Chrizzlix von Sun Department Records Hamburg – Label-Head & Act der neuen Psytrance Generation

Neue EP „Masakali“ am 17.04.2017, das neue Projekt „Binary Function“ und Label-Head bei Sun Department Records. 2017 geht actionreich los, für den 24-jährigen Psytrance Live-Act Chrizzlix aus Hamburg, der nebenbei auch schon Soundtracks bekannter Serien & Hörbücher produziert hat. Das schreit doch geradezu nach einem Interview. 

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Ja, mit 24 Jahren, nur ein Jahr jünger als ich, zählt Chrizzlix definitiv noch zu der jüngeren bzw. neueren Generation der Psytrance Acts & DJs. Nebenbei hat er außerdem das Label Sun Department Records in Hamburg gegründet und ist dort natürlich auch als Label-Head & Veranstalter aktiv. Somit ist der Goa-Jünger definitiv schon jetzt stark mit der Hamburger Szene verwachsen. Aktuell ist Chrizzlix auch mit dem Hamburger Dirty-Prog Live-Act Kleysky aktiv und hat mit ihm das frische Projekt Binary Function gestartet.






Und damit nicht genug. Am 17.04.2017 geht die neue EP „Masakali“ an den Start, verriet Chrizzlix vor Kurzem auf seiner Facebook-Seite. Richtig, der Sound ist ein Mix aus psychedelisch-melodischen Intros, im Wechselspiel mit satten und klaren Bässen. Auch gern‘ für Darkpsy und Hi-Tech verwendete Effekten finden, fein dosiert natürlich, Verwendung in Chrizzlix Tracks. Insgesamt sind die Tracks eher düster gehalten, trotz des progressiven Aufbaus, und eher Fullon oder Nightpsy zuzuordnen. Doch gelegentlich wird die Dunkelheit durch taktbestimmende Vocal-Elemente durchbrochen, ohne jedoch den Stil komplett zu „verfälschen“. Ein signature sound, den ich so bis jetzt noch nicht gehört habe.

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Chrizzlix im Studio
Chrizzlix im Studio

Auf seinen ersten Kontakt mit der Goa Szene folgte die erste selbst veranstaltete Party nahtlos. Selbst bei Facebook kann man sich mittlerweile durch ca. 6 Jahre Fotos von verschiedenen Gigs & Bookings wühlen. Los ging das Ganze also schon im Alter von 17 / 18. Nach kurzer Zeit schloss er sich der Hamburger Urgestein Crew „Freunde der Sonne“ an, denen er seinen erfolgreichen Einstieg verdankt und die er bis heute immer lobend erwähnt. Durch den engen Kontakt zu vielen DJs, lernte er schnell das Auflegen mit CD Playern und spielte 2011 direkt seinen ersten Gig in der Villa Kunterbunt in Elmshorn. Hier entstand übrigens auch der name seines Projektes. Das Motto der Party war „Zaubertrank Experience“. Alle Dj Namen wurden für den Abend im Sinne von Asterix und Obelix verändert. So wurde aus Francis z.B Francix, aus Roland 808 wurde Rolix und aus „Chris“ Chrizzlix“.

Als wäre an diesem Abend die Handbremse losgelassen worden, folgten in den nächsten Jahren zahlreiche Gigs von kleinen Clubevents, bis hin zu größeren Festivals wie dem New Healing, Natürlich Irre oder dem Desert Dance in Ägypten. 2015 schaffte er es dann auf die Indian Spirit. Neben diesem Meilenstein eines Major Festivals, finalisierte er in diesem Jahr auch sein erstes Live Set und ging fortan mit diesem auf Tour. Viele große Bühnen des Landes, u.a. auf dem Psychedelic Circus, Bachblyten, Orange Sun, Shining uvm. folgten. 2017 hieß es dann endlich back to the roots: sein erster Gig in der Heimat des Goatrance – in Indien – in Goa selbst. Mit einer aufregenden Tour über Deutschlands Festivals, feiert Chrizzlix mit euch außerdem die Open Air Saison 2017!

Als absoluter Perfektionist und ausgebildeter Toningenieur steht bei seinem Sound die Qualität an erster Stelle. Nicht selten dauert es Monate nach Beendigung des kreativen Prozesses eines Songs, bis dieser schließlich wirklich fertig ist und mit bestem Gewissen dem Publikum präsentiert wird.

„Man muss die Energy und Power eines Songs schon im Studio spüren um die entsprechenden Emotionen auf dem Dancefloor freizusetzen“. 

Chrizzlix setzt in seinen Songs auf Abwechslung. Die Basslines, Leadmelodien und sogar das ganze Arrangement eines Chrizzlix Tracks stehen unter dem Motto der Unvorhersehbarkeit. Chrizzlix selbst sagt, dass er in seinen DJ-Sets zunehmend Probleme bekommt, passende Songs anderer Künstler zu finden, die ihn selbst nicht langweilen. Psytrance hat oft den Hang zur Monotonie. Das ist an sich nichts schlechtes und ist ja auch in den Wurzeln des Genres nicht anders verankert. Chrizzlix möchte diese Strukturen jedoch aufbrechen und dem „Psy“ im Wort „Psytrance“ zu mehr Leben und Abwechslung verhelfen. Zulasten des Trance, was aber definitiv kein Problem ist. Davon gibt es genug. Dabei hilft das stets progressive Arrangement seiner Songs, wobei der Psy und das entsprechende Tempo nach wie vor das Hauptthema bleiben. „Man muss die Energy und Power eines Songs schon im Studio spüren um die entsprechenden Emotionen auf dem Dancefloor freizusetzen“. 

Als Veranstalter ist Chrizzlix außerdem seit mehreren Jahren mitverantwortlich für den Earthdance. Eine Benefizveranstaltung für Frieden, mit 100 %iger Spende an wohltätige Zwecke. Außerdem organisiert er regelmäßig die Sun Department Label Nights. Das nächste Mal am 28.10.2017.

Nutek Records

Ein weiterer Meilenstein ist die aktuelle Zusammenarbeit mit Nutek Records. Dieses Label sorgte 2011 für den Anstoß seiner musikalischen Karriere. Fasziniert von dem energiegeladenen Sound von Nutek Artists wie z.B Bliss, Painkiller und Azax Syndrom scherzte er noch, dass er jetzt mit dem Musikmachen anfangen würde und später einmal seine Musik bei Nutek Records veröffentlicht.

2016 wurde dieser Traum dann über Nacht zur Realität. Nach seinem Live-Set auf dem Bachblyten Festival, sprach ihn DJ Antaro (Gründer von Spirit Zone Records) auf seinen guten Sound an und wollte wissen, ob er schon bei einem großen Label veröffentliche. Am nächsten Tag stand bereits der Kontakt zu Nuteks Labelchef Roy Engel aka Painkiller und die erste EP wurde im November 2016 veröffentlicht. Die nächste folgt nun am 17. April 2017!

Neben seinen bisher 7 veröffentlichten eigenen EPs und zahlreichen Tracks auf Compilations, startete er zudem im Februar mit Kleysky das Collaborationsprojekt „Binary Function“. Zusammen arbeiten sie daran einen neuen Stil, der sowohl den von beiden geförderten „In-Die-Fresse-Sound“, als auch psychedelischen Flow beibehält, zu kreieren. Zuhause bei iDirty Records ist klar, dass Dirty Progressive Elemente nicht zu kurz kommen werden.

Und im echten Leben so? 

Außerhalb der Szene absolvierte Chrizzlix das Studium zum Bachelor of Audioproduction und arbeitete als Toningenieur in einem Studio, in dem er an Sounddesigns für bekannte Serien wie z.B „der Tatortreiniger“, für Hörbücher von Cornelia Funke, Bandaufnahmen und u.a. auch am neuen Silbermond Musikvideo mitarbeitete. Um sich der Musikproduktion und dem Labelmanagement noch intensiver widmen zu können, stellte er seine Hauptberuflichkeit nun auf die Musik ein.

„Alles unter einen Hut zu bekommen funktioniert mit einem normalen Vollzeitjob einfach irgendwann nicht mehr, man will ja auch noch Zeit für Freunde und Sport haben“

Interview mit Chrizzlix

Moin Chrizzlix, du wirst heute wohl oder übel mein Versuchskaninchen sein. Nachdem ich nun schon einige Interviews geführt habe, möchte ich das ganze nun um „auflockernde“ Fragen erweitern, die ich dir heute stellen werde. Aber fangen wir „altmodisch“ an. Erzähle uns von den Eindrücken, die dir von deiner ersten Goa Party in Erinnerung geblieben sind. Was waren deine Gedanken am Morgen danach?

„Also die erste Goa Party ist tatsächlich nahezu eindruckslos an mir vorbeigegangen. Zu der Zeit ging ich noch auf Techno Partys in der Roten Flora und landete eher zufällig auf einer Goaparty. Richtig was damit anfangen konnte ich nicht. Auf meine erste bewusst wahrgenommene Goaparty kam ich durch meine damalige Tätigkeit als Veranstaltungstechniker. Ich betrieb mit einem guten Freund zusammen ein kleine Sound- und Lichtanlagen Vermietung und supportete einen Freund der in Elmshorn seine ersten Goa Partys veranstaltete. Neben der Technik sprang ich auch direkt an der Tür und beim Auf- und Abbau ein. Ehe ich mich versah war ich Teil der Crew und veranstaltete mit einer kleinen Truppe unter dem Namen „Psychedelic Injection“ weitere Partys in der Villa Kunterbunt in Elmshorn. Ich habe also im Prinzip noch bevor ich meine erste Goaparty in vollen Zügen miterlebt habe – eine veranstaltet. Natürlich bin ich dabei sofort auf das Besondere an Goa Partys aufmerksam geworden und konnte mir dann erstmal kein Wochenende ohne vorstellen.

Die Eindrücke waren wohl die „Klassischen“: Was für eine tolerante, entspannte, liebevolle und familiäre Atmosphäre! Dementsprechend gab es selten einen „Morgen danach“ mit Gedanken, sondern eher ein konsequentes vor Ort bleiben. Wenn sie dann am Montag trotzdem kamen waren es meist eher „noch 4 tage 18 Stunden und 23 Minuten bis Wochenende“ Gedanken.“

Solle es schon immer was Musikalisches sein? Immerhin hast du am Sounddesign zum letzten Silbermond Musikvideo mitgearbeitet. Wie kam es zu dem Job?

„Tatsächlich habe ich die Liebe zum Musikmachen erst durch Psytrance entdeckt. Ich hatte zwar früher in der Schule schon immer viel Spaß am Musikunterricht, habe Blockflöte gespielt und auch privat einige Instrumente ausprobiert, aber richtig Songs zu schreiben und aktiv zu produzieren kam erst dazu als es Chrizzlix als DJ schon gab.

Das Sounddesign für das Video habe ich im Rahmen meines ehemaligen Berufs als Toningenieur erstellt. Ich hatte das Glück in einem Studio zu arbeiten wo ich nicht nur vielfältige Jobs hatte, sondern auch regelmäßig sehr coole, bekannte Projekte. So hatte ich unter anderem auch z.B. Hella von Sinnen für Sprachaufnahmen im Studio und habe am aktuellen Hörbuch zu Cornelia Funkes „Die Feder eines Greifs“ mitgearbeitet. Daher habe ich im Beruf natürlich viel technisches Know-How angesammelt und auch mit künstlerisch sehr erfolgreichen Menschen zusammengearbeitet und natürlich auch als Psytrance-Act davon profitiert.“

Glaubst du, die Ausbildung als Tontechniker ist Bedingung für den musikalischen Erfolg in der Psytrance Szene?

„Nein absolut nicht! Man lernt in der Ausbildung tatsächlich sehr sehr wenig über elektronische Musikproduktion. Es geht mehr um das Aufnehmen von Bands und generell eher um Popularmusik. Außerdem sind die Kenntnisse heutzutage überall vorhanden. Inzwischen gibt es so viele hochwertige Tutorials in denen zum Teil namenhafte Acts sehr genau erklären wie das Produzieren funktioniert. Natürlich habe ich in der Ausbildung umfangreiches Wissen angesammelt, dass auch immer mal wieder nützlich ist – das Psytrance Produzieren habe ich mir allerdings selbst beigebracht. Ein gutes Beispiel dafür ist auch Matthias aka Kleysky, der ebenfalls in kürzester Zeit ohne eine Ausbildung sich viel Wissen in der Trance Produktion angeeignet hat und damit, wie man sieht, auch erfolgreich ist.“

Wussten deine Arbeitskollegen von deinem zweiten Standbein? Was war die lustigste Bemerkung von Kollegen und / oder Kunden?

„Ja das wussten sie natürlich. Spätestens als ich meinen Chefs dies als meinen Kündigungsgrund nannte war dann wohl auch klar, wofür mein Herz wirklich brennt.

Lustig war aber auf jeden Fall als ich einem meiner Chefs erzählte, dass ich einen Song gemeinsam mit McCoy’s S.U.N Project produziert habe und er völlig entsetzt aufsprang und mich voller Ehrfurcht ansah. Einige Wochen später erst stellte sich raus, dass er dachte ich meine „Real McCoy“ eine Eurodance Legende aus den 90ern. Ein wenig wunderte mich ja seine Begeisterung und überhaupt die Tatsache, dass er als komplett szenefremder Mensch McCoy’s S.U.N Project kennt einordnen konnte schon.“

Wenn du dringend Geld bräuchtest, wen würdest du als Erstes anrufen?

„Jeden auf meiner „du schuldest mir noch Geld“ Liste.“

Wo wärst du beruflich gelandet, wenn du taub wärst?

„Sehr, sehr schwierige Frage. Auch vor meiner Ausbildung zum Toningenieur war mein Werdegang schon in der Veranstaltungs- also auch Tontechnik. Andere Wege gab es da vorher eigentlich nicht.“

Was schätzt du am meisten an Hamburgs Goa-Szene & Clublandschaft und was am wenigsten?

„Definitiv die Partypeople! Natürlich bin ich voreingenommen, weil ich selbst aus Hamburg komme, hier alles angefangen hat und ich natürlich viele Freunde in der Szene hier habe, aber auf dem Floor rockt es in Hamburg auf jeden mit am stärksten!

Sicher gibt es einiges, dass ich an der Szene allgemein kritisieren könnte aber nichts davon würde ausschließlich auf Hamburg zutreffen. Zu bedauern wäre allerdings, dass es so wenig geeignete Clubs in Hamburg gibt. Mit der Schließung des Festplatz Nords geht nun ein weiterer großer Laden davon.“

Wenn Psytrance ein Tier wäre, welches wäre das in deinen Augen?

„Ein Chamäleon. Passt sich immer seinem Umfeld an, ist sehr Wandlungsreich mit vielen Gesichtern aber meistens Bunt!“

Du hattest auch recht schnell Bookings im Ausland, vor allem in Ägypten. Wie kam es dazu?

„Ägypten ist unter meinen Auslandsbookings tatsächlich ein Sonderfall. Zum einen ist der Veranstalter, DJ Beathead, ein sehr guter Freund von mir und zum anderen bin ich als Act und Helfer seit der ersten Edition des Festivals „Desert Dance“ in Ägypten mit dabei. Diesen Jahr findet nun die 5. Edition des Festivals statt und ich kann es kaum noch erwarten wieder dort zu sein!“

Wie war es, das erste Mal in Goa zu spielen, im Mekka des Psytrance. So, wie man es sich märchenhaft vorstellt, oder ein wenig desillusionierend?

„Von der Region an sich habe ich tatsächlich erstmal andere Vorstellungen gehabt. Auf meinen Gig bezogen war es aber mehr als märchenhaft! Nachdem ich zuvor von befreundeten Djs ermahnt wurde, doch auf jeden Fall viel düsteren und schnelleren Sound zu spielen als ich es eigentlich tue, war mir schon etwas unwohl – entweder musste ich Musik spielen, mit der ich mich nicht 100 %ig identifiziere, oder Musik die, laut meiner Kollegen, gar nicht in Goa ankommen würde.

Nun hat auch noch ein Abend zuvor, auf der selben Bühne, auf der ich am nächsten Tag spielen sollte, Goa Gil seinen typischen Darkpsy Sound gespielt. Ein wenig verunsichert ging ich am nächsten Tag wieder in den Club und sah direkt, dass der DJ vor mir schon schneller spielte als ich es wollte, obwohl es noch nicht einmal richtig dunkel war. Als ich sah, dass der Club beinahe voll die Tanzfläche aber leer war entschied ich mich drei Minuten vor dem Start meines Sets um und startete doch mit meinem eigenen Sound auf meiner Geschwindigkeit.

Als sich innerhalb von Sekunden der Dancefloor um das 10fache füllte und die Menschen beim ersten Drop abgingen wie auf einem Video von Vini Vici wenn sie „The Tribe“ droppen, war das vermutlich einer der emotionalsten Momente, die ich in meiner Karriere bis heute hatte! Definitiv eine meiner schrägsten Erfahrungen aber auch zugleich unangenehmsten Situationen kam direkt nach dem Gig: Einige einheimische Gäste gingen sogar auf die Knie um meine Füße zu berühren (eine große Ehrung in Indien).“

Wie kam es zu der Arbeit mit Kleysky? Woher kennt ihr euch?

„Persönlich kennengelernt haben wir uns auf einer Open Air in Hamburg, als ich vor ihm spielte. Witzigerweise spielten wir ab diesem Tag sehr oft zusammen und komischerweise sogar genau in dieser Reihenfolge auf Partys. Als wir uns direkt gut verstanden haben und unsere Soundvorstellungen, trotz der unterschiedlichen Genres, sehr nah beieinander lagen, haben wir dann mal einen Track zusammen produziert. Da ich sowieso schon immer ein Ohr für Dirty Progressive hatte und Kleysky auch auf meiner Geschwindigkeit unterwegs ist, wollten wir gern ausprobieren was passiert, wenn man unsere beiden Stile miteinander kombiniert.“

Entstanden ist Binary Function, ein Koop-Projekt, mit dir und Kleysky. Seid ihr 2017 auch gemeinsam auf Festivals gebucht?

„Für Binary Function stehen 2017 schon einige Festivals an. Das bisher größte ist z.B der Psychedelic Circus. Aber auch auf dem Synaptic Eclipse, Dedication, Natürlich Irre, Summer Dream und sogar dem Desert Dance in Ägypten werden wir zu hören und sehen sein.“

Was war der wichtigste Ansatz deines neuen Releases? Wo lag dein Fokus und wie konntest du dich musikalisch und produktionstechnisch weiterentwickeln?

„Der wichtigste Ansatz war diesmal, dass ich inzwischen in meinem Stil angekommen bin. Ich weiß genau was ich für Sound produzieren möchte und kann ihn inzwischen auch umsetzen. Es sollte noch ein Stück hochwertiger klingen und stilistisch noch enger an den Nutek Style angelehnt sein.

Eine große Weiterentwicklung fand im Bereich der Leadmelodien statt. Hier konnte ich einiges gutes Feedback von Painkiller bekommen und auch zufriedenstellend in den Tracks umsetzen. Der Fokus lag wie in meiner letzten EP auch wieder auf einem ganz gezielten Thema. Da diesmal meine Indienreise kurz bevor stand, machte ich dies zum Thema des Releases. So finden sich neben indischen Vocals auch traditionelle Instrumente in den Songs.“

Wie findest du, neben der Arbeit an deiner eigenen Musik, auch noch Zeit den Earthdance mit zu veranstalten & als Label-Head tätig zu sein? Erzähle ein wenig von der Veranstaltung und deinem Label. Wie kam es zum Earthdance und zur Gründung, wie sieht ein typischer Arbeitstag aus usw.

„In der Tat ist es sehr viel Arbeit. Wer denkt, man arbeitet weniger als jemand mit einem 9 to 5 Job, der irrt sich gewaltig. Nur die Arbeit als Musikproduzent (zumindest auf einem professionellen Niveau) nimmt in der Regel schon mit den Wochenendgigs mindestens eine 40 Stunden Woche ein. Die Labelarbeit und das Veranstalten funktioniert trotzdem daneben – aufgrund eines wichtigen Faktors: Ein super Team! Im Label habe ich mit Psyfonic den wahrscheinlich besten Geschäftspartner erwischt. Wir ergänzen uns in unseren Stärken und Schwächen optimal und brennen beide bedingungslos für die Musik und das Label. Insbesondere beim Earthdance sind wir natürlich ein noch viel größeres Team bei Freunde der Sonne. Hier spielt seit Jahren ein eingespieltes Team zusammen.“

Wo siehst du dein eigenes Label in 5 Jahren?

„Wenn es so weiter geht wie bisher (wogegen nichts spricht), dann sehe ich auf jeden Fall eine super Entwicklung! Wir haben absolut talentierte Künstler im Label, teilweise ganz aktuell frische Talente aber auch Mitglieder die fast seit der Geburt des Labels dabei sind und sich mit uns zusammen bist heute sehr stark weiterentwickelt haben. Mittlerweile sieht man den Labelnamen auf den größten Festivals des Landes – in 5 Jahren hoffentlich auch öfter über die Grenzen hinaus!“

Wie stellst du dir die Szene in 50 Jahren vor? Wirst du noch dabei sein?

„Und ich dachte die Frage mit der Taubheit wäre schwer *lacht“. Mit Sicherheit werde ich noch sehr lange in der Szene aktiv sein – 50 Jahre sind aber eine verdammt lange Zeit. Momentan würde ich nichtmal darauf wetten, dass es dann überhaupt noch Menschen auf diesem Planeten geben wird.“

Wenn du der Szene zwei Sätze mit auf den Weg geben könntest, bevor du verstummst, welche wären das?

„Goa ist was ihr draus macht!

Man kann noch so lange über verlorengegangenen Spirit klagen und sich beschweren, dass Goa kommerzieller wird. Am Ende versaut derjenige es sich damit selbst…entweder man geht mit einer anderen Einstellung auf die Partys (nämlich toleranter!), oder man sucht sich Partys bzw. Freundeskreise wo es anders läuft….und ja, das gibt es allerdings noch!

Legt öfter mal euer Konsumverhalten auf die Waagschale!

Den größten Spaß hatte ich bisher tatsächlich immer auf Partys oder Festivals auf denen die Menschen nüchterner waren. Unbedachter Konsum ist nicht nur für einen selbst schädlich.“

Wer oder was inspiriert dich als Künstler? Du sagtest ja selbst, dass es immer schwieriger wird, noch neue spannende Sachen zu entdecken. Welche sind das aktuell?

„Eigentlich jeder Künstler, der aus der Masse heraussticht und vor allem jene, die sich an etwas neuem ausprobieren. So ist von der Performance her „Eat Static“ ein absoluter Meister in meinen Augen. Von der Musik hänge ich aber eher an Artists wie Mystical Complex, Bliss oder Blastoyz, die einen unverwechselbar eigenen Sound kreiert haben. Deren Songs könnte ich im Halbschlaf noch zuordnen, wenn mein Nachbar sie auf Kopfhörer hört…und dabei müsste ich den Song vorher nicht mal kennen.“

Hast du eine bestimmte Vorgehensweise beim Produzieren, oder lässt du es „fließen“, wie man so schön sagt?

„Sicher habe ich meinen Workflow und auch Arbeitsschritte die immer die gleichen bleiben, aber generell versuche ich, an jeden Song wie an ein leeres Blatt Papier heranzugehen. Wenn man zu viele Arbeitsschritte nach immer den selben Prinzipien angeht, wird zwangsläufig ein produktiver Workflow entstehen – neue kreative Ansätze aber eher selten. Das Aufbrechen von Regeln und standardisierten Vorgehensweisen ermöglicht erst sich an das Unentdeckte heranzuwagen und wirklich Außergewöhnliches zu kreieren!“

Glaubst du, dass Psytrance in den nächsten 5 Jahren kommerzieller wird, also die Szene wächst und populärer wird, oder aber der ursprüngliche Spirit zurück in den Fokus rückt?

„Absolut. Die Szene wächst weltweit und ganz besonders in Deutschland. Der „ursprüngliche Spirit“ ist natürlich so eine Sache die man erstmal definieren müsste. Wenn es dabei um das Feeling auf einer kleinen Goa Party im Wald in den 1990ern geht, dann wird der Spirit wohl in Zukunft weiter in den Untergrund wandern.“

Besuchst du Partys & Festivals auch noch als normaler Gast?

„Aber natürlich! Ich muss zugeben, dass meine Motivation im Winter doch eher gedämpft ist, da ich Clubs allgemein nicht so gerne mag und mir da die Abende, an denen ich Gigs habe, oder selbst veranstalte, für die Saison meist schon ausreichen. Im Sommer bin ich aber selbstverständlich auch gerne nur zum feiern auf einer kleinen Open Air, oder auch im Ausland z.B. auf dem Boom Festival oder der Psy-Fi. Wobei ich die Partys schon sehr genau plane und abwäge, ob es sich wirklich lohnt – da besonders im Sommer fast jedes Wochenende schon mit einem Gig belegt ist und die übrigen natürlich sehr kostbar sind.“

Wie verbringst du dein WE in Hamburg, wenn mal kein Termin ansteht?

„Freunde. Freunde zu treffen hat an den Wochenenden absolute Priorität! Durch die meist außerhalb Hamburgs stattfindenden Gigs verpasst man natürlich vieles was am Wochenende zuhause abgeht…das versuche ich dann möglichst intensiv aufzuholen.“

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