenso ein Goanaut.“

Wave Shaper (Facebook):

„Sehr schön geschrieben, vor allem mit dem Zitat von Buddha… „Die edelste Art Erkenntnis zu gewinnen…“ Der Absatz ist echt klasse!!! 
Für mich ist Goa, oder auch Psytrance, eine Art Kommunikation zu sich selbst, um alles raus zu lassen ( Wut, Hass, Freude und Liebe). 
Es ist als so eine Art Trance, um zu verstehen – mit und ohne „Bewusstseinserweiternde Zutaten „. Es kommt auch nicht darauf an, wie wer rumläuft. Die Hauptsache ist, das man friedlich und bewusst miteinander umgeht mit dem nötigen Respekt und Verständnis! Klar… für mich persönlich gehören Meditation und das Spirituelle dazu, das ist aber jedem selbst überlassen. Nach dem Motto „Leben und leben lassen „.“

7 Gedanken zu „Was bitte ist ein „Modegoanaut“ – und was nicht?

  • 8. August 2017 um 15:33
    Permalink

    Der Unterschied liegt besonders darin ob jemand diese Musik in Herzen trägt oder die feiert weil es alle tun. Leider gehen viele Menschen auf Goas, ballern sich da bis oben hin zu und denken darum gehen sie auf Goas. Man muss verstehen was die Szene aus einem machen kann wenn man versteht wofür diese Szene steht. Goa hat mein Leben verändert. Ich lebe bewusster, toleranter gegenüber allem was ist, um bewussten Umgang mit Mensch, Tieren und der Natur. Goa ist für mich nicht nur Musik es ist meine Lebenseinstellung. Und es macht mich sehr traurig wenn die Menschen die jeden Trend hinter jer jagen vor sich selbst fliehen in dem so viel Konsumieren bis sie vollends betäubt sind und diese Szene damit in ein schlechtes Licht Rücken. Die Musik ist die Droge und der Tanz ist der Ausdruck der innerlichen Verbundenheit, der Freiheit und der Harmonie.

    Antwort
    • Heddi
      8. August 2017 um 17:35
      Permalink

      🙂 Hätte ich nicht schöner ausdrücken können. Das nächste mal schreibst du den Artikel zu dem Thema 😉 Danke, für den schönen Kommentar.

      Antwort
  • 8. August 2017 um 16:19
    Permalink

    Es hat mir in all den Jahren immer wieder sehr viel Freude bereitet, „Novizen“ mit auf die Festivals zu nehmen und in ihnen die Begeisterung für dieses Gefühl der Gemeinschaft zu wecken. Manche fanden die Musik ein bisschen gewöhnungsbedürftig, manche waren erschrocken, dass da in aller Öffentlichkeit Drogen konsumiert werden, und manche hielten das strahlende Lächeln Wildfremder anfangs für plumpe Anmache. Am Ende waren sie trotzdem alle völlig geflasht, und viele von ihnen sind inzwischen auch schon zu „echten Goanauten“ geworden.

    Am meisten freue ich mich immer, wenn ich mit den zögerlich umhertappenden Einheimischen ins Gespräch komme, die kostenlosen Eintritt bekommen und bloß mal gucken wollen, was das da für eine komische Party ist. Ist es nicht großartig, dass sie alle mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht wieder nach Hause gehen? Und wenn es nur für ein paar Stunden war, so hat es sich doch gelohnt.

    Kurz: zum echten Goa-Spirit gehört für mich dazu, dass ich jeden – wirklich JEDEN! – in meine überschäumende Freude mit einbeziehe. Nicht im Sinne von Beeinflussung, sondern als freundliches Angebot. Und wie wir alle wissen, ist es ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.

    Antwort
    • Heddi
      8. August 2017 um 17:36
      Permalink

      Genau darum geht es – das Gespräch suchen und nicht irgendwelche Vorverurteilungen sprechen. Gerade der Punk mit den Einheimischen, die mal vorbeischauen, ist sehr, sehr wichtig. Schließlich hängt indirekt, teilweise auch direkt, die Zukunft des jeweiligen Festivals davon ab. Schön, dass du da so aktiv bist. Es freut mich allgemein, was für tolle Kommentare schon zusammengekommen sind. Liebe Grüße

      Antwort
  • 10. August 2017 um 20:27
    Permalink

    grundsätzlich haben wir ja alle mal angefangen und immer waren die alten Zeiten sowieso die Besten in punkto Spirit und Magie…. Leider ist auf vielen Partys aber tatsächlich die Kultur ein bisschen untergegangen da viele NewAge-Veranstalter nicht wirklich den Sinn des ChillOut nebst Chaistand verstanden haben…. so dass der interessierte Neuankömmling gar keinen richtigen Einblick in den eigentlichen Lifestyle bekommen kann, sich erstmal nur äusserlich an das anpasst was er sieht…. was bei vielen auch erst mal unauthentisch wirkt… das festzustellen bedarf es keiner besonders ausgeprägten empathischen Fähigkeit. Daher auch vielleicht der Begriff Modegoanaut!?
    Es wirkt erst mal verkleidet…. und alles ist auf einmal Goa…. Jacke wie Hose…. und immer gut sichtbar das „Goazeichen“…. aber trotzdem irgendwie sweet… und solange es andere nicht beeinträchtigt stört´s doch nicht. Darauf abzugehen lässt erst mal auf ganz andere Defizite schließen… und zwar beim „Goanauten“ bzw. dem der sich irrtümlich dafür hält. Alleine die Einteilung in „richtig“ und „falsch“ hat schon nen leicht faschistischen Beigeschmack… Kein Wunder dass sich der „Modegoanaut“ dann erst mal in Äußerlichkeiten verrennt…. denn der Faschist wird ihm nicht viel von Toleranz, Spirit und Synchronisation erklären können…
    Vielleicht ist er auch gar nicht so überdosiert, wie viele Althasen meinen…. denn ich mag nicht glauben, dass der Sprung von Technopartys zum Psytrance zwangsläufig die Konsumgewohnheit ändert…. vielmehr glaube ich dass die brachiale Wirkung unserer geliebten Musik und die optischen Eindrücke gut überfordern wenn man bis dato nur den dunklen Technokeller kannte….
    Danke an der Stelle an alle Chaicrews für den gemütlichen Chill, dem ein oder anderen BioReactor und alle schönen Gespräche dort….
    Anders dagegen verhält es sich beim typischen Bademeister, der auch wirklich alles dafür tut diesem Klischee zu entsprechen…. Optisch sticht er doch bisschen aus der Masse hervor… oft aber nicht immer durch seine Kurz- oder OhneHaarfrisur… muskulöser Erscheinung im T-Shirt seiner kleinen Schwester…. unsymphatischem etwas aggressiv wirkenden Blick.. und meistens steht er da, glotzt den Mädels auf den sich im Wiegeschritt bewegenden Hintern und steht im Weg wo eigentlich getanzt werden könnte….. Glasflaschen wirft er achtlos auf den Boden und den freundlichen Hinweis auf Barfusstänzer quittiert er mit dem Auge des Tigers…. so die eigentliche Definition des Bademeisters der dann doch eher fehl am Platze ist…. 😉

    Antwort
  • 12. August 2017 um 17:15
    Permalink

    hallo zusammen ,
    ich habe bis vor zwei Jahren sehr extreme Musik gehört Noise Speedcore und mehr , sehr dunkle und böse Musik allerdings mag ich anstatt Strobo Neben und dunkele Keller mittlerweile viel mehr die Natur bunte Farben und positive Energie .Ich bin durch einen guten freund zum Psy Trance Goa Darkpsy gekommen, mir ist es egal was ich trage dabei oder was die anderen tragen oder gar was sie von mir denken , sehe mich aber auch nicht als Goanaut oder so ich bin einfach ich mit liebe zur Musik jedoch ich muss sagen das es sehr entspanntes stampfen ist, am Anfang habe ich mir die Seele frei gestampft vom Alltag mit vielen Drogen , seit einiger Zeit nehme ich nix mehr aber gehe trotzdem sehr gerne auf ne schöne Drak psy party es ist einfach Chillig mit freunden oder anderen Menschen der Musik zu lauschen ,zelten und einfach die Seele baumeln zulassen etwas tanzen und die Natur dabei genießen , am schönsten ist es in den Sonnenaufgang hinein zu tanzen …dem nächst werde ich erstmal nach Portugal fliegen und herum reisen (Zu fuß und mit dem Rucksack bin gespannt ob es da vielleicht auch was von den alten Hippies zubinden ist oder etwas Goa / Psytrance

    liebe grüße an alle

    Antwort
    • Heddi
      15. August 2017 um 14:13
      Permalink

      Hey Michi,
      das ist eine schön zu lesende Entwicklung, die du da hinter dir hast. Vor allem die nun anstehende Wanderung klingt so als hätte Psytrance dir insg. schon sehr gut getan. Das kenne ich von mir. Danke für den kleinen aber feinen Erfahrungsbericht 🙂

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.