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Antagon aus Hamburg im Interview – zwischen Metal, Darkpsy & Hi-Tech

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Aktuell feiert Antagon sein Album Release "Mokasha" in Bangalore.
Aktuell feiert Antagon sein Album Release „Moksha“ in Bangalore. – Foto: Antagon Facebook

Lars aka Antagon, Psytrance Live-Act aus Hamburg (irgendwo zwischen Darkpsy & Hi-Tech), ist fast jedem hanseatischen Goanaut und jeder Goanautin ein Begriff und die Wege haben sich bestimmt auch schon Mal gekreuzt. Zumindest dann, wenn ihr gelegentlich, oder regelmäßig auf den gängigen Goa Festivals in Deutschland und Europa, so wie auf Goa Partys in Hamburg unterwegs seid. Aber auch auf fast allen anderen Kontinenten hat der Produzent, Live-Act und Stage Manager einiger Festivals bereits seine musikalischen und psychedelischen Spuren hinterlassen. Vor Kurzem war er zum Beispiel in Bangalore unterwegs, um dort den neuen Release „Moksha“ mit einer angemessenen Stampf-Ekstase zu zelebrieren. Ich kann jedem nur empfehlen, sich seinen speziellen und eigenen Sound, den Antagon in gut 20 Jahren Psytrance-Geschichte kultiviert hat, mal live anzuhören und dazu durch die Nacht zu tanzen. Im Interview und im Laufe des Artikels erfahrt ihr, wo und wann das möglich ist und wie es überhaupt möglich wurde. Vor Kurzem war er übrigens auch bei mushroom.tv zu sehen, einem neuen Projekt von Mat, dem Gründer des mushroom magazines.





Hartes Metall trifft auf harte Bässe

Eine der interessanten Tatsachen daran, dass Lars mittlerweile 4 Alben veröffentlicht hat, unzählige Tracks releast und weltweit Floors zum Beben bringt, ist für mich persönlich vor allem Lars‘ Werdegang. Musikalisch  begann der nämlich in der Death-Meatal-Szene der 1990er Jahre. So ähnlich wie bei mir. Denn auch ich kam aus Richtung des Punkrock und Hardcore, über die Fusion zum Psytrance. Wenn auch etwas später als Lars.

Bei ihm kam bereits 1996 das Interesse an Psytrance auf und mündete dann recht schnell im Auflegen der ersten Platten. Schuld an dem Ganzen ist ein Kumpel, der schon damals immer viel mit Techno und House experimentiert hat und bei ihm lag eines Tages eine damals gängigen Goa Compilation namens „Tan Trance“ herum. Sie haben mal „hereingehört“. Und das hat wohl einen sehr starken Eindruck hinterlassen. Wer kennt das nicht? Es folgten die ersten Festivalbesuche auf der VooV 1997 und dem Fusion Festival. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass diese Festivals auch heute noch tolle Orte sind, um Musik & Menschen kennenzulernen. Zu seinem musikalischen Werdegang und seiner Szene-Historie wurde Antagon im Interview ebenfalls befragt.

Der Gründung des Antagon-Projekts 2005 gingen einige Monate im Tonstudio und ein Jahr Erwerb von Grundlagen der Audioproduktionstechnik voraus, die er bei SAE Hamburg erlernte. Der Vielfalt an musikalischen Einflüssen und dem Know-How, welches er in seine Produktionen einfließen lässt, merkt man eine intensive, emotionale und einzigartige Geschichte an, welche er seit 20 Jahren in dieser Szene schreibt.

Seit 2006 spielt Antagon auf zahlreichen nationalen und internationalen Partys und Festivals, auf der ganzen Welt. Mich begeistert daran besonders, dass er es mit den unzähligen Sub-Genres nicht zu genau nimmt. Denn er hat begriffen, dass einen eine zu strenge Auslegung dieser ganzen Schubladen musikalisch eher begrenzt, und nicht entwickelt. Außerdem lässt er oft andere Stilrichtungen in seine Tracks einfließen, zum Beispiel Elemente aus dem Hardcore, Dubstep und Drum ’n Bass. Er ist ein Befürworter eines schon fast vergessenen „One Floor“ Konzepts. Also alle Psytrance Sub-Genres auf einem Floor. Klingt für mich gut, denn der Sinn dieser Szene ist auch das Zusammenkommen und Kennenlernen anderer Horizonte…und Musikstile.

Antagon & Alpha aus Hamburg gründeten zusammen "Z" und releasten mehrere Alben.
Antagon & Alpha aus Hamburg gründeten zusammen „Z“ und releasten mehrere Alben. Foto: Antagon Facebook

Seine Musik bedient sich teilweise natürlich auch am gängigen technoiden Konzept, beginnend mit wenigen Sounds im Intro, oft nur Kick und Bass. Dann „faden“ langsam groovige und atmosphärische Sounds und Vocals ein, bis es im typischen Break oder Breakdown (reduzierter Part, nur mit Kick und Bass) mündet. Auch progressive Trance Struktur ist in seinem Sound zu finden, die bis zu einem Break aufbaut und der dann beginnende Track für eine Weile komplett auf Kick und Bass reduziert ist.

Seit 2007 war sein Werdegang musikalisch und menschlich eng verknüpft mit Alpha aus Hamburg, mit dem Lars im besagten Jahr, nach einigen Studio-Sessions, das Live-ProjektZ“ startete. Das erste Album „Revo“ veröffentlichten die Beiden 2009 beim Label Shivlink Records / India. Das Zweite dann 2011 bei Sangoma Records – „Gospodin„.

Bretter, die die Trance bedeuten – Antagon als Stage-Manager

Doch nicht nur diesbezüglich ist Antagon als Globetrotter im Namen des Psytrance unterwegs. Bereits 2008 begann er damit, als Stage Manager auf großen Festivals wie dem Boom Festival und später auch auf einigen Editionen der O.Z.O.R.A. zu arbeiten. Ebenso übernahm er Arbeiten auf dem Transylvania Calling und Spirit Base Festival.

Lars hinter den Kulissen des Boom Festivals
Alpha & Antagon hinter den Kulissen des Boom Festivals – Foto: Antagon Facebook

Seit 2006 spielt Antagon auf zahlreichen nationalen und internationalen Partys und Festivals rund um den Globus. In den vergangenen Jahren bereicherte er uns um mehr als 40 Tracks, verschiedene Compilations und veröffentlichte drei Alben (Cybernetic, 2010 bei 2to6 Records, Amnesia im Jahr 2011, Belief Engine im Jahr 2014 bei Damaru Records). 2016 / 2017 folgte dann das aktuellste Album „Moksha“. 2011 kam außerdem sein professioneller und analoger Mastering-Service hinzu. Für Details kontaktiert Antagon bitte direkt.

Interview mit Antagon

Gelernte/r Beruf/e: Industriemechaniker/ Tontechniker

Erste Party: 1996 UJZ Peine

Lieblings-Festival(s): Boom Festival

Antagon im Goazin.de Interview 

Die gängigen Basics, so wie deine Interpretation von Darkpsy, Hi-Tech etc., wurden ja bereits im Interview mit dem mushroom magazine abgefragt. Deshalb legen wir einfach mal ganz anders los. Wie kam es dazu, dass du 2016 dein BWL Studium abgeschlossen hast?

„Ich hab erst mit 28, im Jahre 2008 angefangen an der Uni Hamburg meinen Bachelor zu machen. 2012 folgte dann der Master. Da ich nebenbei auch gucken musste wie ich über die Runden komme, brauchte ich etwas länger als der Durchschnittsstudent. Für mich war das Studium (BWL – Marketing & Medien) die logische Konsequenz aus Abitur auf 2. Bildungsweg, SAE Ausbildung und Interesse an wirtschaftlichen Fragestellungen.“

Im Interview mit Mat hast du einen kleinen Seitenhieb auf die oft etwas unzuverlässige Arbeitsweise und Kommunikation in der Szene losgelassen. War dein BWL Studium vielleicht auch eine Reaktion auf diese Umstände?

„Meine Entscheidung zu studieren hatte nichts mit der Teils vorherrschenden Unverbindlichkeit in unserer Szene zu tun. 2008 war Musikproduzieren noch für viele Jahre ein Hobby für mich. Ich denke, wenn man sich die Situation von Künstlern verdeutlicht, die versuchen ihren Lebensunterhalt mit der Musik zu verdienen, wird schnell klar warum Unverbindlichkeit, Gagenbetrug oder schlicht Unfähigkeit mancher Veranstalter nicht besonders witzig sind. Jeder von uns muss seine Rechnungen bezahlen und das ist insbesondere im musikalischen Underground nicht einfach. Ich habe im Laufe der Jahre wirklich schon absolut unmögliche Geschichten erlebt. Das zehrt auf Dauer an der Motivation und bringt einen immer mal wieder unverschuldet an grenzwertige Situationen im privaten Bereich.“

Du reist für deine Musik und die Psytrance Szene, aber natürlich auch für die eigene Erfahrung quer durch die Welt. Beschreibe in ein paar Sätzen, wie dich das Reisen verändert hat und wo es am schönsten war.

„Am schönsten war bisher definitiv Costa Rica. Das Land ist einfach ein Traum. Reisen in andere Länder mit unterschiedlicher Kultur verdeutlicht einem sehr gut den eigenen kulturell begrenzten Erfahrungshorizont. Mir macht es immer wieder klar, dass es nicht eine richtige Sichtweise auf die Welt gibt, sondern soziale Wertvorstellungen nur im kulturellen Kontext verstanden werden können. Reisen als Artist hat zudem den Vorteil, dass man im Gegensatz zu stumpfsinnigen Pauschaltourismus sehr viel mehr von der tatsächlichen Lebensrealität in den Ländern kennen lernt.“

Wie viel Metal steckt heute noch in deiner Musik? Egal, ob emotional oder soundtechnisch.

„Das kann ich wahrscheinlich schlechter Beurteilen als die Hörer, aber ich denke schon, dass man hören kann wo meine musikalischen Roots liegen. Meine Tracks sind in der Regel klar strukturiert und orientieren sich an herkömmlichen Songstrukturen. Meine typischen FM Sounds kann man als Gitarrenersatz betrachten. Atmosphärisch orientiere ich mich zum Teil an Black Metal Bands.“




Du kommst, so wie auch ich, ursprünglich aus einer musikalischen Umgebung, die für elektronische Musik immer eher Spott übrig hatte, was mich persönlich schon damals genervt hat. Wie lief deine Sozialisierung mit Psytrance und der dazugehörigen Szene ab? Was hat dich in dieser Zeit geprägt und bestärkt, dieser Musik seit nun immerhin bald 20 Jahren treu zu bleiben?

„Ja, in jungen Jahren war ich auch der Meinung; alles, was nicht handgemacht ist, ist scheisse. Heutzutage ist so eine Einstellung allerdings sehr realitätsfern. Wenn man sich etwas mit Studio- und Aufnahmetechnik auskennt weiß man, dass heute praktisch jede Musikrichtung mit einer Masse an technischem Aufwand produziert wird und dass man von „handgemacht“ auch in anderen Genres nicht immer sprechen kann. Mich hat Psytrance so sehr in seinen Bann gezogen, dass mich diese selbstauferlegten Beschränkungen nicht mehr interessiert haben. Heute höre ich einfach was mir gefällt, völlig egal wie es entstanden ist.“

Wie hast du Alpha kennengelernt und wie genau habt ihr festgestellt, dass ihr euch musikalisch gut ergänzt. Wie kam es zur Gründung von „Z“?

„Ich bin 2006 aus Wolfsburg nach Hamburg gezogen und hab mich irgendwann 2007 bei Alpha für seine Radioshow beworben. Trotz meines erbärmlich gemixten ersten Sets dort, haben wir uns auf Anhieb verstanden, uns kurze Zeit später im Studio getroffen und die ersten Stücke zusammen geschrieben. Aus diesen Sessions ist die Idee zu einem gemeinsamen Projekt entstanden und hat sich bis heute weiter entwickelt.“

Ich finde den Umstand, dass du nicht viel auf Selbstbeschränkung a la Darkpsy, Hi-Tech und Forest legst, an deiner Musik sehr sympathisch. Trotzdem unterscheidet sich dein Sound ja klar vom „Hamburger Sound“. Warum ist das so und was fehlt dir beim Proggy?

„Das ist einfach eine Geschmacksfrage. Mir gefallen einzelne Sachen in dem Bereich sehr gut und zu Beginn der 2000er Jahre hab ich selbst nur progressiven Sound aufgelegt. Über die Jahre hat mich der Sound aber irgendwann gelangweilt und mein Geschmack wurde wieder extremer während sich der Proggy Mainstream zum Teil in eine recht poppige Richtung entwickelt hat. Nichtsdestotrotz hab ich großen Respekt vor einigen Hamburger progressive Acts die machen ihre Sache extrem gut und der Erfolg ist in jedem Fall verdient.“

Wo konntest du, deiner Empfindung nach, beim neuen Release „Moksha“ nochmal eine Schippe oben drauf legen? Oder anders gefragt: wie sah deine musikalische Entwicklung seit deinem letzten Release aus?

„Ich versuche generell etwas wärmeren Sound zu machen und mehr mit Atmosphären und Stimmungen zu arbeiten als früher. Immer nur Vollgas wird auf Dauer langweilig und in Sachen Geschwindigkeit ist für mich die Spitze des Eisbergs schon sehr lange erreicht. Diese 200+ BPM Geschichten mag ich in der Regel nicht und ich werde mich nicht in diese Richtung entwickeln.“

Was denkst du, sind Heute die größten Unterschiede, im Vergleich zu deinen Anfangsjahren und was müssen angehende Live-Acts & DJs heute anders machen als du? Was würdest du den jungen Künstlern mit auf den Weg geben?

„Heute gibt’s das Internet. Das hat die Spielregeln schon sehr stark verändert. Es ist heute viel einfacher seine Musik unter die Leute bringen. Dafür ist es schwerer wahrgenommen zu werden, denn das Angebot ist einfach zu groß. Ich glaube heutzutage steht und fällt alles mit einer wahrnehmbaren Online Präsenz. Natürlich muss man Musik produzieren die gewisse Qualitätsmaßstäbe erfüllt, aber wenn online nicht wahrnehmbar ist hilft das erstmal nicht viel weiter.“

Hast du ein paar gute Tutorials, Bücher oder Tipps für den Einstieg ins Produzieren parat?

„Für einen schnellen Einstieg empfehle ich immer Privatunterricht bei jemandem, der in dem Style, den man selbst produzieren möchte, schon lange zuhause ist. Ich biete übrigens auch Unterricht für verschiedene DAWs an. Wenn man die Grundlagen beigebracht bekommt ist es wesentlich einfacher, sinnvoll mit z.B. YouTube Tutorials zu arbeiten. Anleitungen für Synths und DAWs versteht man leider sowieso erst, wenn man grundsätzliche Dinge verstanden hat. Eine Tontechnikausbildung wie z.B. SAE, oder andere Schulen ist aber nicht unbedingt nötig, um elektronsiche Musik zu produzieren. Dort werden einem zusätzlich sehr viele Dinge beigebracht, die mit elektronischer Muskproduktion nichts zu tun haben.“

Du legst nicht nur auf und produzierst eigene Tracks, du bist seit 2011 auch als Mastering Engineer am Start. 

„Ich habe schon recht früh damit angefangen meine eigenen Stücke zu mastern (oder besser gesagt versucht sie zu mastern), und so über die Jahre sehr viel gelernt. Nach und nach haben mich auch befreundete Artists gefragt, ob ich mal was für sie mastern kann, so dass ich irgendwann dazu übergegangen bin das professionell anzubieten. Bisher allerdings ohne dafür groß Werbung zu machen. Wer Interesse hat kann sich einfach bei mir über die gängigen Social Media Kanäle melden.“

Neben der Musik bist du auch öfter Mal als Stage Manager tätig, zum Beispiel auf der O.Z.O.R.A., oder auf dem Boom Festival. Wie kann man sich das vorstellen?

„Stage Management umfasst Artist-, Technik- und Pressebetreuung. Man ist die Schnittstelle zwischen dem Artist Management im Backoffice und allen anderen involvierten Parteien auf der Bühne. Darüber hinaus ist es einfach notwendig bei großen Veranstaltungen, dass man eine Person hat, die den Überblick über die verschiedenen Bereiche auf der Bühne hat und verantwortlich ansprechbar ist.
Auch die Security braucht jemanden vor Ort, der im Zweifel entscheiden kann welche Personen in den Backstage Bereich gelassen werden und wie mit Störern verfahren werden soll.“

Wie sieht dein Terminkalender dieses Jahr aus?

„Den kann man am besten auf meiner Artist Page nachlesen. Sind relativ viele Gigs diesen Sommer.“

Wärst du abundzu nicht eigentlich auch gerne Metal-Gitarrist geworden?

„Auch ja, aber nicht stattdessen ;).“

Wenn man so wie du quer durch die Welt reist, kostet das ja auch Geld. Heute verdienst du sicherlich was davon, aber wie hast du dir das in jungen Jahren finanziert. Denn wie ich auch Zahlen drehe und rechne, bei mir wird es oft schon eng, wenn ich eine Reise nach Brasilien o.ä. plane, obwohl ich spare. Verrate uns dein Geheimnis 😀

„Ich muss zugeben; alle internationalen Trips waren bisher durch die Musik finanziert. Ich hab überhaupt kein Geld um sowas auf eigene Rechnung zu machen. Alles steht und fällt mit den Bookings vor Ort.“

Bildnachweise

Titelbild – by Soulvision Festival

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