Mediation für Gesundheit & Leben ohne Stress

Vor etwas längerer Zeit ordnete man die Meditation, bzw. ihre positiven Effekte auf unsere Gesundheit, im Mainstream noch eher in Richtung Homöopathie und esoterische Märchen ein. Allerdings fällt heute immer mehr Menschen auf, dass sie Probleme damit haben, ihre innere Ruhe zu finden. Die Resultate sind Stress, Schlaflosigkeit und die entsprechenden Folgeerkrankungen und körperliche, so wie psychischen Symptome. Und immer häufiger wird die Meditation als Lösung dieser Probleme identifiziert; auch von Menschen, die eher wenig mit Spiritualität zu tun haben. Deshalb möchten wir euch den Einstieg in ein stressfreies Leben und gesunden Schlaf mit unseren Anfänger-Tipps zur Meditation ein wenig erleichtern.

Sicher, das Thema ist nicht neu. Viele, die diesen Beitrag hier entdecken, erhoffen sich vielleicht neue und atemberaubende Erkenntnisse. Doch gerade für Fortgeschrittene ist das in diesem Artikel eher nicht der Fall. Außer, ihr interessiert euch auch für die Geschichte hinter der Meditation und für die langfristigen Folgen von Stress, die ihr mithilfe der inneren Ruhe vermeiden könnt. Aber das ist auch gar nicht der Zweck dieses Artikels. Der Zweck ist es Anfängern dabei zu helfen, ein bisschen mehr zu sich selbst zu finden. Insofern verspricht die Meditation an sich eigentlich doch atemberaubende und neue Erkenntnisse. weiterlesen...

Inhalt

Tipps für Anfänger & die erste Meditation – eine Anleitung

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Ich möchte vorweg gerne ein paar wichtige Eckpunkte für das allgemeine Training der Meditation bei Anfängern festhalten:

  • Am effektivsten ist es, täglich zu trainieren und die Phasen der Meditation langsam zu verlängern (zu Anfang 5 Minuten, nach ein paar Tagen 10 Minuten usw.)
  • Eine Zeit von 20 bis 30 Minuten Meditation täglich, sollte dein erstes großes Ziel sein
  • am besten lässt sich die Meditation am Morgen oder am Abend trainieren
  • Jeder andere Zeitpunkt ist aber auch ok, wenn er für dich passt und du dich nicht hetzen musst
  • es ist hilfreich, immer am selben Ort, am besten mit dem Gesicht nach Norden, oder Osten zu meditieren
  • eine ausschließlich für das Meditations-Training gedachte Decke, ein Meditationskissen, ein kleiner Altar mit Kerze, oder Räucherstäbchen können die Bereitschaft des Unterbewusstseins erhöhen, sich auf die neue Erfahrung einzulassen

1. Die richtige Sitzhaltung

Der Lotus-Sitz
Der Lotus-Sitz

Ich möchte nicht klingen, wie euer Knigge-Lehrer, oder eure Mutter, aber eine bequeme Sitzhaltung mit geradem Rücken ist wichtig. Die bekannteste Sitzhaltung ist der Lotus-Sitz, mit gekreuzten Beinen (Schneidersitz), der für das Meditieren besonders geeignet ist. Weil er die Energie im Dreieck fließen lasse, kann man von erfahrenen Yogis lernen. Es gibt aber auch weitere Sitzhaltungen, die du nach und nach ausprobieren kannst.

Wichtig: Rücken NICHT anlehnen, um die Energie nicht unbeabsichtigt von der Wirbelsäule abzuziehen. Die Hände werden entweder gefaltet, auf den Knien, oder auf den Oberschenkeln abgelegt. Ob die Handflächen nach Oben, oder nach Unten zeigen, ist irrelevant. Daumen und Zeigefinger sollten sich aber auf jeden Fall berühren, um den inneren Kreis zu schließen.



2. Die innere Ruhe finden

Das ist für viele Anfänger der schwierigste Teil. Das Finden der inneren Ruhe, das Leisestellen der inneren Stimme und das Stoppen des alltäglichen Kopfkinos. Schließe deine Augen und bitte deinen Geist zum Beispiel einfach darum, fünf Minuten ruhig zu sein. Vielleicht ist er ja so nett. Das klappt aber nicht bei jedem und genau hier unterscheiden sich auch die vielen Techniken. Es hilft Anfängern vor allem, sich auf innere Vorgänge im Körper zu konzentrieren, wie den Herzschlag, oder die Atmung, um die eigenen Gedankengänge zu unterbrechen. Und gib nicht auf, wenn deine Gedanken beginnen, zu wandern. Beachte sie einfach nicht (ich weiß, das klingt leichter, als es ist) und lausche zum Beispiel weiter der Luft, wie sie deine Lungen durchströmt.

Ein weiterer Anfänger-Tipp ist es, einige Atemzüge mit der tiefen Bauchatmung zu tätigen. Dabei geht der Bauch beim Einatmen rauß und beim Ausatmen hinein. Im stressigen Alltag können viele Menschen und vielleicht auch du bei sich selbst beobachten, dass es genau andersherum läuft. Beim Einatmen ziehen wir den Bauch unbewusst ein (das ist jetzt kein Scherz: unter anderem auch auf Grund des Schlankheitswahns), während er beim Ausatmen lediglich in seine Ausgangsposition zurückkehrt. Das bewusste Atmen und der Wechsel auf die tiefe Bauchatmung können helfen, die innere Mitte zu finden. Oder wie ich es sagen würde: die Konzentration auf Vorgänge wie die Atmung, lenkt euch von euren eigenen Gedankenketten ab. Wenn es immer noch nicht klappt, lege die Hände zusätzlich auf den Bauch, um die Bewegung der Luft in deinem Bauch zu spüren. Atme ungefähr gleich lang ein und aus , ca. 3 bis 4 Sekunden.

Einigen Menschen hilft es auch, das bekannte Mantra zu wiederholen, dass man in so vielen Filmen und Serien schon gehört hat – ooommmmmm. Dabei handelt es sich aber nicht, wie viele glauben, um DAS Mantra, sondern um EIN Mantra. Ein Mantra kann jeder Satz sein, den du mehrfach wiederholen magst und der dir dabei ein Gefühl der Geborgenheit und Ruhe vermittelt.

3. Die eigentliche Meditation

Wenn du die ersten beiden Schritte gemeistert hast, wirst du eine Art positive Leere im Kopf spüren und dein Körper fühlt sich angenehm warm und ruhig an. Zumindest glaube und hoffe ich das. Ich habe diesen Zusatdn ja noch nie erreicht. Jedoch ist es genau diese Beschreibung der Meditation, die mich motiviert, es regelmäßig zu versuchen. Aber zurück zur positiven Leere, Wärme und Zufriedenheut.

Du hast deine innere Ruhe also gefunden. Merkst du, dass Gedanken zurückkehren, achte wieder auf deine Atmung. Es wird dir Anfangs nicht leichtfallen, die Meditation aufrecht zu erhalten. Aber schon ein kurzer Einblick in dieses Körpergefühl, wird dich wahrscheinlich so sehr motivieren, dass du wieder dorthin zurückkehren möchtest.

„Zwinge den Geist nicht zum ruhig sein. -Swami Vishnudevananda“

Gehe die Meditation entspannt an und setze dir nicht zu hohe Ziele. Anfänger beginnen am besten mit 5 Minuten Meditation täglich und steigern sich langsam. Mit etwas Übung gelingt es Dir sogar, so lange zu meditieren, wie Du willst, ohne nach der Zeit schauen zu müssen.

Dann ist es Zeit, die Meditation zu beenden: Vertiefe deinen Atem und wiederhole ein paar Affirmationen / Mantras, genau wie am Anfang. Wiederhole zum Beispiel OM 3 Mal laut. So nimst du die Kraft, Ruhe und Energie aus der Meditation mit, in dein tägliches Leben.

Video-Anleitung zur Meditation

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Es gibt viele Gründe, ein Video einem Text vorzuziehen. Meistens ist es Bequemlichkeit. Und da das, gerade im Zusammenhang mit Meditation, nichts Verwerfliches ist, haben wir YouTube nach einem optimalen Anfänger-Video, für das erste Mal Meditieren durchforstet und auch etwas gefunden. Aber seht selbst.






Ich hoffe, dass die Kurzanleitung für die Meditation für Anfänger, so wie das ergänzende Video euch einen guten Einstieg in die bei uns bekannteste Form des Meditierens ermöglichen – die ruhende Meditation. Doch die Geschichte dieser Praktik ist ebenso vielfältig, wie ihre verschiedenen Techniken, religiösen Ausrichtungen und Stilrichtungen. Außerdem hat die Meditation das Potenzial dazu, eine der Volkskrankheiten unserer Zeit effektiv zu behandeln – den Stress. 

Wenn ihr also noch nicht direkt mit eurer ersten Suche nach der inneren Mitte beginnen wollt, informiert euch gerne noch ein wenig über die Geschichte der Meditation, so wie über ihre konkreten Auswirkungen auf Stress und die damit verbundenen biologischen Vorgänge, die negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unsere Psyche haben können.

Die Geschichte der Meditation

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Zwei junge Frauen werden in der traditionellen Meditation unterwiesen

Woher die Meditaion stammt, ist ja eigentlich kein Geheimnis. Im Osten wird sie seit Jahrtausenden für die körperliche, geistige und spirituelle Gesundheit der Menschen genutzt und geschätzt. Um Missverständnisse zu vermeiden – im fernen Osten. Schon Buddah saß in vielen Mythen meditierend unter einem Baum. Ob es nun ein Rosenapfelbaum, ein Feigenbaum, oder ein Weihnachtsbaum war, kann man heute nicht mehr sicher sagen. Warum? Der letzte lebende Augenzeuge ist vor rund 2.500 Jahren gestorben.

Ein paar Jahrtausende mussten also ins Land ziehen, bevor auch der Westen erkannt und vor allem akzeptiert hat, dass diese schwer zu kommerzialisierende Form der Selbstheilung, tatsächlich erstaunliche Wirkung zeigt. Und das, obwohl sie völlig kostenlos ist. Ein Unding, für die westliche Zivilisation. Deshalb brauchte es auch etliche Philosophen, Geistliche und Yogis, die auf etlichen Kongressen unsere Welt davon überzeugen mussten, dass auch kostenlose Dinge heilen können. Vor allem beim Stressabbau bewirkte die Meditation Wunder, was automatisch positive Effekte auf die allgemeine Gesundheit hat. Denn Stress steigert bekanntlich Blutdruck und die Ausschüttung des Stress-Hormons Cortisol, was wiederum negative Effekte auf Organe und Wohlbefinden hat. Diese entspannende und stressreduzierende Wirkung der inneren Ruhe, bestätigen mittlerweile unabhängige Forschungsinstitute, Krankenhäuser und weitere Einrichtungen. Auch wir legen in diesem Artikel den Fokus auf die Anwendung der Meditation, zur Reduktion von Stress.

Doch die Meditation war selbst im Osten nicht von Beginn an, für jeden Interessierten zugänglich. Im Gegenteil: sie war sogar einst ein strenges und stringentes, ausschließlich auf Religion ausgerichtetes Ritual der fernöstlichen Eliten, Mönchen und Nonnen. Erst nach erfolgreich absolvierten Prüfungen wurden sie in die Geheimnisse und Rituale der Meditation eingeweiht. Heute wird sie nahezu in jeder Religion gelehrt, wenn auch mit stilistischen Unterschieden und mithilfe verschiedener Techniken. Sowohl Schamanen, Yogis, Buddhisten, Christen, Juden, Sufis und gestresste westliche Geschäftsleute meditieren. Überall und weltweit.

Die Befreiung der Meditation von religiösen Dogmen

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Der spirituelle Lehrer und Philosoph Jiddu Krishnamurti befreite die Meditation von religiösen Dogmen. Quelle: wikipedia

Die Meditation, wie wir sie kennen, ist vor allem auf die Amerikanisierung der Meditation zurückzuführen. 1893, im Rahmen einer Tagung des Weltparlaments der Religionen, präsentierten Asiatische Meister der Meditation ihre Lehren der westlichen Welt. Fortgeschrittenen dürften die Zen-Mönche Soyen Shaku und Nyogen Senzaki in diesem Zusammenhang ein Begriff sein. Sie bereisten mit als Erste die USA und lehrten dort den gestressten Kapitalisten, richtig zu meditieren. In den 1920ern kam der Yogi Yogananda in die USA und wurde dort wohnhaft. Er gründete die Self-Realization Fellowship, die bis heute weltweit Anhänger hat. Es folgten noch einige weitere Philosophen, Geistliche und Mönche, bis in den 1940er Jahren der hinduistische Philosoph Krishnamurti einreiste. Er modifizierte vor allem die religiösen Aspekte der Meditation und ersetzte Dogmen durch Selbsterforschung. Nur wenige befassten sich bis dahin, mit dem wirklichen Ursprung und der ihr innewohnenden Spiritualität. Ab den 1950er Jahren gewann dann die spezielle Zen-Technik zur Meditation, zunehmend an Einfluß. Ein japanischer Zen-Mönch namens Suzuki, lehrte an der Columbia University. Zu seinen Schülern zählten auch die Psychoanalytiker Erich Fromm und Karen Horney. Der „Boom“ der Meditation als Lifestyle-Trend, begann dann in den 1960er Jahren. Und zwar weil die Beatles transzendentale Meditation ausübten. In den 1970ern kamen, basierend auf dem Boom durch die Beatles, zahlreiche anerkannte Lehrer aus Asien in den Westen, um dort den gestressten Bürgern buddhistische Philosophie und ethisches Verhalten zu lehren. Bis heute ist Jon-Kabat Zinn einer der berühmtesten Vertreter jener Wissenschaftler, die Therapie und Meditation zu einem Konzept verbanden.

Wie kann Stress uns krank machen?

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Stress wird durch "gefährliche" Gedanken im Gehirn ausgelöst
Stress wird durch „gefährliche“ Situationen bzw. Gedanken im Gehirn ausgelöst – Foto: fotolia

Bei der Stress-Reaktion des Körpers, bei der er u.a. Cortisol (das Stress-Hormon) ausschüttet wird, handelt es sich um einen normalen biologischen Vorgang, der sich, im Laufe der Evolution, zur Bewahrung des eigenen Lebens in Risiko-Situationen entwickelt hat. Das Stress-Hormon  führt im Körper zu einer Vielzahl an biologischen Vorgängen, die kurzfristig eine Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit, auf Basis von Energiemobilisierung bewirken. Das ist vor allem auf die Ausschüttung großer Mengen Adrenalin, Cortisol und weiterer Hormone zurückzuführen. Kurzfristig konnte uns das früher das Überleben sichern. Beispielsweise wird das Gehirn stärker durchblutet, was uns wach und konzentriert macht. Die Gefäße und die Bronchien erweitern sich und die Atmung wird schneller und flacher. Die Durchblutung des Herzens, sprich das gesamte Herz-Kreislauf-System, wird angeregt, ebenso die Blutgefäße des Gehirns. Die großen Skelettmuskeln weiten sich. Gleichzeitig verengen sich die Blutgefäße der Haut, der Hände und Füße und des Verdauungstraktes. Das Blut wird also in die Regionen geleitet, die einem in einer Gefahrensituation das Überleben sichern, oder zumindest die Chance darauf erhöhen.

Weiterhin verbessern sich die motorischen Reflexe und die Reaktionszeit. Zuckerreserven, die als Energielieferant für das Gehirn benötigt werden, strömen aus der Leber vermehrt in das Blut. Die Verdauungstätigkeit von Magen und Darm wird derweil gehemmt. Der erhöhte Energieverbrauch, den der Körper ja schließlich irgendwie auch wieder abbauen muss, erzeugt Wärme, die der Körper durch vermehrtes Schwitzen wieder abgibt. Auch unsere körpereigenen Schmerzmittel, die Endorphine, werden kurzfristig vermehrt ausgeschüttet, was uns stärker bzw. resistenter und unempfindlicher gegen Schmerzen macht. Kurz gesagt: Stress führt dazu, dass wir flacher Atmen, Bauchschmerzen bekommen, Geräusche im Ohr hören, zittern, schwitzen und rot anlaufen. Auf Dauer keine gute Situation für unseren Körper. Und genau das ist das Problem.

Spätfolgen eines konstant erhöhten Stresslevels

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Die körperliche Stressreaktion hat es uns früher ermöglicht, schnell die Flucht zu ergreifen, oder im Kampf zu bestehen. Bleibt dieses Stresslevel, das uns langfristig aber eher schadet konstant, weil die Auslöser anhalten, oder immer wiederkehren, hat das langfristig physische und psychische Folgen:

  • Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit und Gedächtnisfunktionen
  • Hirninfarkt
  • erhöhter Augeninnendruck (Grüner Starr)
  • Ohrgeräusche
  • Tinnitus und Hörsturz
  • Bluthochdruck
  • Arteriosklerose
  • koronare Herzerkrankungen
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • erhöhter Blutzuckerspiegel (Diabetes)
  • schwächt das Immunsystem und erhöht die Anfälligkeit gegenüber Infektionskrankheiten 
  • anfälliger für ungünstige Verläufe von z.B. Tumorerkrankungen, multipler Sklerose und rheumatischer Arthritis
  • verringerte Schmerztoleranz
  • Zyklusstörungen bei der Frau
  • Impotenz und Störungen der Samenreifung bzw. Unfruchtbarkeit
  • psychische Folgen: Depression & Burnout

Mehr Stress, trotz weniger Lebensgefahr?

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Aber wieso hält die Stress-Reaktion heutzutage bei so vielen Menschen länger an, obwohl sich die Gefahren, die unser Überleben tatsächlich bedrohen, eigentlich verringert haben? Nur die wenigsten von uns, dürften regelmäßig einem Tiger über den Weg laufen, oder vor der Entscheidung „Kampf, Flucht oder Tot“ stehen. Auch, wenn das auf Facebook oft anders aussieht. Das Problem liegt also nicht in der tatsächlichen Bedrohung unseres Wohlbefindens, sondern in der Gefühlten. Das Gehirn macht da nämlich keinen großen Unterschied.

In unserem Gehirn ein Umdenken stattgefunden. Nahrung, Feuer und eine „Höhle“, sind für viele von uns gesichert und deshalb bedrohen uns heute andere Dinge in der Existenz. Unbezahlte Rechnungen, Selbstzweifel, ausgelöst durch eine oft oberflächliche Werbewelt, das Gefühl, immer mehr erreichen und kaufen zu müssen. Nicht mithalten zu können, in unserer schnelllebigen Gesellschaft. Genau das sind die Dinge, welche heutzutage Stressreaktionen im Gehirn auslösen.

Aber anders, als die Flucht, oder der körperliche Kampf gegen einen klar identifizierbaren Feind (zum Beispiel ein anderer Mensch), lassen die heutigen Stress-Situationen sich nicht ansatzweise so schnell auflösen. Frühere Stresssituationen endeten zwangsläufig recht kurzfristig in Sieg, Flucht, oder Tod. Der Stresslevel konnte wieder sinken. Heutige Stress-Situationen führen von Unruhe, Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit, über Selbstzweifel und Antriebslosigkeit, bis sie schließlich in Hoffnungslosigkeit und Existenzängsten münden. Und das alles, ohne einen klar zu identifizierenden Feind. Dieser Stress lässt sich also nur schwer abbauen, da niemand genau weiß, was ihn verursacht. Sind es vielleicht nur wir selbst, oder unsere Gedanken? Und was kann man dagegen tun?

Wirkung verschiedener Meditationstechniken auf Stress

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Nicht die einzige Form der Meditation, aber die bei uns Bekannteste
Nicht die einzige Form der Meditation, aber die bei uns Bekannteste: die ruhende Meditation – pixabay.de, MlwtMBM

Die Meditation hilft uns dabei, unseren Blick für das Wesentliche zu schärfen und das Medienrauschen, den meckernden Chef und den Leistungsdruck auszublenden. Und genau so löst es unsere Stresssituation auf, was unserem Körper hilft, die schädlichen biologischen Vorgänge und die Ausschüttung der langfristig schädlichen Hormone zu regulieren und runterzufahren. Doch die alltäglichen Existenzängste und Selbstzweifel auszublenden ist sehr, sehr schwer. Kennt ihr das Gefühl von erdrückender Stille, wenn kein Handy klingelt, kein Auto am Fenster vorbeirast, kein Fernsehr und keine Musik läuft? Was da so alles in einem Kopf vorgehen kann…ganze Gedankenketten warten nur darauf, Stress in uns auszulösen. Das macht uns krank – im wahrsten Sinne des Wortes.

Auch heute gibt es immer noch keine allgemein und global gültige Definition von Meditation. Wahrscheinlich vor allem auf Grund der zahlreichen verschiedenen Techniken und Stile, mit denen sich Anfänger aber zu Beginn gar nicht weiter beschäftigen sollten. Nichts ist eine fatalere Ausgangssituation, für eine erfolgreiche Meditation, als die ständige Frage: mache ich gerade alles richtig? Genau davon wollen wir uns ja mithilfe dieser Anfänger-Tipps für’s Meditieren befreien.

Es ist für Meditations-Anfänger ohnehin schon schwer genug, die Stimme im Kopf auszublenden und die Gedankenketten aufzulösen. Es gibt allerdings einen markanten Unterschied, mit dessen Hilfe sich die zahlreichen Stile pauschal kategorisieren lassen – die ruhende und die aktive Meditation. Wobei ich stets die ruhende Meditation für Anfänger empfehlen würde.

Bei einigen meditativen Verfahren, wie dem Tai Chi, Qui Gong, dem Drehtanz der Sufis, einigen Varianten des Yoga, der Gehmeditation des Zen und der dynamischen Meditation nach Osho, stellen Bewegungen des Körpers einen zentralen Aspekt der Methode dar. Man versucht sich also durch einen gewissen Flow an Bewegungsabläufen vom Stress zu befreien.

Dem gegenüber steht eine Vielfalt von Methoden, welche eher dem westlich-medial geprägten Bild der Meditation entsprechen. Also all‘ jene Techniken, die den Fokus nicht auf die Bewegung legen, sondern auf das bewegungslose Verharren in einer bestimmten Position. Zusätzlich kann die Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Objekte und körperliche Vorgänge, wie den Atem, eine Körperregion, ein Mantra, ein Bild, ein bestimmtes Gefühl, eine Vorstellung, oder Ähnliches gerichtet werden. Das hilft effektiv dabei, die innere Ruhe zu finden. 

In einer Simpsons-Folge sagt Lisa zu Homer, dass man sich das Geräusch vorstellen soll welches entsteht, wenn man mit nur einer Hand klatscht. Komischerweise hat das mir persönlich sehr geholfen, die Stimmen im Kopf verstummen zu lassen.

Seit dem Ende der 70er Jahre, verbreiten sich zunehmend die sog. achtsamkeitsfördernden Methoden, die zum Spektrum der therapeutischen Arbeit mit der Meditation gezählt werden. Dazu zählen Techniken, wie die atemzentrierte Vipassana-Meditation, körperzentrierte Aufmerksamkeitsübungen, wie der Body Scan und Bewegungsübungen, wie Hatha Yoga, Qigong oder Taiji Chuan. Viele wissen gar nicht, dass Yoga auch eine Form der Meditation ist, weil unsere Vorstellung von dieser fernöstlichen Praktik immer noch sehr durch Filme geprägt ist. Doch ebenso, wie die ruhigen Techniken, zielen auch die Achtsamkeitsmethoden darauf ab, das Kopfkino zu stoppen, indem man die Aufmerksamkeit für Ereignisse, die im gegenwärtigen Moment stattfinden schult, wobei der Schwerpunkt auf der inneren Wahrnehmung liegt. Dabei wird die Kultivierung einer wachen, sensiblen, achtungs- und liebevollen Haltung zu sich selbst angestrebt. So werden körperliches Missempfindungen und Selbstabwertungen, Ängste, Befürchtungen und aggressive Impulse wahrgenommen, akzeptiert und anschließend „abgeschaltet“, die sonst zu Stress führen.

Die achtsamkeitsbasierten Methoden haben somit auch einen großen Unterschied, zu den herkömmlichen therapeutischen Ansätzen, welche unliebsame Wahrnehmungen eher ersetzen, als akzeptieren wollen. Sie lehren uns, Selbstzweifel, Ängste und andere innere Prozesse als Bestandteil der Realität zu akzeptieren. Im Kontext solcher Achtsamkeitsschulungen, wird eine grundsätzlich akzeptierende Haltung gegenüber allen Lebensaspekten angestrebt.

Stress durch’s Meditieren reduzieren

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Ein Großteil der Forschung in den letzten Jahrzehnten beschäftigte sich mit den Auswirkungen von Meditation auf Stress und konnte belegen, dass Meditation eine deutliche Abschwächung der Stressreaktion bewirkte und dass verschiedene Parameter wie Puls, Cortisol-Spiegel, Blutdruck, Adrenalin, usw. viel schneller auf ihr Ausgangniveau zurückgingen. Auch führt regelmäßige Meditation zu einer Veränderung bzw. Zunahme oder Abnahme an Nervenzellen verschiedenster Hirnareale, die z.B. zu einer höheren Konzentration, bzw. schnelleren Reaktionszeit, einer bewussteren Wahrnehmung von Körperempfindungen, differenzierteren Wahrnehmung von Situationen und besseren Kontrolle der Erregung des vegetativen Nervensystems, sowie einer höheren Empathie führen. Ein verfeinertes emotionales Gespür wirkt sich auf Denk- und Entscheidungsprozesse aus und eine Hemmung automatischer Reaktionen eröffnet die Möglichkeit, das eigene Erleben zu reflektieren und Verhaltensalternativen zu prüfen, was für einen flexiblen und angemessenen Umgang mit der Situation eine wichtige Voraussetzung darstellt.

Aber nicht nur bei Langzeit-Meditierenden konnten solche Ergebnisse erzielt werden, sondern auch schon im Verlauf achtsamkeitsbasierter Interventionen von acht Wochen, wie MBSR. Positive Ergebnisse sind sowohl bei Patient_innen, die unter einer Reihe chronischer psychischer Störungen, wie Depression, Angst und Panik litten, nachgewiesen, als auch bei chronischen Schmerzen, Fibromyalgie, Krebs und koronarer Herzerkrankung. Aber auch bei „gesunden“ Menschen ist ein reduziertes Stress- und Angsterleben, weniger grübelnde Gedankenaktivität, mehr Empathie und Selbstsorge messbar.

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