Grilles Dekorationen – Schwarzlichtkind aus Leidenschaft

Grille erschafft aus Lycra und Stretch-Materialien eindrucksvolle Backdrops, die im Schein des Schwarzlichts eindrucksvolle Welten und gleichzeitig seine blühende Fantasie abbilden. So verwandelt er mit seiner Deko aus allen erdenklichen Materialien seit ca. 17 Jahren regelmäßig Goa Partys in Hamburg, aber auch viele Events außerhalb der Hansestadt, in ein visuelles und psychedelisches Erlebnis. Früher setzte er seine Begeisterung für visuelle Kunst mit den Schwarzlichtkindern um, heute mit seiner Freundin Elocin. 

Von Graffiti zu Lycra

Ehrlich gesagt habe ich schon lange keine Party mehr eingetragen, bei der Grille (Link FB-Seite) nicht in irgendeiner Form an der Dekoration beteiligt gewesen wäre. OtherworldReflection und auch an der Midnight Sun 2017 hat er mitgewirkt. Um nur Einige zu nennen. Mal alleine, mal mit anderen Deko-Teams. Sein Name ist mir im Goazin sch0n so häufig begegnet, dass es Zeit wurde, ihm mal ein paar Fragen zu stellen. Im Interview findet ihr seine Antworten. Dort erzählt er interessante Storys über seinen Weg von Graffiti, über die Schwarzlichtkinder, bis hin zu Lycra und Grille Decoration. 


Grilles Vorliebe für visuelle Kunst ließ sich wohl schon im Kindesalter erahnen. Zumindest dann, wenn man ihn damals schon gekannt hätte. Allerdings äußerte diese sich weniger als Interesse an Gemälden. Stattdessen zogen Hamburgs Graffitis ihn an ihren Bann. Und das ging nicht nur ihm alleine so, was schließlich die Gründung der „Schwarzlichtkinder“ im Jahr 2000 zeigte. Angefangen hat das Team damals im Atisha. Seitdem dekoriert Grille Goa Partys in Hamburg, trotz Hauptberuf und der späteren Auflösung der Schwarzlichtkinder. Stattdessen unterstützt ihn heute seine Frau Elocin und natürlich all‘ die lieben Veranstalter, die ihn regelmäßig buchen. So zum Beispiel auch Arnox von Question of ProgAber auch in der Schweiz, z.B. beim Reisefieber und auf der Mystica war er schon für die Deko verantwortlich, gemeinsam mit Bast.Art 23, der vor allem für die LED-Elemente verantwortlich ist.

Mystica




Angefangen hat Alles mit Konstruktionen und Arrangements aus Pappmaché, die zum Beispiel auch im Outdoor Bereich auf Festivals verwendet wurden, welche später stretchigen Stoffen wie Lycra wich, mit denen Grille heute ganzheitliche UV-Backdrops erschafft.

“Oft ist das leichter gesagt als getan. Man muss große, freie Räume überwinden, um sie dann ins Gesamtkonzept integrieren zu können.” – Grille im mushroom magazine

Wie Grille vom Graffiti-Liebhaber zum gern‘ gebuchten Dekorateuer für Hamburger Psytrance Events & Outdoor Partys wurde, verrät er Euch im Interview.

Interview mit Grille Decorations

Moin Grille, am Anfang gibt’s immer ein paar kurze Fragen zum aufwärmen.

Welche Festivals stehen bei euch (Grille & Elocin) dieses Jahr an?

„Dieses Jahr ehrlich gesagt nur zwei. Goa Gil und Freqs of Nature. Ansonsten einfach mal schauen, was sich noch anbietet.“

Aktuelles Lieblings-Set / Lieblings-Track?

„Bei einigen alten Tracks bekomme ich heute noch Gänsehaut, z.B. Rinkadink – TechmologyCosma – The Time Has Come & Man With No Name – Teleport (Video).“

„Ich stehe auch sehr auf Ambient, also die gemütlichen psychedelischen Klänge. Tipper ist da aktuell ein Favorit. Natürlich aber auch die schnellen Sachen, Dark, Hi-Tech etc.. Aktuell höre ich zum Beispiel Tipper – DreamstersDark Whisper – Realms of Unseen und Oxidaksi – Poison Turtle (Video).“

Was für Musik hörst du, wenn kein Psytrance läuft?,

„Von Bis, ehrlich gesagt. Von Hip Hop, Punk, Techno, Reaggae bis Nu-Jazz…Hauptsache Beats!“

Auf welcher Party sehen wir deine Deko als nächstes?

Darkpsy, Hi-Tech, Full-On, Progressive – ich persönlich halte nicht viel von diesen Unterscheidungen, aber ganz stumpf gefragt; was hörst du am liebsten?

„Ich höre am liebsten Psy, kann auch gerne schneller sein. Wenn ich privat eine Party besuche, dann trifft man mich eher auf´ner Forest, Dark oder Hi-Tech Party…“


GrilleAntworten von Grille

Deine Begeisterung für visuelle Kunst begann ja mit Graffiti. Wie bist du das erste Mal darauf aufmerksam geworden und hast du da sowas wie einen Favoriten unter den Graffiti-Artists gehabt?

„Schon als Kind zogen mich die bunten Bilder bzw. Graffitis an den Hauswänden magisch an. Am Anfang war ich ein kleiner Schmierfink, aber ich habe mich zum Glück schnell weiterentwickelt.

Meine Heroes waren damals, Can 2 (CANTWO), Daim, Mode2 und viele mehr. Ich denke schon das, dass ein großer Anreiz, sowie der Einstieg in meinem künstlerischen Lebensweg war.“

Was hat deine Familie damals zu deiner Vorliebe gesagt? Ich habe mich als Kind nämlich auch sehr für Graffiti begeistern können, aber meine Eltern haben immer gesagt, dass Graffitis illegal sind, was mein Interesse aber noch gesteigert hat. Hat deine Familie deine Vorlieben, Interessen und auch deine ersten Schritte in Richtung Kunst unterstützt, oder eher nicht?

„Meine Mom fand das damals auch nicht lustig, was ich da gemacht habe. Sie hatte kein Verständnis dafür, sie sah in den Sachen kein Kunst, sondern eher Schmierereien und sogar Sachbeschädigung. Aber dafür hatte ich KEIN Verständnis. Dass ich bei Graffitis noch selbst Hand anlege, ist schon sehr lange vorbei. Das künstlerische Auge ist aber nie verloren gegangen. Hoffe ich zumindest“ 😉

Du hast also auch mal selbst dein Tag hinterlassen?

„Vielleicht…“ 😉

Und was sieht dein künstlerisches Auge heute?

„Die Verarbeitung von Stoffen, die atmosphärische und ausfüllende Gestaltung eines Raumes. Jede neue Location ist eine Herausforderung die, die Arbeit interessanter macht. Es ist was ganz anderes, den Hühnerposten so zu verwandeln, dass die große Leere eines so großen Veranstaltungsraum überbrückt wird, als wenn man jetzt den Juice Club o.ä. dekoriert.“

Wie kam es dann von Graffiti zur Gründung der Schwarzlichtkinder? Wer war dabei, wer hatte die Idee?

„Die Idee „unsere eigene Welt zu kreieren“ kam auf einer Party, von einem Freund. Crusen. Er war dann der Häuptling unserer Crew. Diese Idee wurde dann auch schnell ungesetzt. Die kreativen Köpfe setzten sich aus fünf Freunden zusammen (Crusen, Gila, Marco, Ivica und meiner Einer). Der Weg bis zum ersten Booking war weit und auch wir Schwarzlichkinder fingen klein an, bis wir irgendwann von einem Acker auf den nächsten Acker reisten, um komplette Floors zu dekorieren. Schön, aber auch anstrengend. Zudem hatten wir auch ein Fimo Stand, an dem Gila & Crusen ihre eigens hergestellten Fimo-Figuren, Schmuck etc. verkauften.“

Kannst Du dich noch an die erste Party erinnern, die ihr mit eurer Kunst inszeniert habt? Was für Materialien habt ihr verwendet, wie sah die Vorbereitung aus?

„Oh..ich glaube das war im Atisha. Damals hatten wir zwei Aufträge in der Location, dann ging es schon los auf’s Lovefield im Jahr 2ooo (freeform). Da haben wir ein Pilzwald entstehen lassen. Unsere Materialien waren ’ne Menge Draht, Leim, Zeitungspapier, Strumpfhosen, Wolle, Bauschaum etc. Natürlich nicht zu vergessen; die Schwarzlichtfarben. Daraus entstanden verschiedene kreative Sachen, z.B. Pflanzen, Blüten, String Arts und Pappmache- Figuren (Pilze, Gnomen etc.).“

Heute arbeitest du größtenteils mit stretchigen Stoffen wie Lycra. Erzähl uns ein wenig von deiner Entwicklung als Dekorateur.

„Früher bemerkte ich schon schnell, dass Pappmasche und String Arts sehr empfindlich beim Transport sind. Es geht sehr viel kaputt. Man braucht dadurch immer wieder Zeit zum Restaurieren. Die Sachen brauchen sehr viel Stauraum beim Lagern, sowie Transport. Ich brauchte es praktisch und einfach, da ich zu der Zeit kein Führerschein besaß war es nur möglich, mit einem Wanderrucksack und Rollkoffer unterwegs zu sein. Damals sammelte ich hin und wieder Erfahrung mit Stretch-Stoffen. Die Arbeit damit gefiel mir und das Material fand ich sehr interessant. Dabei bin ich auf den Geschmack gekommen.

Als für mich klar wurde, dass ich mein eigenes Projekt auf die Beine stellen werde, brauchte ich nicht lange zu überlegen, dass ich am liebsten mit Stretch-Stoffen arbeiten möchte. Mir gefällt es, wie vielseitig der Stoff ist und es ist interessant zu sehen, wie man sich mit den Stoffen sich der Location anpassen kann, um die Location in eine andere Welt zu verwandeln.

Vor ein paar Jahren hat sich ein kleines Projekt, mit einen sehr guten Freund entwickelt. Bei grösseren Aufträgen arbeiten wir am liebsten mit Bast.Art 23 zusammen. Wir haben schon einige grosse Aufträge zusammen gemeistert. Reisefieber und Mystica in der Schweiz zum Beispiel.“

Aufbau der Deko auf dem Reisefieber in der Schweiz 2013
Grille beim Aufbau der LED Elemente & Deko von Bast.Art23, auf dem Reisefieber in der Schweiz 2013




Wie viel Zeit stecken deine Freundin Elocin & Du pro Woche in deine Leidenschaft und wie kann man sich dein „Training“ vorstellen?

„Wir versuchen schon so oft wie möglich zu basteln. Wir beide sind berufstätig und es ist schwer immer ausreichend Zeit dafür zu finden. Dadurch, dass wir wenig Zeit in der Woche finden, basteln wir dann viel am Wochenende. Dann kommt man vernünftig mit seiner Arbeit voran, schafft was und sieht Ergebnisse. Wenn wir aber an einem Projekt dran sind und es muss fertig werden, kommt es dann schon vor, dass wir jeden Tag nach der Arbeit und am Wochenende von Morgens bis mitten in die Nacht im Atelier sitzen. Training ist es ja nicht wirklich, sondern Hobby. Klar, man lernt aus den Fehlern und man lernt immer was Neues dazu. Dadurch wächst man und  gedeiht.“             

Wie bist du überhaupt das erste Mal zum Psytrance gekommen und welche waren die ersten Acts und Tracks, die du gehört hast?

„Ich weiß es noch genau, es war beeindruckend; das Gaswerk, hier in Hamburg 1995. Zu der Zeit liefen viele Partys von Spiritzone. Ein Freund hat mich das erste mal auf ’ne Psy Party mitgeschleppt, da wurde ich dann auch direkt infiziert.“

An was kannst du dich erinnern, wie war dein Eindruck?

„Mein erster Eindruck war „Was geht denn hier ab“. Ich war gleich von der Atmosphäre, den bunten Leuten, der Musik und natürlich der Deko geflasht. Ich war beeindruckt, was man da auf die Beine    gestellt hat. Die Deko habe ich schon damals unter die Lupe genommen und mir genau angeschaut. Dabei habe ich einige Künstler bewundert und mich inspirieren lassen.“

Was fasziniert dich an dieser Szene und Musik? Immerhin bist du ihr schon ca. zwei Jahrzehnte treu geblieben.

„Es ist die Musik, die mich fesselt und antreibt. Ich liebe den internationalen Mix der Leute, die man auf Festivals kennenlernt und das man irgendwie miteinander connected ist.“

Welche positiven und negativen Veränderungen hat es deiner Meinung nach seit 2000 in der Szene gegeben?

„Man sieht schon eine positive Entwicklung, vor allem bei der Gestaltung von Partys. Die Deco-Teams werden immer professioneller und teilweise ist es ein Ohrenschmaus, wohin sich die Musik  und Soundqualität sich mittlerweile entwickelt hat. Natürlich nicht immer 😉

Aber ich finde, früher gab es in Hamburg viel größere und urigere Locations. Zur Zeit sind die meisten Partys in Clubs, oder Großraumdiskotheken, was ich persönlich sehr schade finde. Mir gefallen lieber alte ranzige Hallen oder Clubs, die ihren eigenen Charme besitzen.“

Beschreibe in einem Satz, was du dir für die Zukunft der Szene und der Musik wünschst.

„Passt alle mehr aufeinander auf!“

Wie siehst du die immer populärer werdenden Events a la Intact und Midnight Sun in Hamburg? Was findest du positiv und negativ daran? Oder anders gefragt: lieber Edelfettwerk, lieber Juice Club, oder lieber Acker?

„Kommerz hin oder her, wo fängt Kommerz an und wo hört er auf…ich denke das kommt ganz auf die Party an, die man besucht. Klar sind die Kosten in den letzten Jahren stark angestiegen, so wie es immer ist, in allen Lebensbereichen. Und wenn man fette Acts hören will und was geboten bekommen möchte, dann kostet das leider. Viele sehen nicht die hohen Ausgaben, die auf einen Veranstalter zukommen. Es gibt ja viele Festivals / Partys, die einmal ganz klein anfingen und sich zu den Größten hinentwickelten. Natürlich gibt es aber auch die Veranstalter, die die Preise Jahr für Jahr erhöhen, ohne die Soundqualität, das Line-Up und Anderes auszubauen. Dass ist dann reiner Kommerz. Naja, und wir sind Kinder der Natur, lieber Acker  als vier Wände!!!

Heute setzt Du deine Dekorationen mit deiner Freundin Elocin um. Wie lange macht ihr das schon?

„Oh, das weiss ich nicht mehr so genau, das kam schleichend. Am Anfang hat sie mir beim Aufbauen hin und wieder geholfen, dann beim Umsetzen von neuen Ideen. Das wurde dann immer mehr und mehr. seit einigen Jahren sind wir ein Team und entwickeln zusammen neue Konzepte. Und die bekommt ihr dieses Jahr natürlich sooft es geht zu sehen :)“            

Danke für dieses sympathische Interview!

Ein Gedanke zu „Grille & Elocin – Goa Party Dekorationen für Indoor & Outdoor Locations

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