Titelbild: Zero Gravity

Lebensgefühl Psytrance – eine Subkultur zur Aufwertung der Gesellschaft

by Tobias Najmann (München) 

Psytrance, Goatrance, Hippietrance – im engsten Sinne beschreiben all diese Begriffe lediglich eine bestimmte Musikrichtung und ein Subgenre der heutzutage klassischen Trance Musik.

Doch die meisten von uns wissen und vor allem fühlen, dass Psytrance mehr ist als die bloße Beschreibung eines musikalischen Genres. Wir verbinden diesen Begriff mit den vielfältigsten und großartigsten Erfahrungen – mit Verbundenheit und Freundschaft, mit Freude und Liebe. Wir verbinden ihn mit gewissen Werten und vielleicht sogar mit einer bestimmten Art der Weltanschauung und einem besonderen Lebensgefühl. Aber welche Werte, welches Lebensgefühl und vor allem welche eigenen Ansichten stecken dahinter? Kurz gefragt: was macht Psytrance für jeden Einzelnen und für eine Gruppe aus? Und wer kann das überhaupt beantworten, wenn nicht jeder für sich selbst?

Natürlich kann niemand diese Frage für den anderen beantworten. Deshalb möchte ich mit diesem Artikel vor allem eine Diskussion in diese Richtung eröffnen. Freundlicherweise hat sich Goazin.de dafür als Plattform angeboten.

Psytrance – die Sehnsucht nach Mehr

Fotolia | Urheber: pbogdanov
Fotolia | Urheber: pbogdanov

Ob vor 50 Jahren in Goa, oder heute in einem Club in München – meiner Meinung und Erfahrung nach war Goatrance schon immer der Ausdruck einer mehr oder weniger bewussten inneren Suche nach „mehr“ (…Sinn, Verbundenheit, Freude, Liebe) gewesen. Ausgelöst meistens durch persönliche Schlüssel-Momente, oder negative Erfahrungen, vor allem im zwischenmenschlichen Bereich.

Viele der heutigen und der damaligen Trance-Szene, folgten einer inneren Gewissheit, dass es „mehr“ geben muss als das, was uns täglich durch Gesellschaft, Medien und Politik als das „normale“ Leben vorgespielt wird. Und recht schnell fanden sie dieses „mehr“ auf ihren ersten Partys und Festivals 🙂

Auch meine eigene Reise in die psychedelische Kultur begann mit dieser Sehnsucht nach „mehr“. Schon früh hat mich mein angeborener Hang zur Mystik und die Suche nach dem „Transpersonalen“ zu meinen ersten Trance-Erfahrungen geführt.

Heute, in 2017, befinde ich mich bereits mein zehntes Jahr auf dieser Reise. Rückblickend kann ich ohne Zweifel behaupten, dass Psytrance und alle damit verbundenen Erfahrungen einen großen und positiven Teil zu dem beigetragen haben, was ich heute bin. Es gibt wenig Subkulturen, die auch das alltägliche Leben so stark positiv beeinflussen (können), wenn wir es denn zulassen.

Eine globale Gruppenerfahrung

Neben mir, folgten diesem Ruf in den letzten 20 bis 30 Jahren zehntausende von Menschen. Diese tanzen heute beinahe täglich irgendwo auf dieser Welt, zu den treibenden Rhythmen des psychedelic-Trance.

Stellt euch das vor: die Bassline scheint niemals zu enden! Ist die Party, auf der wir am Ende der Welt die ganze Nacht getanzt haben zu Ende, fängt auf der anderen Seite der Welt schon die Nächste an.

Ich finde es schön zu wissen, dass die positive Energie, die ich schon auf unzähligen Partys erfahren durfte, also jederzeit irgendwo auf dieser Welt präsent ist.

Und es gibt mir gutes Gefühl zu wissen, dass es da draußen Menschen gibt die in diesen besonderen Nächten ähnliche Erfahrungen machen wie ich, ähnliche Gedanken denken und ähnliche Gefühle der Verbundenheit fühlen.

Am Wendepunkt angekommen?

Kaum ein europäisches Event machte den Ausverkauf der indischen Kultur in letzter Zeit so deutlich, wie das Holi Festival in der EU-Party-Version. Fotolia #88592004 | Urheber: andessa
Kaum ein europäisches Event machte den Ausverkauf der indischen Kultur in letzter Zeit so deutlich, wie das Holi Festival in der EU-Party-Version. Fotolia #88592004 | Urheber: andessa

Natürlich lässt sich nicht leugnen, dass auch die Trance-Szene heute immer mehr kommerzialisiert wird. Psytrance findet langsam aber stetig seinen Weg in den „Mainstream“.

Was früher kleine familiäre „Gatherings“ an exotischen Stränden, oder in mystischen Wäldern waren, sind heute Festivals mit tausenden Menschen und wöchentlich stattfindende Indoor-Partys in den Clubs dieser Welt.

Dies betrachte ich zum einem natürlich kritisch, denn die Szene läuft durch die Kommerzialisierung und den stetigen Wachstum Gefahr, ihre ursprünglichen Werte wie Bewusstseinserweiterung, Verbundenheit, Inspiration, Nachhaltigkeit und ein friedliches Miteinander zu verlieren.

Oder einzutauschen, gegen immer größere Effekt- und Dekolandschaften und immer teurere Line-Ups, zu Gunsten sinnloser Realitätsflucht, extremer Individualisierung, Abstumpfung und Konsumsucht. Letztendlich ist es wie immer, mit der Kommerzialisierung: Menschen erkennen, dass viele Leute gefallen an einer gemeinsamen Sache finden und verbinden damit wiederum die Aussicht auf Umsatz. Sie fokussieren einen Trend, um an diesem zu verdienen und probieren einen Status Quo zu halten. Interessant ist nur, dass es in diesem Falle ein Trend zur Bewusstseinserweiterung und zum friedlichen Miteinander ist, der fokussiert wird.

Deshalb sehe ich in der fortschreitenden Kommerzialisierung auch den globalen Ausdruck einer Suche nach dem „Mehr“ und bin sicher, dass gerade in dieser Entwicklung auch ein großes Potential liegt.

Psytrance ist an einem Punkt angekommen, an an dem die Entwicklung in zwei Richtungen verlaufen kann: entweder zu weiterem, ziellosem Wachstum mit fortschreitendem Werteverlust, oder zu einem Bündeln des riesigen Potentials der Szene, und somit vielleicht zu einer echten kleinen (psychedelischen) Revolution.

Individuelle und kollektive Identitäts- und Sinnfindung

Wir leben in einer Zeit in der die Menschheit vor globalen Krisen (ökonomischer, ökologischer und sozialer Art) steht. Der stetige Verfall von Werten und das heute allgemein gegenwärtige Lebensgefühl der „Angst“, machen eine individuelle Sinnfindung und ein friedliches Miteinander immer schwieriger. Im Prinzip könnte man die Entwicklungen in der Szene also als Spiegel der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung betrachten. Denn immerhin beschäftigt sich Psytrance mit den Dingen, die dem Mensch am ureigensten sind; sein Bewusstsein und seine Wahrnehmung. Und diese beeinflussen eben weit mehr, als unsere Euphorie auf Psytrance-Events.

Gewisse undogmatische und freie „Systeme“, die Menschen wieder ein Gefühl von Einheit, Frieden und Sinn geben können, sind in einer solchen Zeit meiner Meinung nach sehr wichtig.

In der psychedelischen Kultur sehe ich das Potential für ein solches „System“. Allerdings kann dieses Potential nur unter bestimmten Umständen voll ausgeschöpft werden.

Zum einen ist eine „Identitätsfindung“ der Szene wichtig.
Wer sind wir als Szene in dieser Welt? Welche Werte vertreten wir? Was können wir zur positiven Entwicklung des Einzelnen, der Gesellschaft oder des Planeten beitragen? Wie wollen wir von „außen“ wahrgenommen werden? Welche Botschaft haben wir zu vermitteln und wie tun wir das?

Gibt es überhaupt so ein gemeinsames Paradigma innerhalb der Szene?

Diese Fragen muss sich primär natürlich jeder einzelne von uns stellen, denn die psychedelische Kultur ist am Ende das Ergebnis seiner Einzelteile. Und diese Einzelteile sind, na klar – Du und Ich.

Ich glaube, die Szene darf sogar den Schritt wagen, sich als echte (Sub-) Kultur zu definieren. Eine Kultur definiert sich u.a. über das Selbstverständnis des Einzelnen in der Welt, einen momentanen Zeitgeist, gewissen philosophischen- und anthropologischen Anschauungen, speziellen Ausprägungen in Kunst und Musik etc. In allen diesen Bereichen hat die psychedelische Kultur, ohne Zweifel, etwas ganz Eigenes zu bieten.

Dabei finde ich es wichtig, die psychedelische Kultur nicht als eine „Gegenkultur“ zu sehen die nur auf Protest, Realitätsflucht und theoretischem Idealismus aufgebaut ist.

Für viel sinnvoller halte ich eine Subkultur, die nach wie vor ein Teil unserer Gesellschaft ist, aber diese mit praktisch gelebtem Idealismus, echten Werten, Mitgefühl und Aufklärung „von innen her aufwertet“.

Ein kunterbunter Haufen

Mädchen Goa Festival Farbe im Gesicht
pixabay / GLady

Die Trance-Szene ist so bunt und vielfältig wie ihre Kunst. Sie vereint Menschen verschiedenster Kulturen, Religionen, Weltanschauungen, Bedürfnissen und Intentionen. Natürlich sieht nicht jeder das Gleiche in Psytrance wie ich. Viele wollen schlicht und einfach tanzen, feiern, Party machen und Drogen nehmen.

Auch das ist Teil der Szene und gut so! Ich glaube jeder nimmt nach einer Party einen Teil der Psytrance Erfahrung mit in seinen Alltag. Diese Erfahrungen und Erkenntnisse ermöglichen oftmals eine neues und umfassenderes Verständnis für die Beweggründe und Bedürfnisse anderer Menschen. Doch diese Erfahrungen nachhaltig in den eigenen Alltag und vor allem das eigene Selbstbild zu integrieren, das ist die Herausforderung.

Und obwohl die psychedelische Kultur aus so vielen verschiedenen Menschen besteht, habe ich doch Gefühl, dass es unter all‘ den Freaks, Wochenendkommunisten, Psychonauten, Bademeistern, Hippies, Psytrancetouristen, Esos und Partypeoples der Szene, einen gemeinsamen Nenner gibt.

Was dieser gemeinsame Nenner genau ist, konnte auch ich mir noch nicht genau definieren. Doch habe ich das Gefühl, dass sich dieser am ehesten in einem besonderen Lebensgefühl, einer bestimmten Vision davon, wie die Welt sein könnte, gemeinsamen Werten und einer Neigung zum „Guten“ zu finden ist.

Was jetzt? Wohin soll die Reise gehen?

Ich bin überzeugt davon, dass Psytrance die Zukunft gehört und schon bald die Weltherrschaft an sich reißen wird! Spaß, mir geht es nicht darum, die Welt durch Trance zu verändern. Primär geht es immer darum, sich selbst zu verändern, was auch schon Ghandi sagte.

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du dir wünschst, für diese Welt!“ – Mahatma Gandhi

Mit diesem Artikel möchte ich lediglich auf das enorme Potential hinweisen, dass ich persönlich in der psychedelischen Kultur wahrnehme.Diese besteht aus zehntausenden von wunderbaren Menschen auf der ganzen Welt. Jeder dieser Menschen birgt besondere Fähigkeiten und Talente.

Da gibt es (Lebens-) Künstler, Musiker, politisch Aktive, Yogalehrer, Webdesigner, Manager, Umweltexperten, Spediteure, Kaufleute, Redner, Gurus…stellt euch vor die Energie all dieser Menschen und ihrer Talente würde gebündelt und in eine gemeinsame Sache fließen.

Etwas Großes könnte hieraus entstehen, mit einem wirklichen, positiven Einfluss auf die Entwicklung von Mensch und Umwelt.

Ich möchte außerdem einen Reflektionsprozess in euch Lesern starten. Vor allem aber möchte ich eine Diskussion starten.

Denkt einen Moment über folgende Fragen nach und sagt uns ehrlich eure Meinung:

  • Wie hat Psytrance dich als Mensch oder einen Lebensweg beeinflusst?
  • Was denkt ihr, hat die „Psytrance-Szene“ überhaupt das Potential zu einer echten Subkultur?
  • Was ist die Szene für euch?
  • Was hat die Szene eurer Meinung nach zu bieten und wie könnten wir die Gesellschaft „von innen her aufwerten“?
  • Wie kann die Szene ihren Teil zur „Verbesserung“ der Welt leisten? 
  • Hättest DU SELBST Interesse daran, Teil einer solchen „psychedelischen Revolution“ zu sein? Was hättest du selbst zu bieten?

Vielen Dank fürs lesen, ich bin gespannt auf euer Feedback!

Diskutiert gerne hier unter dem Beitrag, im Kommentarbereich, oder auf FB.

Trust in Trance & bis zum nächsten Artikel

Euer Tobias

12 Gedanken zu „Gastartikel: Psytrance als Lebensgefühl – by Tobias Najmann

  • 13. März 2017 um 17:35
    Permalink

    Ich denke das der Mensch immer mehr seine eigenen Wünsche aus den Augen verliert und nur noch für den Wachstum der Wirtschaft arbeitet.
    Und ich finde es schön wenn du auf eine Party gehst und einfach jeder dein Freund ist

    Antwort
  • 13. März 2017 um 18:32
    Permalink

    Ich weiß nicht wirklich, wie ich auf diese verrückte Idee gekommen bin, auf eine Goaparty zu gehen, obwohl ich nicht mal Musik ohne Text gemocht hab. Aber ich bin trotzdem gegangen, wegen Freunden, weil ich schon damals irgendwie das Gefühl hatte, zu ihnen so verbunden zu sein. Damals wusst ich allerdings noch nicht warum.
    Nach vier Stunden Zugfahrt standen wir in der Schlange, mit den ganzen crazy Menschen und ich hatte beim besten Willen keine Ahnung, was mich drinnen erwarten würde. Naja, nach einer Stunde sind wir reingekommen und es hat mich gefangen.
    Es hat mich gefangen, in der Sekunde in der wir reingegangen sind. Es war wie ein magischer Moment, den ich für immer in meinem Gedächtnis behalten möchte. Wir sind rumgelaufen, haben uns die Deko angeschaut, die Musik genossen, wir waren so ziemlich die ersten drinnen und es war sehr sehr ruhig. Sobald die Musik angefangen hat, hab ich angefangen zu tanzen, wie automatisch. Ich hab einfach aufgehört zu denken und war so in der Musik, dass ich aufgehört hab mir Sorgen zu machen, dass ich meinen Kopf ausgeschaltet habe. Und ich hab es geliebt.
    Diese Nacht hat definitiv mein Leben für immer verändert. Von dem partygirl zurück zu dem was ich als Kind war. Von Makeup zu Natur. Vom Saufen zur Spiritualität. Von weggehn um gut auszusehen zum weggehen um Spaß zu haben und die ganze Nacht zu tanzen.
    Wir fingen an, auf sehr viele Goa Parties zu gehen. Und nach und nach, fühlte ich mich immer verbundener zu dieser Art von Musik. Und nach und nach schaffte ich es nicht mehr auf normalen Parties Spaß zu haben. Mir fehlten die Leute, das Tanzen, der Spaß. Ich fing an das Trinken zu hassen.
    Es ist etwas magisches, dass mir passiert ist und mein komplettes Leben ins Positive verändert hat. Eine Art von Veranstaltung die mir auf der ganzen Welt ein bisschen Heimat spendet, egal wie einsam ich grade bin. Während des krassesten Kulturschocks den ich je erlebt habe, meine erste Woche in Indien, war ich auf einer Goaparty in Goa – und hab mich wieder wie zuhause gefühlt. Menschen die mich nicht kennen, werden das nicht verstehen können.
    Diese Musik gab mir die besten Freunde, die ich jemals in meinem ganzen Leben hatte. Ein Zusammenhalt, den ich so bisher nie erlebt hatte und ich bin so dankbar, für das was ich jetzt habe: Freunde, die immer hinter mir stehen und mich so unglaublich stark machen, Freunde die definitiv gezeigt haben, dass wir eine Familie sind, Freunde, von denen ich mir sicher bin, dass wir uns nie vergessen werden.

    Antwort
    • 14. März 2017 um 8:50
      Permalink

      Liebe Lilli,

      vielen Dank für den Einblick in deine ganz persönliche „Goa-Geschichte“. Ich denke so wie dir ist es vielen ergangen (mich mit eingeschlossen).

      Und ich glaube, dass genau in dieser Verbindung zu den Menschen sowie der tieferen und ehrlicheren Verbindung zu den eigenen Freunden eine große Stärke unserer Szene liegt.

      Lasst uns versuchen, genau dieses Gefühl der Verbundenheit und des Mitgefühls in die Welt zu tragen, sodass jeder davon profitieren kann.

      LG aus München,
      Tobias

      Antwort
  • 13. März 2017 um 19:28
    Permalink

    Goa ist für mich einfach nur die Weiterentwicklung des Hippietums. Wenn man auf den richtigen Festivals oder Partys rumhüpft sieht man oft Leute über 50, über 60 die munter mit tanzen und ihre Erfahrungen gerne teilen. Jeder hilft jedem und alle zelebrieren Frieden. Aber leider nur nochauf bestimmten Partys und Festivals, da durch den Hype der letzten Jahre viele Menschen dazu gekommen sind die den Spirit nicht verstehen und sich leider auch nicht damit auseinandersetzen wollen.. ich geb mein bestes dieses Feeling auf jeder Party weiterzugeben, vielleicht finden wir alle wieder zu den Wurzeln 🙂 Peace!

    Antwort
  • 13. März 2017 um 21:58
    Permalink

    Ich glaube ich bin in der Szene haengengeblieben (haha) weil ich genau wie beschrieben irgendwie mehr wollte. Ich wollte mehr und habe gelernt mit weniger zu leben.

    Die Nettigkeit auf den Parties mag zwar wirken wie zu viel MDMA aber ich denke mal die meisten finden das einfach nicht in der restlichen Gesellschaft und geniessen nicht nur das Verhalten der anderen, sondern auch den eigenen sympathischen Charakter.
    Viele kennen sicherlich die „Goa-Therapie“, man geht auf die Parties, man unterhaelt sich mit Leuten und hat manchmal tiefe Gespraeche und beste Freundschaften fuer einige Stunden. Psytrance kann Leuten also helfen aber ich denke man muss das auch in den Rest des eigenen Lebens integrieren aber mit ner gesunden Portion Realismus, nicht nur verstahltem spirituellem Gelaber. Es gibt eine Verbindung von uns allen kaputten Menschen (damit meine ich jeden einzelnen auf dieser Welt) die man auf den Parties schoen erkennen kann. Ich waere gern bei einer „Revolution“ dabei die der Menschheit zeigt, dass wir alle gleich geboren werden, wir koennen alle gute Menschen sein und wir muessen dafuer nicht gleich unserem Nachbarn die Miete zahlen.

    Schoener Artikel, schoene Gedanken, schoene Menschen 🙂

    Psytrance hat mein Leben veraendert und dabei war ich schon ewig nicht mehr druff.. 😛

    Antwort
    • 14. März 2017 um 8:53
      Permalink

      Hi Alice!

      Ich finde es auch sehr wichtig, die Szene nicht nur mit Drogenkonsum und „druffem Gerede“ gleich zu setzen.

      Und ich gebe dir auch recht, dass es wichtig ist die besonderen Erfahrungen wirklich in den Alltag und das eigene Bewusstsein & Denken zu integrieren.

      Denn wenn von solchen Erfahrungen am Ende nichts übrigbleibt als eine „geile“ Erinnerung, waren diese nicht wirklich von Wert. Ich würde sie dann auch nicht als „psychedelisch“ beschreiben, da das Wort voraussetzt, dass man der eigenen Seele bzw. der Allseele wieder näher gekommen ist.

      VLG aus MÜnchen,
      Tobias

      Antwort
  • 13. März 2017 um 22:31
    Permalink

    Danke, ein wunderschöner Text! Es ist als würdest du meine Gedanken niederschreiben. Ich träume von einer Welt, in der man miteinander statt gegeneinander ist. Eine Welt in der alt und jung, dick und dünn, schwarz und weiss, gross und klein, „normal“ begabt (wobei ich ungern das Wort „normal“ nutze, da ich finde, dass normal nicht wirklich existiert) und beeinträchtigt Hand in Hand miteinander Leben können. Unsere Welt ist auf Gegensätzen aufgebaut, ohne Balance gäbe es kein Leben auf unserem Planeten. Wir haben Erde und Himmel, Sonne und Mond, hell und dunkel, kalt und warm, oben und unten und so weiter. Die Liste könnte man endlos weiter führen. Ich finde es unglaublich schön wie vielfältig unsere Welt ist und es ist das grösste Wunder überhaupt, dass das überhaupt existiert und wir das erleben dürfen. Und genau das ist es, was in dieser Szene lebt. Auch ich habe Respekt vor der Kommerzialisierung, da eben diese Gedanken verloren gehen könnten, aber trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass es zu einer Art Revolution führen könnte. Wer hätte beispielsweise im 14. Jahrhundert gedacht, dass heute Frauen gleichgestellt werden wie Männer?

    Antwort
  • 13. März 2017 um 23:14
    Permalink

    Daran merkt man doch, dass es um mehr geht, das liebevolle miteinander……wenn man auf kommerzielle Partys geht, dann geht es nur darum sich möglichst schnell zu betrinken u jemanden abzuschleppen. Auf den Psytrance-Partys zählt das zwischenmenschliche, das miteinander….alles ist mit Liebe zum Detail dekoriert, es gibt Organic Food, kleine Chill Ecken wo man sich flauschig zurück ziehen kann….denke in dieser Form gibt es das auf keinen anderen Partys…..es wird dafür gesorgt alles nachhaltig zu gestalten und es gab sogar schon Veranstalter die den Erlös von der Party gespendet haben…..Denke solche Aktionen tragen erheblich zu Verbesserung unser Gesellschaft bei…..
    Leider hat die Scene auch einen schlechten Ruf, nämlich das dort ohne Ende Drogen konsumiert werden (was auch nicht so ganz falsch ist) aber man sollte doch immer erst genau hin schauen und dann urteilen…..

    Für mich ist diese neue Subkultur ein Treffpunkt für verschiedene Weltenbummler, Fraggels und Künstlern die Liebe zu Musik und eigenen Freiheit teilen…..jeder darf so sein wie er ist und das ist das schöne <3

    Namaste

    Antwort
  • 14. März 2017 um 0:30
    Permalink

    Seit 20 Jahren tanze ich, mal mehr mal weniger, zu Trance/Psytrance. Dieses schöne Gefühl von Freiheit wenn man auf die Tanzfläche kommt bezaubert mich immer wieder. Vielleicht habe ich es deswegen geschafft richtige Freiheit zu finden, seit 3 Jahren bin ich mit meinem Freund auf Weltreise. Auch unterwegs finden wir tolle Partys und Festivals wo wir schöne Tage verbringen.
    Es ist immer schön zu sehen das viele der Menschen die man da trifft anders Leben. Sie arbeiten wenig, haben einen Garten und reisen. Es ist wohl schon eine Subkultur aber es ist wie du schreibst, auch hier wird Geld gemacht, die Festivals sind teuer. Ein Festival in den USA bietet 3 Tage vorher einen Permakultur Kurs an was ich super finde doch der Kurs kostet 300$.
    Ich weiss nicht wie eine  „psychedelischen Revolution“  aussehen würde ich kann nur beschreiben wie wir unsere Zukunft sehen: Unser Essen selber anbauen, Energie selber herstellen (Biogas), einfaches Häuschen aus natürlichen Materialien wie z.B. ein Earthbag Haus, möglichst ohne Geld leben und zurück zum teilen und schenken. Wann und wo das sein wird wissen wir noch nicht.

    Antwort
  • 14. März 2017 um 20:52
    Permalink

    Hi Tobias,

    danke für deinen Artikel. Ich fand das echt schön zu lesen…
    Weil es so viel mit meinem Inneren räsoniert.
    Nächte lang Tanzen und feiern, heißt für mich auf Goa Parties nicht,
    sich zu zu saufen und richtig einen Drauf zu machen.
    Sondern es geht, ums Spaß haben, um sich frei fühlen, um Verbundenheit,
    um loslassen, ums bunt sein, um den Moment und um das Leben lieben.
    Und ganz viel zu Tanzen.

    Das Leben feiern 🙂

    Mein erstes Goa Open Air war vor fast 2 Jahren. Es war auf einer Lichtung in einem kleinen Wald mit See.
    Obwohl es noch etwas kühl war, haben wir barfuß getanzt und den sandigen Boden zwischen den Zehen gespürt. Was für ein Gefühl.
    Es gab Hängematten und alle waren irgendwie lieb und ein bisschen verrückt.
    Auf dem Open Air hat Goa Gil gespielt… Damals hatte ich keine Ahnung wer das eigentlich ist.
    Seit dem bin ich regelmäßig auf Goa Parties. Ich weiß noch ein mal, war ich alleine auf einer Party und da war dieser Junge mit den schönen Locken. Wir haben uns auf dem Dancefloor gesehen und einfach umarmt. So lange und intensiv. Das war einfach wunderbar. Und das liebe ich an Goa Parties. Ich kann mich einfach zu jedem setzten und anfangen zu reden, jemanden fragen, ob er kuscheln oder massiert werden will.
    Dieses Jahr an Silvester auf der Odyssee war ich einfach nur so geflasht von der Deko. Es war einfach wie so ein kleines Wunderland.

    Ich glaube, das ist ein Punkt, den die Gesellschaft definitiv mit nehmen könnte, ein friedliches Zusammenleben und sich gegenseitig wertschätzen und akzeptieren.
    Außerdem finde ich es schön und wichtig, dass bei vielen Goa Parties auch auf die Umwelt, das Ambiente und die Sicherheit der Menschen (Substanzen etc.) geachtet wird.

    Goa Parties haben mein Leben sehr zum positiven verändert. Es ist ein vorurteilsfreier Raum, wo jeder Mensch so sein darf, wie er ist 🙂

    Mit Liebe und hoffentlich bis bald auf einem gemeinsamen Floor
    Cosima

    Antwort
  • 15. März 2017 um 14:42
    Permalink

    Hm, viele Dinge, die du geschrieben hast (Suche nach mehr Zwischenmenschlichkeit, Verbundenheit, Weltoffenheit) lassen sich auch auf viele andere Subkulturen, insbesonderer der elektronischer Tanzmusik, anwenden.
    Free your mind, body and soul wurde schließlich nicht von PsyTrance erfunden, nicht einmal von elektronischer Musik im generellen. Daher würde ich dir in vielen Punkten widersprechen, wenn du das als alleiniges Kriterium siehst. Wer schonmal auf illegalen TechnoRaves war, weiß, dass es da genauso um das Miteinander-, Kultur-, Kunst- und Naturerleben geht. Prinzipiell ist der Bereich Techno nur schon kommerziell wesentlich ausgeschlachteter als PsyTrance, so dass es auch da natürlich schon längst reine Komsumbewegungen gibt. Wenn man von der Subkultur Techno/House/oder was weiß ich spricht, dann findet man auch dort durchaus diese Werte, wie in fast allen Subkulturen der elektronischen Szene (ich bin mir sicher auch anderer musikalischer Szenen, nur kenn ich mich mit denen kaum aus).

    Was PsyTrance/Goa wirklich von anderen Subkulturen der elektronischen Musik unterscheidet ist der Hang zur Spiritualität. Und damit mein ich wirklich Spiritualität im Sinne von Geistlichkeit. Goa scheint eine Art Religion zu sein (ohne aber irgendwelchen Dogmatismus, dafür mit vielen religiösen Figuren wie Shamanen, Gurus etc), viele fühlen sich verbunden mit etwas „Höherem“ sei es einem Gott, Tier, Baum, Stein, Geist oder einfach der „Natur“ selbst. Deshalb ist Goa auch gerade in Gebieten mit „viel“ Religion weit verbreitet (so zumindest meine Beobachtung – deswegen ist Goa z.B. im eher pragmatisch-atheistischem Berlin noch nicht so angekommen).

    Und was noch der Unterscheid ist: Andersartigkeit wird eher zelebriert. Das ist nicht wertend gemeint und ich finde sowas auch schön, aber Goanauten versuchen bunt zu sein, möglichst anders ebe. Sei es in Frisur (Dreads z.B.), Kleidung oder auch Lebensstil. Indivdualismus ohne andere zu unterdrücken wird in PsyTrance höher gehalten als in manch anderen Subkulturen, wobei das teilweise schwierig ist, weil ja z.B. die Berghaingänger in ihren unterschiedlich schwarzen Outfits ja auch durchaus Individualismus feiern. Nur eben nicht ganz so bunt 😀

    Ich bin oft und gern teil der Psytrance-Subkultur, finde es aber etwas anmaßend bei deiner Beschreibung von einem PsyTrance-Lebensgefühl zu sprechen. Sorry ist nicht böse gemeint, aber dass was du beschreibst, ist das Gefühl der eigenen, individuellen Freiheit (frei von gesellschaftlichen Zwängen etc) und dies ist kein exklusives Gefühl der PsyTrance Szene :). Wo du Recht hast ist, dass viele Leute nach „Mehr“ suchen, das ist eben dieser Wunsch nach übernatürlichen, spirituellem :). Das ist auch der Grund warum ich mich persönlich nie 100% mit PsyTrance identifizieren konnte, da bin ich zu atheistisch veranlagt ^^.

    Wie wir (egal ob Techno, House, Goa, Hardtek, Gabber oder SlowHouse etc.) dieses Gefühl nach außen tragen können? Naja, wie du schon ganz Recht meintest: indem man es einfach macht. Die Erfahrung hab ich selber nach der Fusion gemacht (kein alleiniges Goa-Festival^^) und konnte sie selbst auch an anderen Neu-Fusionisten beobachten, dass man ein Stück Offenheit und Akzeptanz für andere mit nach Hause in den Alltag nimmt. Dabei ist es wichtig nicht nur die Personengruppen zu akzeptieren, die eh schon Platz in unserem Herzen sind (vielen aus Subkulturen brauch ich sicherlich nicht erklären „Ausländer“ etc lieb zu haben), sondern sich auch gegenüber anderen gerade uns fremden Kulturen (wie z.B. Schrebergärtenkulturen, Skat-Kulturen, BWL Studenten – ich hoffe ihr wisst worauf ich hinausw will) offen zu zeigen. Nicht, dass man zwingend alles gut heißt was die machen, aber das man auch diese Lebensweisen akzeptiert. Halt einfach in Frieden leben, auch wenn der andere nicht so lebt, wie ich es tue.

    Antwort
  • 18. März 2017 um 23:07
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    Danke Markus, du hast mir einen Teil des Textes abgenommen.
    Dazu noch: Kommerz ermöglicht Menschen von Musik und Kunst zu leben… Ich bin froh das einige-viele Artisten überlebt haben, und wir nicht alle im Knast sitzen, und/oder Bussen abarbeiten müssen. Nicht nur die besten Charakteren fühlen sich hingezogen, war füher so und heute auch… In Trance we trust-hört mehr Industrial… Virtual embrace

    Antwort

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