Titelbild: DMT-Nexus

Neue psychedelische Pflanze in Ecuador entdeckt

Durch die Abholzung des Regenwaldes sterben pro Tag ungefähr 70 Arten. Doch gelegentlich wird doch tatsächlich nochmal eine neue entdeckt. Dieses mal eine neue psychedelische Pflanze aus Ecuador. Vielleicht möchte die Natur uns ja durch sie etwas lehren, wer weiss das schon. Eigentlich ist diese Pflanze auch nicht mehr so ganz neu. Erste Berichte gehen bereits auf das Jahr 1983 zurück. Aber die Information über ihre Existenz ist erst jetzt richtig in unsere Breitengrade vorgedrungen. Denn diese Pflanze widerlegt einige der bisher gültigen Annahmen über psychoaktive Wirkstoffe. Also, worum handelt es sich bei „Dictyonema huaorani“? Zunächst einmal handelt es sich nicht um eine neue Pflanze. Entdeckt wurde sie schon viel früher. Doch nach über drei Jahrzehnten wurde ihre DNA nun das erste mal wissenschaftlich analysiert.

Es handelt sich dabei um eine Flechte, also eine Art Symbiose aus einem Pilz und einem oder mehreren Photosynthese betreibenden Organismen. Außerdem enthält sie diverse Tryptamine, darunter auch Psilocybin. Also im Endeffekt eine Kombination aus DMT und Magic Mushrooms. Zahlreiche Lebewesen, darunter hauptsächlich Pflanzen, erzeugen Tryptamine als Produkte ihres Stoffwechsels. Wenn man es ganz genau nimmt, ist Psilocybin eigentlich ein Derivat mit Tryptamin-Struktur. Aber das nun alles en Detail zu separieren hat schon Wikipedia für uns übernommen. Bisher dachte man auf jeden Fall, dass die Zauberpilze der einzige Organismus wären, der Psilocybin produziert. Tja, falsch gedacht 🙂 

Könnten in Kürze ihre Monopolstellung verlieren: Magic Mushrooms
Könnten in Kürze ihre Monopolstellung verlieren: Magic Mushrooms



Was sagen Biologen dazu?

Flechten sind für Biologen besonders interessant und zwar wegen ihrer symbiotischen Beziehung zwischen Photosynthese praktizierenden Algen und Pilzen. Der Pilz schafft das Netzwerk, das die Alge trägt, hydratisiert und schützt, welche im Gegenzug Zucker durch Photosynthese produziert und damit den Pilz füttert. Das Spannende (für Biologen): beide weisen viele pflanzenähnliche Eigenschaften auf, sind aber keine Pflanzen, sondern zusammengesetzte Organismen, was diese neue psychedelische Flechte noch viel faszinierender macht. Vermutungen über eine solche psychoaktive organische Symbiose gab es schon länger und noch sind auch nicht alle wissenschaftlichen Tests abgeschlossen, um die vielen Vermutungen der Forscher und die lebhaften Berichte des Amazonas-Stammes, über die halluzinogene Wirksamkeit, zu bestätigen. Denn diese Wirksamkeit konnten die Forscher, trotz enthaltenem Psilocybin, bisher nicht bestätigen. Jetzt stelle ich mir gerade vor wie einige meiner Leser/innen eine Schnute vor dem Bildschirm ziehen 😀

Wie wurde die Flechte überhaupt entdeckt?

Tja, jetzt wird es kompliziert. In den aktuellen Newsmeldungen wird von einer NEUEN psychedelischen Pflanze gesprochen. Begonnen hat das Ganze aber bereits 1981. Damals machten die Ethnobotaniker James A. Yost und E. Wade Davis in den dichten Regenwäldern von Ost-Ecuador eine ethnobotanische Feldstudie. Und selbst die Beiden hatten zuvor schon von der mysteriösen Flechte und ihrer halluzinogenen Wirkung gehört. Sonst hätten sie ja auch nicht danach gesucht. Allerdings sollte diese Pflanze so selten sein, dass sie nicht mit einem tatsächlichen Fund rechneten. Das erzählten sogar die Legenden eines lokal ansässigen Stammes, der Waorani (auch Huaorani genannt). Seit 80 Jahren sei diese mysteriöse Pflanze bis dato nicht mehr gefunden worden. Bis die beiden Botaniker kamen und danach suchten.

Ein Stammesmitglied der Huaorani - Bild: Wikipedia
Ein Stammesmitglied der Huaorani – Bild: Wikipedia

Psychedelische Forscher suchen seit Jahren nach immer neuen und einzigartigen Pflanzen und Pilzen, so wie auch nach seltenen Kröten, die Tryptamin für ihr Sekret produzieren, um so immer neue psychedelische Erfahrungen zu machen. 1983 veröffentlichen die beiden Botaniker ihre Erfahrungen mit dem Stamm und der Flechte in einer Zeitschrift. Und diese waren wohl doch etwas anders, als viele von euch es von Amazonas-Stämmen nun erwartet hätten. Denn die Waorani betrachten die Einnahme von Halluzinogenen, als einer von wenigen Amazonas-Stämmen, als einen aggressiven und antisozialen Akt.

Im Frühling 1981, als wir uns mit ethnobotanischen Studien im Osten Ecuadors befassten, wurde unsere Aufmerksamkeit auf den eigentümlichen Gebrauch eines Halluzinogens der Huaorani gelenkt, eine kleine isolierte Gruppe von etwa 600 Indianern. Unter den meisten Stämmen des Amazonas wird der halluzinogene Rausch als gemeinsame Reise in das Unterbewusste betrachtet und ist als solches ein zentrales soziales Event. Die Huaorani sehen den Konsum von Halluzinogenen allerdings als anti-sozialen Akt an. Deshalb nimmt der Schamane oder Ido, der einen Fluch hervorbringen möchte, die Droge nachts in der Abgeschiedenheit des Waldes oder in einem isolierten Haus, alleine oder in Begleitung seiner Frau…

Außerdem wäre die Pflanze seit vier Generationen, also seit ca. 80 Jahren, nicht mehr benutzt worden, nachdem der Schamane einen bösartigen Fluch heraufbeschwören wollte. Die Seltenheit und die Bedeutung der Flechten für den Stamm ermutigten das Botaniker-Duo dazu, ihre Suchbemühungen zu intensivieren, und fast auf wundersame Weise waren sie bald erfolgreich und sie wurden zu den ersten Westlern, die diese sehr seltene Flechte in den Händen hielten. Sie haben das einzigartige Exemplar für die zukünftige Analyse bewahrt. Und diese ist nun, drei Jahrzehnte später, gemacht worden. Ihre Ergebnisse dringen nun auch langsam nach Europa vor.

Was hat die Forschung aufgedeckt?

Bereits 2014 unterzogen Michaela Schmull und ihr Team diese seltene Flechte einer DNA-Analyse und stellten zunächst einmal fest, dass es sich tatsächlich um eine bisher unentdeckte Art handelte. Sie nannten sie Dictyonema huaorani. Außerdem konnte das Team, dank des Einsatzes einer Flüssigkeits-Chromatographie, Psilocybin, Tryptamine und 5-MeO-DMT, 5-MeOP (5-Methoxytryptamin), 5-MEO-NMT und 5-MT als Inhaltsstoffe identifizieren. Allesamt psychoaktiv.

Aber was macht diese Flechte nun so besonders? 

Der häufigste Pilzbestandteil der Flechten ist der Ascomycota (Schlauchpilz), aber ca. 1% der erforschten Flechten haben Basidiomycota (Ständerpilz) als Pilzkomponente. Bei ca. 10% der Flechten ist das Algen-Gegenstück keine Alge, sondern Cyanobakterien. Die Spezies der Dictyonema kombiniert sowohl Basidiomycota, als auch Cyanobakterien und macht sie deshalb zu einer extremen Rarität. Außerdem werden der Dyctionema huaorani psychoaktive Eigenschaften zugeschrieben und sie wird somit noch faszinierender, da bislang noch bei keiner Basidiomycota Flechte psychoaktive Inhaltsstoffe nachgewiesen werden konnten!

Es ist wichtig anzumerken, dass die Studie nicht endgültig beweiskräftig ist, sie ist eher suggestiv, da das Team ohne die Referenzstoffe die psychoaktiven Inhaltsstoffe nicht feststellen konnte. Schmull und ihre Kollegen erklärten:

Da wir keine reinen Referenzstoffe und nur eine kleine Menge an Stichproben zur Bestimmung der Stoffe verwenden konnten, war es uns mit unserer Analyse nicht möglich, das Vorkommen halluzinogener Substanzen endgültig zu bestimmen.“ Flechten benötigen Wasser, um zu gedeihen und die Probe war seit 33 Jahren ausgetrocknet.

Geo Juni 2017 Heilsamer RauschFazit: Hier möchte ich gerne zuerst die Entdecker zitieren. „Über die Gattung ist sehr wenig bekannt und sie bedarf mit Sicherheit phytochemischer Untersuchung.“ Also, wenn Du das nächste mal nach Ost-Ecuador kommen solltest und auf die Huaorani triffst, dann zögere nicht und gehe in den mysteriösen Tiefen des Amazonasgebiets auf Suche nach Dictyonema huaorani 😉 Wann auch immer das sein wird. Spaß!

Insgesamt muss man aber sagen, dass der Erforschung psychoaktiver Substanzen nach wie vor viel zu wenig Raum gelassen wird. Grund sind die strengen Gesetze, Resultat des Kampfes gegen Drogen. Doch zuletzt berichtete GEO über die zahlreiche Therapie-Möglichkeiten, die Forscher hinter LSD, MDMA, Ayahuasca, Marihuana und Psilocybin vermuten. Um also sowohl die Studien über die neue Flechte als auch über die medikamentösen Anwendungsmöglichkeiten weiterer Substanzen zu testen, ist definitiv eine Änderung der Gesetze notwendig. Und der Ruf danach wird zunehmend lauter. Es wäre auch schlimm wenn nicht. Es werden Einsatzmöglichkeiten für die Behandlung von Krebs, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörung, Sucht, Angst und vielem mehr diskutiert. Doch natürlich konnten diese bisher weder widerlegt noch bestätigt werden.

Komisch, dass sie in der gesellschaftlichen Mitte trotzdem bereits als widerlegt gelten ohne, dass es je Forschungen gegeben hat, die diese Behauptung zugelassen hätten.

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